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20.01.2003 Stratovarius
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Wer hat da was (mit wem) getrieben..?
Na, Jens (Johansson, keys - d.Verf.) hatte diverse Gastauftritte bei Produktionen anderer Musiker, die beiden Timos (Tolkki, git. Und Kotipelto, voc. - d.Verf.) haben sich der Fertigstellung ihres jeweiligen Soloalbums gewidmet, ich selbst hab u.a. bei "Infinity" mitgewirkt, einem Album mit Tarja Turunen von Nightwish, Candice Night von Blackmore´s Night und Edenbridge’s Sabine Edelsbacher. Tja und unser Bassist Jari - der hat sich auf sein Mountainbike geschmissen oder sich im Fernsehen Eishockey angesehen, schätze ich... Zudem funktioniert Stratovarius mittlerweile weltweit, da ist immer was zu tun. Vieles war zuletzt einfach liegen geblieben, was erledigt werden musste - wie z.B. unsere Webpage - und dann haben wir das aktuelle Album samt Tour diesmal ausgesprochen intensiv vorbereitet. Naja, und Du hast zwischenzeitlich auch noch "mal eben" den Tourmanager der In Flames/Pain/Soilwork-Tour gegeben. Herrschte denn absolute Funkstille zwischen Euch während der zwei Jahre - von wegen "erst mal Abstand gewinnen" und so..? Und wie seid Ihr dann wieder zusammen gekommen? Nach inzwischen über 500 Liveshows sind wir schon so was wie Freunde geworden, nicht nur bloße "Geschäftspartner". Der Kontakt war also stets da, genauso wie ein Zeitplan von Timo, dem zufolge es dann eines Tages eben wieder an der Zeit war, das neue Album in Angriff zu nehmen. Da Jens in New York wohnt, der Rest in Helsinki und ich in Dortmund, wurden zuerst mal Tapes rumgeschickt und zu Hause geprobt, bevor wir uns Februar 2002 ganz relaxt zum Ausarbeiten trafen. Nach einer solchen Auszeit sollte man ja meinen, der Drang, sich mit einem Gong zurück melden zu wollen, müsse besonders groß sein. Dass dabei allerdings allzu viel Kalkül im Spiel gewesen sei, verneint Jörg energisch. Es gab keine bestimmte Zielsetzung für "Elements Pt. 1". Man kann auch gar nicht so da dran gehen, dass man mit Gewalt z.B. eine Single komponieren will - die Songs müssen schon aus dem Herzen der Band kommen. Bei dem allzu eingängigen Opener "Eagleheart" (zeitgleich die erste Single der Band) drängt sich der Verdacht des "Chart-Schielens" allerdings schon ein bisschen auf... Der Song ist in meinen Augen einfach ein guter Wiedereinstieg; und zudem ist er ja auch eher untypisch für uns. So etwas wie "Eagleheart" wird es z.B. auf der nächsten Platte gar nicht geben, der Song war plötzlich einfach da. Die Tatsache, dass Du beim Thema "Eagleheart" direkt in die Defensive gehst, lässt mich aber vermuten, dass ich nicht der erste Interviewer bin, der Euch darauf anspricht... Ungewöhnlicher weise steht mit "A Drop In The Ocean" nicht der episch-bombastische Zwölf-Minuten-Titelsong an letzter Stelle der Tracklist, sondern eine Ballade. Stimmt, das ist einfach zum Ausklang der Scheibe besser so. Als wir uns die Songs mal zusammen angehört haben, waren wir von dem Bombast von "Elements" dermaßen erschlagen, wie erstarrt saßen wir da, und deshalb musste zum Ausklang unbedingt etwas mit sparsamerer Instrumentierung hinterher. Die Herangehensweise kann man mit der bei "Episode" vergleichen. Wie kam es denn überhaupt zu dem markanten Schritt hin zu mehr Progressivität, Härte und vor allem der üppigen Orchestrierung? Auch hier kann ich Dir nur sagen, dass sich das ohne einen größeren Plan einfach so entwickelt hat. Wir haben diesmal aus den bisherigen 12 Mann ein Orchester mit 46 Leuten gemacht, und die Wucht, diese Heavyness (was hat denn unser Heavy da schon wieder die Finger im Spiel ??? - Anm. d, Red.) des gesamten Ensembles, die kommt auf CD kaum rüber - wenn Du das live erlebst, haut Dich das fast um, das war echt unglaublich. Woher kam denn das Verlangen, so etwas überhaupt machen zu wollen? Ein möglicher Einfluss mag sein, dass sich Timo T. in den letzten fünf, sechs Jahren intensiver mit Filmmusik beschäftigt hat. Eine inzwischen schon fast normale Entwicklung eines Metal-Musikers, wenn man sich mal eines Tages von den Haupteinflüssen Scorpions, UFO, Deep Purple und Rainbow gelöst hat und nach weiteren Inspirationen sucht. Bei "Find Your Own Voice" liefert der andere Timo zweifellos die anspruchsvollste gesangliche Leistung seiner bisherigen Karriere ab - denkst Du, er hätte den Song auch schon vor fünf Jahren so singen können? Definitiv nicht! Es war für uns alle eine wahnsinnige Überraschung, was er da abgeliefert hat. Es gab bei uns mal eine Probe mit einer irre hohen Gesangslinie, noch ganz ohne Text, auf die ganz schnell mal was gesungen werden musste. Timo hat dann ohne jegliche Vorbereitung irgend einen unsinnigen finnischen Text völlig locker in dieser Höhe rausgehauen, dass uns allen die Kinnlade runterklappte. Wir haben diesmal eigentlich alle sehr viel an uns gearbeitet - außer Jens vielleicht, der hat’s einfach drauf... Mal kurz zur Optik: Habt Ihr inzwischen eigentlich einen Vertag mit Coverkünstler Derek "Eddie" Riggs? Lustig, dass Du das fragst. Bis "Infinite" waren ja alle unsere Cover von unterschiedlichen Künstlern, doch "Infinite" fanden wir alle ziemlich klasse. Dann kam ja noch die B-Seiten-Compilation, auch von Derek. Und für "Elements Pt. 1" haben wir tatsächlich wieder auf ihn zurück gegriffen, obwohl wir im Vorfeld diverse andere Leute angehauen hatten. Es kam aber nichts Gescheites daher, also dachten wir uns, warum experimentieren, Derek passt doch zu uns. Zudem scheint es ihm viel Spaß zu bereiten, neben den ganzen Iron Maiden-Klamotten mal was anderes machen zu können.
Zumal er nach diversen Leichen im Keller (die ersten mit Hilfe des Computers hergestellten Cover - wie das der Power Metaller Guardians Of Time, stellen wahrlich keine Meisterleistung dar) auch hier das Metier beherrscht. Siehe u.a. auch Gamma Ray und Timo K.’s Soloalbum... Mit ein Grund, dessentwegen wir uns für einen Vertrag bei Nuclear Blast entschieden habe, war die Tatsache, dass uns vertraglich zugesichert wurde, dass wir die totale künstlerische Freiheit genießen. Es steht im Vertrag, dass wir uns in keiner Weise reinreden lassen müssen. Stratovarius bestimmen die Alben, die Singles und die Compilations. Diesen angenehmen Status haben wir uns im Laufe der Jahre hart erarbeitet - wir liefern lediglich ein fertiges Tape mit bereits festgelegter Reihenfolge ab. Weltweit? Nicht ganz. Bei unserer japanischen Plattenfirma sieht es da etwas anders aus: Nachdem man sich dort vor Jahren mit dem Signing von Michael Kiske und dessen Solo-Alben ziemlich aus dem Fenster gelehnt hatte (und "Instant Clarity" sowie "Readyness To Sacrifice" dann musikalisch keineswegs die erhofften "Keepers"-Nachfolge-Alben geworden sind - d.Verf.) und somit einen Haufen Geld verloren hatte, ist man in Japan vorsichtiger geworden. Seither möchten die von uns jedenfalls immer zumindest von sechs Songs die Demoversionen hören. Verständlich. Abschließend noch eine Frage: Euer Merchandise-Angebot ist überwältigend (bis hin zum original Stratovarius-Bademantel!) - wer hat da eigentlich die Finger drauf? Hm, das ist eigentlich ganz einfach. Den Merch mach’ im Wesentlichen ich - und das mit dem Bademantel hat an sich nur den Hintergrund, dass es kaum schwarze Bademäntel zu kaufen gibt, obwohl die weißen auf Tour immer sofort dreckig sind. Deshalb mussten wir eben unsere eigenen machen. Ist doch klar! (heavy) |
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