|
06.10.2005 U.D.O.
|
||||||||
|
Hey, Udo, wie geht’s?
Gut, aber ich hoffe, ich bin nicht zu spät. Die haben mir die Interviews so eng aneinander gesetzt und wenn du da auch nur fünf Minuten mit einem länger quatschst, dann rutscht du mit der Zeit irgendwie nach hinten… Dann hast du wohl einen richtigen Marathon hinter dir. Das kannst du wohl laut sagen, ich kann mich nicht beklagen. Die Accept Reunion ist ja nun mittlerweile Geschichte, wie siehst du diese Angelegenheit im Nachhinein? Hm, wie kann man sich dazu äußern? Sagen wir mal so, es hat auf jeden Fall Spaß gemacht. Für mich war aber auch wichtig, und deswegen habe ich der Sache eigentlich auch zugestimmt, mir selber über einige Dinge klar zu werden. Ich konnte in musikalischer Hinsicht einen A und B Vergleich machen und habe für mich, auch wenn das für einige Leute vielleicht nicht so schön rüberkommt, rausgefunden, dass bei Accept nicht die Zukunft für mich liegt, sondern die ist ganz eindeutig bei U.D.O. Das heißt jetzt, dass wir einen Höllenstress hatten, im Gegenteil, wir hatten einen Höllenspaß, aber man kann doch gewisse Sachen feststellen, die aus Gesprächen resultieren, die man miteinander führt und ich bin auch nicht der Einzige gewesen, der für sich gesagt hat, dass das nicht mehr funktionieren würde - also es würde nicht funktionieren, wenn wir jetzt ins Studio gehen würden und eine richtige Reunion machen würden. Zwar könnten wir noch mal ein Album machen, aber dann wahrscheinlich jeder mit geballten Fäusten in der Tasche und man müsste sich zusammen raufen, aber das macht keinen Sinn. Und das weiß auch jeder, denn was würde danach kommen? Das macht keinen Sinn, für mich schon gar nicht, weil ich dafür zuviel aufgeben müsste. In einem deutschen Printmagazin ist davon die Rede, dass es zum Schluss innerhalb der Gruppe zu einigen Unstimmigkeiten gekommen ist. Ach weißt du, die Leute versuchen immer irgendetwas zu schreiben, das ist Blödsinn, muss ich dir ganz ehrlich sagen. Wir hatten viel Spaß und ich weiß auch gar nicht, wo Unstimmigkeiten hätten auftauchen sollen. Wir hatten ein Programm, da gab es nicht irgendwelche neue Stücke von irgendwelchen neuen Alben, da gab es gar keinen Druck. Wir haben Shows gespielt und haben Spaß gehabt, mehr nicht. Wo soll es da Unstimmigkeiten gegeben haben? Manche Leute versuchen aber auch immer irgendwelche Sachen irgendwo hereinzuinterpretieren, die ich dann auch nicht nachvollziehen kann. Ich hab aber auch beispielsweise schon Sachen gelesen, dass ich beim Rock Hard Festival in Gelsenkirchen keine Lust gehabt hätte. Woher wollen die wissen, ob ich Lust hatte, oder nicht? Ich kann nur sagen, dass ich viel Spaß gehabt habe, in Gelsenkirchen. Es ist aber auch belustigend solche Geschichten zu lesen, wo ich dann einfach nur denke "HALLO???!!!". Aber man lernt im laufe der Zeit, und das sind jetzt fast 30 Jahre, mit solchen Geschichten zu leben. Da steh ich drüber! Auf zum aktuellen Tagesgeschäft: das neue Album ist am Start und mich würde jetzt erstmal interessieren, wann "Mission Nr. X" entstanden ist. Letztes Jahr gab es "Thunderball", dann ein paar Konzerte… Ein paar ist gut… Hehe, und dieses Jahr war bisher für Accept geblockt. Eigentlich wollten wir dieses Jahr mit U.D.O. ein wunderschönes Break machen, so zwei, drei Konzerte spielen und wollten eigentlich ganz in Ruhe ein neues Album aufnehmen. Du diese Accept Nummer ist ja nicht neu, die ist ja nicht irgendeinem erst letztes Jahr eingefallen, sondern das ist ja schon über Jahre hinweg an mich herangetragen worden und ich konnte immer nur sagen: "Kinder, ich habe keine Zeit, ich bin mit U.D.O. im Studio, ich bin auf Tour…". Aber irgendwer hatte mal wieder große Ohren und so hatte man mich im Oktober letzten Jahres, zum Ende der "Thunderball" Tour angerufen und gemeint: "Du willst ja ein Break machen, das würde ja wunderbar passen, wenn du Bock hättest, jetzt diese Accept Geschichte zu machen". Nun hab ich auch nicht direkt "Hurra" geschrieen, sondern da gab es für mich auch noch einige Dinge abzuklären, weil auch die Band nicht gerade mit Begeisterung dagestanden ist und meinte: "Jawoll, Udo macht wieder Accept…" und auch die Plattenfirma nicht und da gab es im Vorfeld schon erstmal einige Gespräche zu führen. Tja und damit war dann auch der schöne Break und das gemütliche Arbeiten am neuen Album dahin, wir haben das dann in zweierlei Hinsicht gemacht. Erst einmal haben wir früher mit dem Songwriting begonnen, sprich Anfang November und es war für mich auch wichtig, das Album dann fertig zu haben und dann damit hausieren zu gehen, um den Leuten gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, die gedacht haben, dass es eventuell eine richtige Accept Reunion geben könnte. Das gute an der ganzen Geschichte ist und darüber bin ich im Nachhinein auch ganz froh, wir haben praktisch aus einem Live-Feeling heraus dieses Album komponiert und sind auch mit diesem Feeling im Studio gelandet. Ich will mal behaupten, dass es ein Album ist, das sehr direkt ist, aus dem Bauch heraus und wir hatten einfach auch nicht die Zeit zu viel darüber nachzudenken. Das war einfach, komponieren, arrangieren, aufnehmen, mischen –Ende. Ich bin mit diesem Album sehr happy, weil es sehr frisch ist. Ich habe auch schon einige Alben unter "Druck" komponiert - auch mit Accept und das waren meist die Alben, die Meilensteine wurden haha. Ob das jetzt hier ein Meilenstein wird, weiß ich nicht, kann ich dir nicht sagen, ich bin auf jeden Fall sehr happy und soweit ich die Reaktionen vernommen habe, sind diese sehr, sehr gut. Da haben wir wohl gar nichts Verkehrtes gemacht. Hat der Titel der Scheibe eine besondere Bedeutung, ist ja immerhin das zehnte Album der post-Accept Ära. Ja, das ist im Prinzip "Mission Nr. X". Ach??? Die zehn steht für das zehnte Album und Mission - ja, wir sind immer noch mit unserer Musik auf einer Mission und wir sind noch nicht angekommen, wir sind noch nicht fertig, wir sind noch nicht am Ende Und persönlich? Ich könnte jetzt einen Vergleich ziehen: ich habe zehn Alben mit Accept gemacht und zehn mit U.D.O. das heißt jetzt Gleichstand! Das habe ich mir schon nicht träumen lassen, dass ich mit U.D.O. schon beim zehnten Album gelandet bin, das zeigt schon, dass da eine gewisse Kontinuität drin ist. Ich glaube, U.D.O. hat sich mittlerweile auch verselbstständigt. Es heißt zwar U.D.O. aber in Wirklichkeit sagen die Leute ja eh, dass man auf die ganzen Platten auch Accept schreiben könnte. Es soll ja Leute geben, die würde das stören, du aber führst das Accept Erbe konsequent weiter. Ja, genau und das kann ich auch gar nicht ändern. Ich kann meine Stimme nicht ändern, meine Kompositionsart kann ich nicht verändern, die ja nun auch ein Stück von Accept war und Stefan Kaufmann, der nun mit bei U.D.O. ist, war eine der wichtigsten Personen bei Accept, ob nun im Studio oder beim Songwriting. Da kann man dann auch eigentlich nicht viel Anderes erwarten. Das ist das Erfolgsgeheimnis von U.D.O., diese markante Kontinuität?! Ich denke schon, wir haben uns ja auch nicht großartig verändert, sondern sind unserer Schiene treu geblieben. Jetzt ist das alles auch irgendwie besser, als zum Anfang der band. Das Line-Up ist konstanter und das zahlt sich auch auf jeden Fall aus, besonders live, wir sind eine feste Einheit geworden und das kommt dann auch dementsprechend rüber. Gibt es auf dem neuen Album einen Song, den du besonders hervorheben würdest, weil er dir besser gefällt als die anderen oder weil er einfach anders ist. Ein Stückchen anders ist auf jeden Fall "Mean Streets", obwohl der Sprechgesang in der Form nicht so neu ist. Das hab ich in anderer Form schon einmal auf dem "Russian Roulette" Album gemacht. Der Song ist mit Sicherheit modern, es tauchen Rap-Elemente mit auf, in einer weit entfernten Form und auch die Struktur des Songs ist anders. Aber wir haben immer mal Songs auf einem Album gehabt, die irgendwie anders waren, nimm mal zum Beispiel "Trainride Russia". Das kann man sich aber auch mal zugestehen, finde ich. Wenn man 10, 12 Songs auf dem Album hat, dann kann auch mal einer etwas experimenteller ausfallen. Zum dem Song gibt es auch ein FSK 18 Video. Da gibt es die familienfreundliche Version und auf der limited Edition ist diese über 18 Variante. Als es seitens der Plattenfirma hieß, dass sie ein Videoclip mit uns drehen wollen, sagt man natürlich nicht nein - wenn aber, dann soll es etwas anderes sein, als so ein normales Heavy Video. Wir haben dann mal unsere Texte ein wenig durchforstet und geguckt, wo man mal eine Art Story aufbauen könnte, wo man auch in einer gewissen Weise schauspielern kann und da hat sich "Mean Streets angeboten. Es geht ja um die Gefährlichkeiten unserer Straßen, Perversitäten, also um die ganzen schlimmen Sachen, die um uns herum passieren, worüber man allerdings kein Wort spricht. Die erste Idee war dann, das ganze in einem Rotlichtbezirk zu drehen. Wir haben dann mal ein wenig rumgeguckt, das heißt, nicht wir, sondern die Video Company, und haben festgestellt, dass es den ganzen Dreck, den wir eigentlich haben wollten, dort gar nicht mehr gibt. Die sollten sich dann etwas ausdenken und kamen dann mit dem Storyboard an, in dem allerdings noch nicht alle Details standen, die kamen nämlich alle erst am Drehtag. Ich wusste noch nicht, dass ich mich selber mit einer 9-schwänzigen auspeitschen muss, da hab ich eigentlich gedacht, dass würde dein Double machen, oder wer auch immer. Keiner wusste, dass eine Prügelszene einstudiert werden musste usw. Irgendwann hat das einen aber auch gereizt, ich meine, wie weit kann man da gehen? Da muss ich auch meinen Hut vor Schauspielern ziehen, die sich in gewisse Situationen reindenken können. Andere Sache: du bist nun gut 30 Jahre im Geschäft, irgendwann schon mal einen Gedanken ans Altenteil verschwendet? Nee! Das nicht. Nachgedacht habe ich aber mal, als ich wieder mit U.D.O. angefangen habe. Die ersten beiden Jahre mit "Solid" und "No Limits", das war harter Tobak, da wären einige Leute mit Sicherheit an den Punkt gelangt, aufzuhören. Das war wirklich eine harte Zeit, weil da auch Metal nicht so angesagt war, dann waren die Leute sauer, dass es Accept nun doch nicht mehr gibt. Das war eine bittere Zeit aber irgendwann kam auch dieser "Jetzt erst recht" Gedanke und der hat uns im Endeffekt auch Recht gegeben. Es war auch gut, dass man sich da durchgebissen hat. Wie lange würdest du deiner Band selber noch geben wollen? Zehn weitere Alben werden es doch sicher nicht. Wenn ich so lange mache wie Ronnie James Dio, dann gibt es noch zehn Alben, haha. Im Augenblick wüsste ich nicht, wo das Ende sein sollte. Wir sind mehr als beschäftigt und rein Tour-mäßig alles machen würde, was uns angeboten wird, dann wären wir die nächsten zwei Jahre unterwegs. Das werden wir natürlich nicht machen, sondern das aufs Wesentliche beschränken, aber momentan gehen die Planungen bis weit in 2008. Mit diesem Album werden wir bis Anfang 2007 unterwegs sein, dann wird es von der nächsten Tour mit Sicherheit eine DVD geben, dann haben wir in Planung nach diese Tour beim nächsten Album etwas ganz anderes zu machen, aber dazu will ich mich noch nicht so richtig äußern. Nur soviel, es wird kein Studio-Album in diesem Sinne geben, allerdings auch kein Live-Album. Es wird etwas plastisches sein, aber in einer Form, die etwas anders sein wird, als man sich denkt. Wenn wir damit fertig sind, haben wir ca. 2009 und dann werden wir auch ein neues Studio-Album machen, von daher sehe ich momentan überhaupt gar kein Ende. Willst du noch etwas loswerden zum Schluss? Tja, was soll ich sagen? Ich kann mich eigentlich nur dafür bedanken, dass uns die Fans treu geblieben sind, ich hoffe, dass alle viel Spaß mit dem neuen Album haben werden und wir sehen uns mit Sicherheit auf Tour. (lk) |
|
|||||||