Interview

15.03.2004 Agathodaimon
 
Wieder einmal ergriff ich bei einer Listening Session die Gelegenheit beim Schopfe und führte diesmal ein längeres Gespräch mit Sathonys und Eddie von der ursprünglich als Black Metal Formation gegründeten AGATHODAIMON, die aber mittlerweile viel mehr sind als das. Eine Schnittmenge aus sämtlichen düsteren und harten Styles, von Melodic Death Metal über Black Metal, bis hin zu elektronisch beeinflussten Gothic Metal Geschichten, ist was AGATHODAIMON anno 2004 mittlerweile ausmacht. Momentan sind die Jungs noch im Studio um ihren neuen Output "Serpent’s Embrace" zu vervollständigen.
Angesichts der Stilvielfalt, die aus eurem neuen Zeug zu Buche schlägt, wollte ich gerne mal wissen, wie ihr das Ganze seht, wo ihr euch einordnet und woraus ihr eure Einflüsse zieht.

S: Mittlerweile haben wir in der Band eine Besetzung erreicht, wo jeder einzelne Musiker seine eigenen Favoriten hat. Es gibt natürlich Gemeinsamkeiten, sonst gäbe es natürlich Reibereien. Aber Bands wie SLAYER und IRON MAIDEN mag bei uns jeder, ansonsten driftet das dann wieder auseinander und so bringt jeder seine eigenen Favoriten mit ein und zusammen versucht man dann einen gemeinsamen Nenner zu finden was das Ganze angeht. Es ist natürlich schon so, dass diverse Einflüsse verarbeitet werden, aber wir versuchen dann schon so zu ein bisschen zu fokussieren und versuchen möglichst was Eigenes daraus zu machen ohne jetzt krampfhaft irgendwie darauf zu schauen, dass es abgefahren und spacig klingt. Ich denke, das hat man im Laufe der Alben schon mitgekriegt und das hatten wir auch schon von Anfang an gesagt, dass AGATHODAIMON immer eine gewisse Weiterentwicklung beinhalten soll und wir nicht auf Black Metal fixiert sind, der quasi nur die Wurzel darstellt. Ich sehe uns da eher in der Tradition einer Band wie EMPEROR, die sich weiterentwickelt hat, als wie zum Beispiel DARKTHRONE, die auf einem Niveau geblieben sind. Was jetzt natürlich auch toll ist, aber nicht unserem Credo entspricht.

Was ich jetzt zum Beispiel sehr erfrischend fand, war der cleane Gesang, den ihr soweit ich weiß noch nicht all zu lange verwendet.

S: Ja, wir hatten auf der zweiten Scheibe schon eine Ballade mit nem Gastsänger, dem Byron. Auf der dritten Scheibe hatten wir dann schon ein bissel mehr cleanen Gesang drauf. Auf der neuen wird’s jetzt wieder ein bisschen mehr, wobei wir mit dem Eddie ja jetzt nen neuen Bassisten haben, der gerade so diese Metalstimme sehr gut drauf hat und ich denke in der Hinsicht gibt’s dann auch ein bisschen Abwechslung. Also ich find schon, dass es eine gute Sache ist, wenn man hier und da noch was reingibt und nicht die ganze Zeit nur rumkreischt, sondern auch Variationen reinbringt.

E: Mir ist aufgefallen, dass die Musik momentan ziemlich hart sein muss. Da fahren die Leute drauf ab. Und was mich ein bisschen stört ist, dass dann auch jeder Sänger, jede Band versucht, den Gesang die ganze Scheibe hindurch so extrem wie möglich zu gestalten und gerade weil es so viele Bands gibt, die das wirklich zelebrieren, so hart wies geht, find ich dass die Emotionen im Gesang dadurch etwas verloren gehen, denn gerade durch den Gesang kann man Emotionen sehr gut rüberbringen. Es gibt kein Instrument, das das so gut kann wie der Gesang. Und ich denke, wir sind auch ne Band, die Emotionen zeigen wollen und nicht nur "Gib-ihm", sondern jeder, der mal ein bisschen in sich reinhört, der wird sich auch mal zuhause hinsetzen und sich Stimmungsabhängig was anhören. Da sitzt du da, bist vielleicht mies drauf, oder auch mal sehr gut drauf und hörst dir was an, das vielleicht grad auch mal ein bisschen Herz-Schmerz hat. Ich mein, das muss ja kein Geschleime sein, oder sonst was. Nur halt eben emotional. Ich bin halt ein Ur-Metaler und da gehört das eben dazu. Deswegen hat sich das ja auch bei mir so entwickelt, dass ich halt auch diese Sachen mach mit diesem Cleangesang, der so richtig nach Metal klingt, ohne dass es jetzt irgendwie überspitzt oder aufgesetzt wirkt, sondern das kommt aus meinem Inneren raus. Ich mach’s einfach, weil mir der Schnabel so gewachsen ist. Und das versuchen wir zu kombinieren mit dem Death/Black Metal Gesang und das find ich, ist ne gute Mischung und irgendwo wird’s nämlich eintönig, wenn du von Anfang bis Ende der Platte nur ein durchgehendes Brett hast. Weil nach zehn Minuten kannst du nicht mehr. Ich denke, da wird mir jeder Recht geben.

Stellenweise erinnert mich euer Sound auch an VINTERSORG, die ja auch schon lange mit cleanem Gesang arbeiten, oder auch BORKNAGAR beispielsweise. In welchen Bands hast du vorher gespielt?

E: Im Prinzip in keinen großen Bands, die man jetzt kennt. Die letzte Sache, die ich gemacht hab vor AGATHODAIMON, war Spasshalber für ein halbes Jahr in so einer Metal Cover Band, die alte Klassiker gecovert haben… JUDAS PRIEST, ANNIHILATOR, TESTAMENT und son Kram. Aber das hab ich mehr so aus Spaß gemacht. Ich mein es war ne lustige Sache auf jeden Fall. Dann hab ich vorher ne Zeit lang nur zuhause gesessen, hab mich erst mal selbst weiterentwickelt, weil ich mir ne Auszeit genommen hab. Davor hatte ich acht Jahre lang in einer regional bekannten Darmstädter Thrash Metal Band gespielt. Und davor, Ende der achtziger, bei DEZTROYER , auch aus dem Odenwald, die etwas bekannter sein dürften. Alter Thrash Metal, das sind so meine Wurzeln.

Ok… Zurück zum neuen Album. Gehen die restlichen Stücke in dieselbe Richtung, wie die sechs Tracks, die bei der Listening Session zu hören waren?

S: Es wird eine Ballade geben, die sehr auf dem Piano basiert. Vielleicht noch ein bisschen Gitarre und ein bisschen Schlagzeug dazu, aber geschrieben wurde der Song als Klavierstück. Eventuell werden wir da auch die Ophelia, die ja bereits auf unserer ersten Scheibe "Blacken The Angel" was beigesteuert hat, einen Vocalteil übernehmen lassen. Da werden wir mal schauen, was wir machen. Eventuell auch wieder mit dem Eddie bei den anderen Songs… also vom Spektrum her gliedert es sich in die anderen, bereits fertigen Songs ein. Es wird keiner jetzt so richtig rausfallen, sag ich mal.

Schade ist, dass man sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt als Außenstehender kein volles Bild über das Album machen kann, ob die Dynamik gehalten wird usw.….

E: Das auf jeden Fall. Also wir kennen ja die anderen Songs und von daher kann ich versichern, dass es eine Linie gibt, die auch gehalten wird.

S: Ich finde auch, das Schöne an dem Album ist, dass es so eine Art Kreis schließt. Kein Song ähnelt dem anderen, aber es gibt halt Gemeinsamkeiten und das Ganze ist durch die Bank sehr dynamisch gehalten.

Gibt’s von den Lyrics her ein Konzept, dass sich durch die Platte zieht, oder steht jeder Song für sich allein?

S: Im Prinzip würde ich sagen ist alles sehr unterschiedlich gehalten, haben die Linie von den alten Alben aber beibehalten. Weil wir ja auch nie irgendwelche klischeehafte Black Metal Texte hatten, sind die Songs stellenweise sehr persönlich. Es war ja wie gesagt auch so, dass die einzelnen Musiker die Songs zuhause geschrieben und im Studio dann zusammen ausgearbeitet haben. Und deswegen gibt’s auch bei den Texten relative Unterschiede, wobei halt darauf geachtet wird, dass alles schön düster ist weil ich find für mich, wenn ich von mir ausgehe würde ich sagen, die Texte sind sehr emotional, sind halt auch dazu da, die Songs zu unterstützen und Atmosphäre hinzuzufügen, dem Gazen also quasi noch das I-Tüpfelchen zu verleihen. Das klingt vielleicht jetzt so, als ob die Texte für uns nicht wichtig wären, aber ich sehe sie schon als essenziell. Mir liegen halt vom textlichen her Bands wie MY DYING BRIDE, die so richtig schöne, tiefe Texte schreiben. Und insofern schauen wir halt, das unsere Texte so ein bisschen an die Seele gehen und nicht so platt und stumpf wirken.

E: Du wirst bei uns jetzt auch keinen Text a la Heldenepos und ähnliches blabla finden. Das geht bei uns eher dann in eine depressive Richtung. Ich hatte in meinem Text zu "Feelings" einfach etwas verarbeitet, das jeder von sich kennt. Man sitzt da, fühlt sich scheiße, am Boden zerstört, irgendwas ist passiert. Man steht ja immer mal da und fragt sich: "Ahh, warum grad jetzt? Was passiert da?". Und die Gedanken und Gefühle, die man dabei hat, hab ich darin verarbeitet. Deswegen auch der Name "Feelings". Man soll sich nicht von dem Titel täuschen lassen. "Feelings" hört sich vielleicht an wie "hahadumdidum" hat aber einen eher harten Hintergrund, wenn man sich’s mal durchliest. Also es hat sich jeder etwas bei seinen Texten gedacht

Obwohl "Feelings" von der Instrumentierung her, teilweise dann doch wieder sehr episch anmutet.

E: Das kann ja episch rüberkommen, aber es kommt ja darauf an, was der Text aussagt und nicht unbedingt, wie sichs anhört.

Schreibt bei euch jeder für seine eigenen Songs auch die Lyrics, oder wie teilt ihr das auf?

S: Also in Eddies Fall war das so. Aber ansonsten hab ich einige geschrieben. Dann haben wir noch zwei Gastbeiträge von einem Portugiesen namens Julio Angel Olivares Merino, der hat für MANDRAGORA SCREAM zum Beispiel die Texte geschrieben und ist ein sehr begnadeter Poet, würde ich sagen. Also qualitativ äußerst hochwertig, wo man sich dann quasi erstmal mit dem Wörterbuch hinsetzen muss um die Bedeutung zu erfassen. Aber auch von der Sprachgewalt, ich bin ja auch jemand, der sehr auf Pathos abfährt und er versteht es richtig dick, so was aufzubauen. Also in der Vergangenheit war das bei uns auch immer wichtig. Da waren Sachen dabei von Eminesco, die ja auch schon von anderen Bands vertont wurden. Und diese Linie wollten wir soweit beibehalten.

Habt ihr bei den Aufnahmen zum neuen Album irgendwelchen Druck verspürt, oder seid ihr völlig frei rangegangen?

S: Also ich würde sagen, ein gewisser Druck ist immer da, wenn man schon ein paar Alben veröffentlicht hat, weil man nie weiß, wie es aufgenommen wird. Vor allen Dingen wenn du versuchst dich weiterzuentwickeln, was wir ja immer wollten und du kannst es halt nie allen recht machen. Und das ist halt das Dilemma, das dahinter steckt. Die einen würden am liebsten "Blacken The Angel Pt.2" sehen, die anderen fänden es cool, wenn noch mehr melodische Elemente drin wären und insofern konnten wir diesmal halt nur darauf hören, was uns wirklich allen selber gefällt, persönlich das beste rausholen und einfach nach unseren Möglichkeiten und Kapazitäten, mit dem Budget, das uns zur Verfügung steht, quasi das Optimale rauszuholen. Und ich denke, das ist in erster Linie das Wichtigste. Weil das negative wie positive daran ist halt, dass wir keine Profiband sind. Wir haben jetzt nicht die Ressourcen, die ne Band wie DIMMU BORGIR einsetzen können, aber dafür haben wir auch nicht dieses Fallbeil im Nacken, dass wenn sich die Platte jetzt nicht supertoll verkauft, das wirklich richtig übel wäre. Wir machen’s als unser Hobby, aber dafür steckt auch wirkliches Herzblut dahinter und bemühen uns das Beste für die Band mögliche zu machen. Habt ihr einen festen Vertrag mit Nuclear Blast, oder ist das immer optional, auf die nächste Platte?

S: Es ist, wie in der Musikbranche üblich, ein Optionsvertrag. Das heißt, die Plattenfirma kann jederzeit sagen: "Nö! Und tschüss!". Die Band hingegen ist natürlich gebunden, wie es sich so gehört im Musikbusiness, aber so ist es halt.

Habt ihr eine Singleauskopplung geplant? Vielleicht sogar ein Video?

S: Eine Single in dem Sinne zwar nicht, da wir keine Band für die Charts sind, aber zu "Serpent’s Embrace" wird es wahrscheinlich ein Video geben. Wir haben da jetzt eine Firma an der Hand, die gemeint haben: "Wir würden gerne was mit euch machen!" und wo auch mit unserem bescheidenen Budget ein gutes Resultat zu erwarten ist. Ich bin jetzt kein Freund von irgendwelchen Handycam-Videos, die aussehen wie bei "Lindenstrasse" mitgefilmt. (allgemeines Gelächter) Es soll schon nach was aussehen, wir versuchen da dann schon mit unserem Budget was hinzubiegen, was man sich ansehen kann ohne gleich zu denken: "Oh jeh, Proberaumaufnahme!"

Ihr seid ja noch bei den Aufnahmen, habt aber schon einen Vorgeschmack auf den Sound gegeben, der in meinen Ohren sehr druckvoll ausgefallen ist. Seid ihr damit ebenfalls zufrieden?

E: Ich bin sehr zufrieden, vor allem weil bei den Aufnahmen, die du jetzt gehört hast, noch komplett der Bass fehlt. Und im Vergleich zu anderen Sachen, die ich in letzter Zeit gehört habe, steht das in keinster Weise hinten an. Wenn ich mir jetzt noch den kompletten Rest dazu vorstelle, wird das noch viel druckvoller sein. Der Sound wird die Dynamik der Songs noch mehr nach vorne treiben.

S: Deswegen sind wir auch sehr zufrieden mit unserem Produzenten dem Kristian, der wirklich nen tollen Job macht. Nicht nur was den Sound angeht, sondern auch von der Konstruktivität. Nach unserem letzten Album, "Chapter III", wo wir zum ersten Mal mit ihm zusammengearbeitet hatten, war uns klar, dass wir auch wieder mit ihm arbeiten wollen. Er ist halt richtig gut in den Arbeitsprozess integriert und sitzt nicht nur einfach da, wie manche Produzenten, sondern bringt sich auch mit ein.

E: Er sitzt wirklich da und macht sich Gedanken. Es ist ja im Endeffekt auch so, dass er als Produzent ja auch erwähnt wird, wenn er was gemacht hat. Und für ihn ist es auch sehr wichtig, was er macht. Er macht es zu seinem Ding. Es ist schon so, wie Sathonys gesagt hat, dass er nicht hingeht von wegen: "Ich muss das jetzt aufnehmen…bäh, schon wieder was", sondern er hat da richtig Spaß dran, macht sich auch nen Kopf drum und will das bestmögliche Ergebnis haben. Ich arbeite sehr gern mit ihm zusammen.

Gibt es so was wie den Traumproduzenten, wo ihr sagt: "Den möchten wir gerne mal haben!"?

S: Mich betreffend, bin ich was den Produzenten an sich angeht mit dem Kristian hochzufrieden. Was mich jetzt allerdings vom Sound her reizen würde, wäre halt mit so Leuten wie Andy Sneap zusammenzuarbeiten oder früher zu meinen Anfangstagen gab’s so diese ganzen Death Metal Produktionen aus den USA von Scott Morris, aber heutzutage sind es dann eher die Sachen aus den Fredmann Studios oder auch Andy Classen, der nen super Gitarrensound macht, wie ich finde.

Habt ihr euch schon Gedanken über das Cover gemacht?

S: Ja, es wird auf jeden Fall eine Schlange sein. Ich bin da momentan im Gespräch mit jemandem aus Südamerika, der einen Entwurf vorbereitet hat. Gleichzeitig arbeite ich aber auch mit Katja Piolka zusammen, die auch schon für ATROCITY und LEAVES’ EYES Coverartwork und Fotosessions gemacht hat und mit der machen wir wahrscheinlich die Bandfotos. Ich hab mich jetzt ein paar Mal mit ihr unterhalten und sie ist eben auch sehr konstruktiv bei der Sache und man merkt, dass es ihr auch Spaß macht.

Habt ihr schon feste Tourabsichten? Ist schon irgendwas geplant?

S: Richtig geplant nicht. Wir haben jetzt einige Open Airs anstehen, sind jetzt auch fürs WGT bestätigt. Ansonsten das "Up From The Ground Festival", sowie das "Barther Metal Festival" an der Ostsee und dann halt noch eben kleinere Gigs. Also was Konzerte angeht, stürzen wir uns drauf, wenn die Platte im Kasten ist.

Bekommt ihr bei Touren und ähnlichem eigentlich Probleme mit euren Arbeitgebern, oder sehen die das nicht so eng?

S: Ich denke, da gibt es hin und wieder schon Probleme, vor allem muss halt geschaut werden, dass wir ein Zeitfenster finden, in dem alle Zeit haben.

Jetzt noch was ganz anderes: was haltet ihr von Shows wie "Popstars". Wie seht ihr die neuen Austriebe der Musikindustrie?

E: Ich halte das für eine Volksverdummung sondergleichen. Ich muss da wegschalten, weil sonst kann’s passieren, dass der Fernseher aus dem Fenster fliegt. Weil wenn ich sehe, dass wenn irgendwelche Volldeppen, die vielleicht grade erst vor nem halben Jahr das erste Mal ein Instrument, oder noch nie ein Mikro in der Hand hatten, so hochgepusht werden und nach nem halben Jahr wieder fallengelassen werden. Hauptsache, den Leuten wird irgend ne Scheiße vorgesetzt. Ich mein, du siehst an so was, wie dumm die Musikkonsumgesellschaft ist, dass sie sich so nen Scheiß verkaufen lassen. Also wie gesagt, ich persönlich kann mir so was nicht ankucken, verstehe auch nicht, warum da jeder so drauf abfährt. Aber die Jugend ist ja die Zielgruppe, die sich so was anschaut und die scheinst du wohl heutzutage mit so was verarschen zu können. Mich hättest du damit nicht verarschen können und deswegen bin ich auch zum Metal gekommen, weil der für mich immer noch was Ehrliches hat. Lange Rede, kurzer Sinn: ich finds zum Kotzen!

S: Es ist halt schon ein Phänomen. Du kannst den Leuten jemanden im Fernsehen präsentieren und solange du ihn nur oft genug zeigst, hat er dann auch Erfolg. Sonst könnte ich mir so was wie den Küblböck nicht erklären.

E: Der Name sagt ja schon alles: Kübel-Böck! Zum kübeln…

S: Ich denke halt manchmal, ok die können halt singen, aber das macht für mich noch lange keine Band aus. Ich finde, da gehört jemand dazu, der die Songs schreibt, sie dann auch interpretiert. Und nicht irgendwie so ein Produzent im Hintergrund, der alles vorschreibt - du musst jetzt das Image haben, du musst die Mütze tragen usw.…. Das ist das, was ich am Metal schön finde. Dass da noch Raum ist für Bands, die kein durchgestyltes Massenprodukt sind.

E: Die Jungs haben doch in ihrem ganzen Leben noch keine einzige eigene Textzeile verfasst. Deswegen frag ich mich, was das alles soll.

Mit wem würdet ihr denn gern in den Dschungel gehen?

E: Mit den ganzen Deppen, um denen mal zu zeigen, was Survival wirklich ist. Und zwar ohne Ausrüstung, ohne Kameras und ohne Catering, das wahrscheinlich von morgens bis abends hinter den Kameras stand. Sondern wirklich mal ganz allein auf sich selbst gestellt. Kein Problem. Das ist schon immer mein Hobby gewesen, so Survival-Dinger. Wie gesagt, unter diesen Bedingungen würde ich mit den Deppen in den Dschungel gehen und dann mal sehen, was dabei rauskommt.

Da wäre ich auch mal gespannt… zurück zu Musik. Was haltet ihr von der ganzen Mp3-Geschichte, die ja immer noch ein großes Thema ist?

S: Das ist halt so ein bisschen eine zwiespältige Sache. Auf der einen Seite ist es für den Endkonsumenten toll. Er kann sich jetzt irgendwas runterladen und sagen: "Das gefällt mir, das kauf ich!". Das Problem ist nur, dass natürlich nicht alles gekauft wird, was runtergeladen wird. Und ich denke, gerade die großen Künstler da böse Einbussen haben, was jetzt für die nicht so krass ist. Die verdienen dann anstatt zehn Millionen halt zwei weniger. Grad für die kleinen Künstler ist es halt das Problem, es ist halt schon ein Unterschied ob anstatt 20.000 nur noch 8.000 Alben verkauft werden. Grade bei Metal Bands ist das ne heikle Sache, weil da ist es immer ein kleiner Schritt zwischen den Profibands, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen und den Bands, die vor sich hin krebsen, versuchen zu überleben und sich alles zurechtbiegen müssen. Aber gerade die Metalbands sind ja eher relativ traditionell eingestellt und versuchen durch hochwertige Produkte ihr Ding zu pushen. Da werden Special Editions gefahren, die ihr Geld auch wirklich Wert sind. Und ich denke in der Popszene gibt’s da auch kein wirkliches Unrechtsbewusstsein. Man lädt sich das Zeug runter und denkt sich halt: "Ob ich das jetzt kauf oder nicht, ist doch egal!" Und dass da wirklich Bands sind, die auch ihr Herzblut in ihre Musik legen, oder über einen längeren Zeitraum an ihren Songs feilen, bis sie wirklich toll sind, muss ja auch honoriert werden. Weil dieser Undergroundspirit geht da auch irgendwie verloren. Also ich bin noch so ein alter Tapetrader, ich hab damals wirklich meine Kontakte gehabt und dann hat man die Live- und Rehearsaltapes rumgeschickt. Und diese Szene gibt’s nicht mehr so richtig. Da heissts dann: "Hier, mp3s auf meinem Server, lad mal runter…!" Das find ich schade. Die Kontakte bleiben da irgendwie auf der Strecke. Nicht nur die Bands leiden darunter, sondern auch die Szene.

Mal was zu den großen Medien: Würdet ihr auch wie EDGUY in der Mc Donalds Chart Show oder wie IRON MAIDEN bei Top Of The Pops spielen? Oder seid ihr der Meinung, dass das nicht true, nicht Metal ist?

E: Zwiespältige Sache… Ich persönlich würds machen, schon allein, um zu zeigen, dass es noch Bands gibt, die an dem Spaß haben, was sie machen und nicht an dem, was sie gesagt kriegen. Allein deswegen würde ich schon auf die Bühne gehen, so assig wie ich als Metaller ausseh…

S: Ich hätte damit auch kein Problem. Ich erinnere mich da an einen Auftritt von IRON MAIDEN irgendwann 1988 oder so, wo sie gezwungen waren Playback zu machen und dann irgendwie die Instrumente während dem spielen getauscht haben, damit jeder sehen konnte, dass es Playback war. Totale Verarschung quasi. Ist halt so eine Sache, wie das im Endeffekt rüberkommt… Wir haben diesbezüglich bis jetzt noch keine Erfahrung was so was angeht…

E: Ham die Popstars doch au net! (Gelächter)

S: Ja, aber da steckt auch ein ganz anderes Netzwerk dahinter, das denen vorschreibt, was sie zu tun haben. Aber prinzipiell hätte ich da nix gegen unter den richtigen Bedingungen. Also da hätte ich keine Skrupel von wegen, wir sind jetzt Underground und das und jenes ist verboten… ich hab schon so oft Morddrohungen gekriegt, weil ich den Black Metal verraten hätte, dass mir das dann auch am Arsch vorbeigehen kann. Es muss halt stimmig sein, wir würden uns jetzt nicht verbiegen für so was, aber prinzipiell sind wir schon offen, wie wir unsere Musik präsentieren.

Wann wird das Album rauskommen?

S: Am 21.06.2004

Und wann wird man das Video sehen können?

S: Das muss erst mal angegangen werden. Also ich wird mich jetzt demnächst mit der Firma in Verbindung setzen, dann schauen wir, dass wir bald einen Termin ausmachen. Das Ganze wird wahrscheinlich in Salzburg gedreht werden und dann denk ich, dass wir das innerhalb einer Woche auf die Reihe kriegen.

Noch irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

S: Kauft unser Album, wenn ihr uns mögt. Ihr werdets nicht bereuen…!

E: Stay Metal! (chris)

 
Dieses Interview wurde bisher 861 mal gelesen.
 
 
Reviews
 
Chapter III
(am 07.10.2001 von memme)
Higher Art Of Rebellion
(am 01.11.1999 von dj)
Phoenix
(am 11.04.2009 von do)
Serpent´s Embrace
(am 22.06.2004 von chris)
 
Interviews
 
vom 21.09.2005 (d)
(eingetragen von xhb)
 
Berichte
 
Agathodaimon Listening Ses...
(am 06.03.2004 von chris)
Up From The Ground 2004 - ...
(am 28.08.2004 von memme)
5. Metal-Inside.de Festiva...
(am 08.10.2005 von memme)
 
Tourdaten
 
Keine Einträge
 
Weitere Infos
 
 
Internet
 
www.agathodaimon.de/

© 1999-2011   www.METAL-INSIDE.de