Interview

03.01.2003 Masterplan
 
Nach einigem selbst- und fremdverschuldeten Heckmeck konnten wir das berühmte Königskinder-Problem doch noch lösen und mit Uli Kusch, Fellverdrescher vor dem Herrn und nebenbei Songwriter in allen Ligen und Lagen, ein ausgesprochen nettes und aufschlussreiches Gespräch über ärgerliche Vergangenheit, interessante Gegenwart und vielversprechende Zukunft führen...
Uli, derzeit greifst Du Deiner Schwester beim Umzug unter die Arme - was treiben die anderen Bandmitglieder, und wo wohnen sie überhaupt?

Jorn (Land, voc. - d. Verf.) ist gerade umgezogen und richtet sich´s in der Nähe von Oslo neu ein. Der Rest wohnt bis auf mich Aachener in Hamburg, wobei Roland (Grapow, git. - d. Verf.) sich derzeit mit mir die Promo- und Organisationsangelegenheiten teilt, während z.B. Jan (S. Eckert, bs. - d. Verf.) derzeit mit Iron Saviour probt.

Stichwort Probe - eigentlich war ja für den 10. Januar ein Warm-Up-Gig in Bochum geplant, der fällt jetzt aber aus. Woran liegt´s?

Tja, an sich wollten wir uns da ein bisschen für die Tour einspielen, aber der Veranstalter spinnt anscheinend ein wenig rum. Schade...

Kein guter Start. Wie kam es überhaupt zu der Zusammenarbeit mit AFM Records bzw. Painful Lust?

Im Wesentlichen durch Gespräche mit anderen Muckern und eigene Erfahrungen. Mir persönlich war AFM eher ein unbeschriebenes Blatt, aber Roland hat ganz gute Kontakte zu Tobi (Sammet, u.a. Avantasia & Edguy - d. Verf.), der da ja unter Vertrag ist. Außerdem machte der Laden auf mich bei näherem Hinsehen einen geordneten Eindruck. Das sind selbst ein Haufen Metal-Freaks, denen unsere Scheibe ganz einfach auch gut gefallen hat. Zudem haben die dort nun nach den Erfolgen mit Avantasia auch etwas andere finanzielle Möglichkeiten als zuvor.

Weg vom Business, hin zur Musik: Mir liegen leider keinerlei Informationen vor, welche der elf Songs auf Eurer Scheibe von wem geschrieben wurden - wie sieht´s denn damit aus?

Tja, Du wirst auch in den regulären Booklets lediglich den Vermerk finden, dass "all songs by Masterplan" geschrieben wurden. D.h. dann in diesem Fall von Roland, Jorn und mir.

Was Euch in meinen Augen sympatisch von Bands wie Def Leppard abhebt, die mit ihren Kredit-Orgien ganze Seiten füllen... Ursprünglich hattet Ihr ja den Keyboarder von Children Of Bodom noch mit an Bord...

...aber dann sind Axel (Mackenrott, key. - d.Verf.) und Jan vor Kurzem zu uns gestoßen. Von daher konnten sich die beiden bisher songwriterisch ja auch kaum einbringen. Das wird sich aber bestimmt noch ändern, da ich z.B. von Axel Material kenne, dass bei G.U.N. leider nicht veröffentlicht wurde, aber das durchaus Potenzial erkennen lässt.

Du sagtest, dass das bisherige Material von Roland, Jorn und Dir stammt. Wer hat da was beigesteuert?

Genau, Roland und ich hatten je acht Songideen in der Schublade, teils auch schon während der Zeit bei Helloween. Über diese Musik hat Jorn dann seinen Gesang drüber gelegt - teilweise nach ganz eigenen Vorstellungen, teils nach minimalen Vorgaben von Roland und mir. Jedes einzelne Lied ist dann durch Jorns Input nochmal enorm gewachsen, wobei manche Songs auch erst ganz nach der Tour entstanden sind. Wenn er sich in Zukunft dann auch noch am Komponieren beteiligt, wird uns das sicher nochmal einen interessanten Schub verpassen!

Das darf man erwarten. So, über kurz oder lang muss ich es ja ansprechen - wie kam´s aus Deiner Sicht zu dem Split mit Deiner, mit Eurer ehemaligen Band Helloween?

Hm..., da es bei Helloween fünf Songwriter gab, hatte ich im Laufe der Zeit ´ne Menge Material angesammelt, das es nicht auf die Platten geschafft hat. Um meine Rübe wieder frei zu bekommen, musste ich diese Sachen aber irgendwie veröffentlichen. Roland und ich hatten uns deshalb während der "The Dark Ride"-Tour über ein gemeinsames Nebenprojekt zu Helloween unterhalten. So fing alles an...

... was aber für heutige Maßstäbe noch kein Problem darstellt, da jeder Musiker, der was auf sich hält, mindestens noch vier weitere Projekte am Start hat.

Schon während der Produktion zu "The Dark Ride", merkte man, dass da was im Busch ist, dass da fünf Individuen ihren jeweils eigenen Weg gehen. Besonders bei Weiki fiel das auf - er war die komplette Produktion und die komplette Tour unzufrieden und nur am Motzen. Das fing an mit dem Producerwechsel - den aber vier Fünftel der Band als richtigen Schritt sahen - und ging so weit, dass er, als er mal einen kettenbehangenen Metalhead im Publikum erblickte, vorwurfsvoll zu uns rüber raunte "Seht ihr? Durch so´n Album bekommen wir solche Leute in unser Publikum".

Wie bitte!? Respekt, Herr Weikath. Das nenne ich Hochachtung vor den eigenen Fans und das Bewusstsein für die eigenen Wurzeln. Aber diese Null-Bock-Einstellung habe ich ja schon in meinem Konzertbericht zum Kölner "Dark Ride"-Gig kritisiert...

Während dieser Tour wurden unsere Pläne dann konkreter. Roland und ich unterhielten uns immer mal wieder darüber, wie alles aussehen sollte, und letztlich hat wohl die Tatsache, dass ich in dieser Zeit eine zweimonatige Raucher-Pause eingelegt habe, das Fass zum überlaufen gebracht.

Äh.., wie meinen?

Roland und ich hatten uns den vorderen Teil des Tourbusses als Nichtraucher-Lounge eingerichtet, und das war ein wesentlicher Grund, dessentwegen ich dauernd da vorne mit Roland zusammen saß - was Weiki wohl nicht gefiel. Er meinte, ich würde seit zwei Monaten nur mit Roland rum hängen und mich um das Projekt kümmern - was nicht stimmte. Ich hatte einfach nur definitiv Bock auf frische Luft . Dazu kam, dass Weik über drei Wochen eine häftige Bronchitis hatte und der Bakterienstreuer vor dem Herren war. Aber so rücksichtsvoll, wie er nun mal ist, hat er seinen abgerotzten Schleim becherweise auf dem Wohnzimmertisch verteilt und auch nicht entsorgt - da entsteht ein völlig neues Bild von Gemütlichkeit... Bei einer späteren Gelegenheit hab ich ihm dann mal meine Meinung gesagt zu seinem generellen Auftreten und seiner Einstellung - das dürfte ihm auch nicht sonderlich geschmeckt haben. Fakt ist aber, dass Weiki in einem fort unpünktlich und unvorbereitet war. Zudem musste er dann auch immer recht früh wieder weg - für so was komme ich nicht extra aus Aachen nach Hamburg gefahren, bloß um dann zwei Tage im Proberaum auf Weiki zu warten. Naja, jedenfalls war das dann wohl der berühmte Tropfen...

Und der eigentliche Split?

Das war der Knaller. Nach unserem letzten Gig auf der Tour - ein Auftritt vor lauter total enthusiastischen Fans in Spanien - dachte ich, die Sache sei an sich beigelegt und wieder alles einigermaßen im Lot. Da sehe ich doch am nächsten Tag eine Mail von Weiki - noch aus Spanien abgeschickt! - in der er uns raus schmeißt! Aber mit am meisten hat mich die gleichgültige Reaktion von Andi (Deris, Helloween-Sänger - d. Verf.) enttäuscht. Er meinte sinngemäß nur "Tja, that´s life, solche Sachen passieren eben...".

Markus (Großkopf, Helloween-Basser - d. Verf.) dagegen ist die Sache offenbar eher unangenehm. Aber gerade von Andi, der mich immer wieder gelobt und sich auf meine Seite gestellt hat, hätte ich da doch etwas mehr erwartet.

Wirft in der Tat kein besonders gutes Licht auf die betreffenden Personen. Doch genug in der Vergangenheit gewühlt - lass uns nach vorne blicken! Am 20sten Januar erscheint endlich Euer bärenstarkes Debüt - u.a. in einer "Limited Edition".

Genau, mit einer zweiten CD, auf der sich ein ziemlich witziges Video-Interview und ein Performance-Video von "Enlighten Me" befinden wird.

Wozu ein Video in der heutigen Musikwelt?

Naja, es gibt doch immer noch Länder, in denen sowas über den Sender geht, z.B. Spanien.

Dein Wort in Gottes (Bon Scott´s) Ohr. Du bist dann sicher auch der Überzeugung, dass der "Radio-Edit" auf Eurer Single-Auskopplung eine prima Sache ist, oder? Ich halte das ja für einigermaßen unsinnig - oder wie viele DJs kennst Du, die ernsthaft sagen "Oh Mann, ich würde diesen Super-Song ja echt gerne spielen, wenn´s nur einen etwas kürzeren "Radio-Edit" gäbe..."?

Moment, es gibt bei öffentlich-rechtlichen Sendern in der Tat ganz bestimmt Limits, gerade was das Metal-Sologefiedel betrifft, was die Zeit betrifft. Wenn Du länger bist mit Deinem Song, verbaust Du Dir da wirklich die wenigen Chancen, die Du hast. Positiver Nebeneffekt: Es ist preiswerter, ein Video für 3:30 Min. zu produzieren, als eines für 4:40.

Einverstanden. Wieso habt Ihr Euch eigentlich dafür entschieden, ausgerechnet dem unbekannten Nachwuchstalent Michael Kiske bei dem Song "Heroes" eine Chance zu geben?

Nun, das ist im Wesentlichen ein Statement für all diejenigen, die denken, es gäbe da heute noch immer irgend welche Reibereien. Roland hat Kontakt zu Michael, und ursprünglich, ganz zu Beginn, war er ja auch mal als Sänger für MASTERPLAN im Gespräch. Da er die Platte aber weder mit uns zusammen im Studio einsingen noch anschließend touren wollte, hatte sich das recht schnell erledigt. Immerhin war das von ihm eine klare Ansage zum rechten Zeitpunkt. Aber für einen Song, und "Heroes" ist ja auch der Helloween-typischste, hat´s dann doch gereicht.

Und als nächstes habt Ihr bei Symphony X angeklopft.

Wir hatten uns danach auf Russell Allen als Sänger versteift, doch dessen Hauptband Symphony X hatte nach ein paar für uns eingesungenen Demos letztlich doch Vorrang. Roland bekam dann den Kontakt zu Jorn hin, und als erstes lieferten wir mal ein Led Zeppelin-Cover ("Black Dog", auch auf der "Enlighten Me"-Maxi - d. Verf.) für ein Tribute von Locomotive Music ab.

...und alles ging seinen Weg. Wohin führt der für MASTERPLAN in naher Zukunft?

Zunächst mal im Januar/Februar auf die Tour mit Hammerfall. Danach stehen einige Festivals im Sommer an (Balingen ist inzwischen bestätigt, W:O:A und Sweden Rock noch nicht), und - je nachdem, wie das Album läuft - geht´s im Herbst sogar auf Headliner-Tour.

Ehrgeizige Ziele...

Schon, aber wir wollen uns auf jeden Fall genügend Zeit dafür nehmen. Ich bin zuversichtlich, dass die Band mit Jorn und den anderen Musikern, die sich ab jetzt ja auch einbringen werden, richtig durchstarten wird.

Das bin ich auch. Zumindest müssen sich ein paar Kürbisköpfe in Hamburg in Zukunft mächtig strecken, um hier mithalten zu können. Keep an eye on the MASTERPLAN!

(heavy)
 
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