Interview

25.04.2004 Soulmate
 
10-jähriges Bandgeschehen, 3 Alben PopEmo im Gepäck, nerdiges Aussehen mit Aussage: Soulmate sind auf Tour gewesen, mit Metal Inside sprach Martin ein paar Worte über den Soulmate, einen entspannten Tourtag oder auch einfach nur über die Entstehung. Ein wenig Innenleben des Seelenverwandten.
Hellas to Soulmate! Aus aktuellem Anlass eine seltsame Anfangsfrage: Musste einer von euch während der Tour schonmal ins Krankenhaus?

Nein, zum Glück sind solche Dinge bis jetzt an uns vorbeigegangen. Allerdings war jeder von uns auf Tour schon mal irgendwie krank, aber das war eher harmlos und mit frei verkäuflichen Medikamenten zu beheben.

Was macht das Touren für dich zu einer schönen/scheußlichen Sache?

Auf Tour zu sein bedeutet für mich persönlich in erster Linie mit Menschen zusammen zu sein, die ich sehr schätze und mich dabei den ganzen Tag um Dinge zu kümmern, die mir Spaß machen. Auch wenn ein Tag mal doof ist, wenn beispielsweise ein langer Stau war oder so, gibt es noch immer den Abend, an dem man dann doch wieder angenehme Menschen kennenlernt und diesen Moment hat, auf der Bühne stehen zu dürfen, um die eigene Musik zu machen. À propos eingene Musik: Nach vier Jahren einen Nachfolger rauszubringen: Ist das ein Befreiungsschlag?

Ja, das kann man schon als Befreiungsschlag bezeichnen. Als es nach der "In Summerstreets" an die Arbeiten zum nächsten Album ging, hat Jürgen –Gitarrist und Gründungsmitglied- die Band aus persönlichen Gründen verlassen. Das war auch der Zeitpunkt, an dem Woody und ich dazukamen. Wir mussten uns dann erstmal als Band neu finden und haben uns darüber hinaus von relativ vielen älteren Songs getrennt und gemeinsam neue erarbeitet. Dann ging es auch bald in die erste Vorproduktion mit unserem Produzenten Jem. Wir haben dann immer wieder Songs weggeworfen, weil wir noch nicht das Gefühl hatten, dass das jetzt das Album ist und uns in diesem Prozess auch so ein bißchen verrannt. Als wir dann das Gefühl hatten, jetzt ist das alles so wie wir das auf der Platte haben wollen, haben wir "Revolving" aufgenommen. Als dann klar war, wie das Album geworden ist und wie und wo es rauskommt, war das schon ein befreites Gefühl.

Was befreit dich nach einem anstrengenden Tourtag?

Da ist in erster Linie das Spielen selbst zu nennen. Darüber hinaus hat die Art, wie man empfangen wird eine wichtige Bedeutung. Dabei ist sowohl der Empfang durch den Veranstalter als auch durch das Publikum für mich wichtig. Bei dieser Tour war ich außerdem für ein Tourtagebuch verantwortlich, dass bei spex.de veröffentlicht worden ist. Das war für mich neu, aber sehr schön, sich die Eindrücke des vergangenen Tages nochmal vor Augen zu führen und dann Teile davon niederzuschreiben. Das war auch sehr befreiend.

Soulmate ist eine schon langjährig (10 Jahre) bestehende Band . Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang Kommunikation zwischen euch?

Ich denke, dass keine Band ohne eine funktionierende Kommunikation bestehen kann, sei es ein Jahr oder eben 10. Genauso wichtig wie die Kommunikation im Prozess des Musikmachens empfinde ich allerdings die Kommunikation in allen anderen Situationen. Ich glaube nicht, dass ich mit jemandem in einer Band spielen wollte oder auf Tour sein könnte, mit dem ich mir nicht auch über Musik hinaus was zu sagen habe. Wie viel der gemeinsamen Zeit redet man denn über Musik oder sogar die eigene? Da dreht man doch irgendwann komplett durch. Das sind bei uns schon Freundschaften, die über diesen einen Kontext hinaus funktionieren.

Wer ist denn der "Soulmate"? Wer hat oder hatte den engen Draht zum anderen?

Wir haben untereinander unterschiedliche und unterschiedlich enge Drähte zum jeweils anderen.

Ok. "Revolving" ist wohl dann die Neuentstehung? Zwischen euch? Zwischen der Musik?

Wie in allen Gruppenkonstellationen ist auch die personelle Zusammensetzung einer Band entscheidend für Prozess und Resultat. Insofern glaube ich, dass die Situation in der Band ganz zwangsläufig zu "Revolving" geführt hat. Dass das Album dann anders klingt als "In summerstreets" ist meines Erachtens auch aus dem zeitlichen Zusammenhang zu verstehen: Es bleibt ja keiner stehen, es gibt neue Einflüsse, neue Eindrücke und Vorlieben und eben auch neue Musik. Dass dann eine Platte im Jahr 2004 anders klingt als 2000 ist ja nur klar.

Welche Entwicklung wird nun auf euch zukommen? (Das Label) Superrock bleibt es laut einem anderen Interview von euch nicht mehr...

"Revolving" und auch die "Transporter EP" sind ja auf "Make My Aay Records" erschienen, wo wir uns extrem gut aufgehoben fühlen. Wir bekommen da jegliche Unterstützung, die wir brauchen und die wir uns wünschen.

Worauf habt ihr vermarktungstechnisch bei der jetzigen Musikindustriewirtschaftslage Lust?

Was bedeutet vermarktungstechnisch? Wir wollen Konzerte spielen und die Möglichkeit bekommen, Platten zu veröffentlichen. Vielleicht auch mal ein Video machen. Aber ist das Vermarktungstechnik? Ich denke nicht, dass wir die nächste Band aus irgendeiner Werbekampagne sein wollen und werden.

Ich meinte eher eure Sicht der Promo der Band... Feilt ihr auch an eurem "Image" mit?

In dem Moment, in dem man eine Platte veröffentlicht, die so oder eben so klingt oder aussieht, Pressefotos oder ein Info hat oder indem man auf einer Bühne steht, nimmt man doch ganz automatisch einen Teil dessen in die Hand, wie eine Band in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Genauso verhält es sich doch mit diesem Interview. Insofern sind wir für ein "Image" na klar selbst verantwortlich. Wichtig ist mir allerdings, dass wir uns jetzt kein bestimmtes Image vorgenommen haben, um was auch immer zu erreichen, sondern eben das machen, was wir machen wollen. Alles andere wird doch eh entlarvt und nervt. Das überlassen wir anderen. Ich werde jetzt aber bestimmt nicht spekulieren, wie die Band meiner Meinung nach gesehen wird. Diese Vorlage gebe ich nicht.

Wenn nicht Musik, dann... und warum?

Wir haben alle Jobs oder ein Studium zu erledigen. Die Frage nach dem Warum ist auch einfach: Irgendwo muss ja das Geld für Miete und Essen herkommen und wir sind glaube ich alle auch an Dingen interessiert, die nichts oder weniger mit Musik zu tun haben auch wenn die Band in den einzelnen Leben eine extrem große Priorität besitzt.

Was bewegt dich in der letzten Zeit am meisten?

In erster Linie bewegen mich im Moment die Eindrücke von der Tour und jetzt in diesem Moment gerade die Situation, auf einmal zu Hause zu sein. Darüber hinaus empfinde ich die internationale politische Lage als extrem bedrückend auch wenn ich das in den letzten Wochen eher am Rande wahrgenommen habe.

Gibt es jetzt schon neue Songs, die einer Aufnahme harren?

Wir haben schon im Vorfeld der Tour neue Songs gemacht, einen davon auf der Tour schon gespielt. Außerdem haben wir unterwegs beim Soundcheck oder so neue Ansätze entwickelt, die wir jetzt weiterverfolgen werden. Wir wollen auf jeden Fall nicht noch einmal so lange warten bis es eine neue Soulmate-Platte gibt, deswegen werden wir uns neben den weiteren Tourdates auf jeden Fall um neue Songs kümmern. Das ist uns ein Bedürfnis.

Habt ihr ein Motto in der Band?

Keine Ahnung. Ich weiß nicht einmal, ob jemand für sich ein Motto hat... (dana)

 
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