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01.12.2002 Madder Mortem
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Das neue Werk strotzt nur so von Energie und ist zudem tanzbarer als das Vorgängeralbum "All Flesh Is Grass". Agnete Kirkevaag, ihreszeichens charismatische Frontfrau der Band über alte und neue Musik:
"All Flesh Is Grass" war sehr aggressiv und ging ziemlich heftig auf die Fresse, obwohl es natürlich auch ruhige Momente gab. Ich würde die Scheibe persönlich als recht schizophren bezeichnen, denn sie wird dominiert von abgefahrenen Breaks und schrägen Arrangements. "Deadlands" ist voll von Zorn, allerdings lange nicht so offensichtlich wie bei "All Flesh.." Das Album ist grooviger und ich denke, es ist uns besser gelungen, unsere verrückten Ideen schlüssiger zusammenzufügen, was es auch für den Hörer einfacher machen wird. Letztendlich ist "Deadlands" vor allem ein dunkles und so gar nicht fröhliches Album geworden und wir sind damit sehr zufrieden. Ich mag besonders, daß es so komplex und vollendet ist, was beim Vorgänger nicht in dem Maße der Fall war. Besonders stolz bin ich darauf, daß die Scheibe nach einer Band klingt, die sich besser denn je aufeinander eingespielt hat. Optisch und natürlich musikalisch ist "Deadlands" in der Tat düster, auch textlich ging Agnete in diese Richtung. Definitiv! Die Texte sind viel dunkler als beim letzten Mal, allerdings ging es mir nicht darum, sie klischeehaft und plump einfach nur düster oder böse zu machen. Sie beschäftigen sich eher subtil und nach innen gekehrt mit meinen Sorgen und Ängsten, die mich täglich beschäftigen, ohne dabei meinen Zorn auf meine Mitmenschen herauszulassen. Frei nach dem Motto: Bevor ich anderen Leuten den Kopfabhacke, enthaupte ich mich lieber selbst. Unser Cover-Designer Christian las die Texte und meinte:"Ich hatte erwartet, daß sie unerträglich sein würden, aber das hier ist viel schlimmer! Was ist bloß los mit Dir?" (Agnete lacht...Anm.d.Verf) Bleibt die Frage, ob das Leben im kleinen Städtchen Gardvik so viel Stoff für düstere Lyrik bietet. In erster Linie werde ich von den Menschen beeinflußt, die um mich herum leben. Das Miteinander, die oftmals nur ganz kleinen Lügen, Gesten oder Intrigen, all die Unehrlichkeit und Gedankenlosigkeit bieten genug Material für zehn weitere Alben. Menschen leben nach bestimmten sozialen Regeln nebeneinander her, aber kommunizieren nicht miteinander und brechen oftmals diese Regeln. Ich mache mir wahrscheinlich zu oft zu viele Gedanken über solche Themen und meistens macht es mich nach einer Weile depressiv, aber letztendlich ist das der Stoff, aus dem meine Texte sind. Musiker scheinen anfälliger für diese Art von sozial bedingten Depressionen zu sein. Mit dieser Meinung stehe ich nicht allein da... Du hast Recht! Ich glaube, wenn man Musik macht, muss man einfach in gewissem Sinne feinfühliger sein, als viele andere Menschen und das birgt oftmals nicht nur Gutes in sich. Schnell machst du dir einen Kopf um jeden Mist, ziehst dich damit runter und bist viel leichter zu verletzen. Vielleicht fängt man auch gerade deswegen an, Musik zu machen, um eben mit seiner eigenen Sensibilität ferig zu werden und sich eine Plattform zu schaffen, in der man seine Gefühle ausleben kann. Bei mir ist das auf jeden Fall so. Es würde recht wenig Sinn machen, wenn ich düstere Texte schreiben würde, nur weil unsere Musik das verlangt. Ich stehe zu hundert Prozent hinter dem, was ich schreibe, denn am Ende muss ich auch auf der Bühne stehen und das Zeug singen. Agnetes unkonventioneller Gesang wirkt oftmals wie ein weiteres Instrument, fügt sich perfekt in das Gesamtbild ein. Ein Indiz dafür, daß die Sängerin aktiv am Entstehungsprozess der Musik beteiligt ist... Viele Bands gehen diesen konservativen, altbewährten Weg zum Song. Zuerst gibt es ein Gitarrenriff, Bass und Schlagzeug entwickeln dazu eine Linie und wenn der Song steht, kommt der Gesang oben drauf. Bei uns ist das anders, denn wir haben immer versucht, meinen Gesang von vornherein in die Arrangements einzubinden. Bei einem Studioaufenthalt von drei Wochen Länge, ist es nicht unbedingt einfach, all seine Visionen umzusetzen, bei Madder Mortem hat es funktioniert. Das Album ist nahezu genau so geworden, wie wir es uns gewünscht hatten. Sicherlich ist es kaum möglich, dass man am Ende zu einhundert Prozent das bekommt, was man sich vorher erwartet hat, denn so weit reicht die Vorstellungskraft kaum. Bei uns sind die Studioaufenthalte immer eine Art Lern-Prozess gewesen. Als wir zu unserem ersten Album "Mercury" ins Studio gingen, waren wir noch Kids und wussten überhaupt nicht, was uns erwarten würde. Daher hatten wir natürlich auch keinerlei Kontrolle darüber, wie das Resultat klingen würde. Dieses Mal haben wir die gesamte Vorproduktion bereits am Computer erledigt, da die Zeit im Studio sehr knapp bemessen war. Wir nahmen das komplette Material auf und hier und da gab es noch die eine oder andere Veränderung. Im Studio war also bereits alles bis ins Detail fertig, wir konnten sofort loslegen und uns die nötige Zeit für den Sound nehmen. Das ist schon ein Unterschied zu damals. Hält man sich die kurze Aufnahmezeit vor Augen, so ist es beeindruckend, dass mir persönlich die Produktion ganz besonders gut gefällt und mich nicht selten an Neurosis erinnert, die sicherlich mehr Zeit hinter den Reglern verbringen. Der Vergleich mit Neurosis ehrt mich besonders, denn ich zähle diese Band auf jeden Fall zu meinen ganz großen Favoriten und musikalisch haben die Jungs auch bei uns ihre Spuren hinterlassen. Ich mag Produktionen, die organisch klingen. "All Flesh Is Grass" ist sehr glatt und klar produziert, was zum Teil ein wenig auf Kosten der Emotion geht. Fehler und Geräusche auf der Aufnahme zu lassen, wie es bei "Deadlands" geschehen ist, gibt ihr fast eine Art Live-Qualität, was mir lieber ist als diese perfekt polierten Produktionen. Auch wenn wir nur drei Wochen Zeit hatten, fühlten wir uns gut bei den Aufnahmen. Wir waren dieses Mal viel besser in den gesamzten Produktionsprozess eingebunden und beispielsweise ebenso am Mix beteiligt, wie unser Produzent. Zur letzten Scheibe tourte man zusammen mit Tristania, Vintersorg und Rotting Christ. Vielleicht stilistisch nicht die beste Wahl, denn mit dermaßen komplexer Musik wäre man wohl besser bei Opeth und Konsorten aufgehoben. Mit einem Album wie "Deadlands" im Rücken sollte eine Tour nur eine Frage der Zeit sein. Wir hoffen, daß wir vielleicht im März oder April auf Tour kommen können, aber das hängt in erster Linie davon ab, wie sich das Album verkaufen wird, denn wir haben in der Vergangenheit nun mal nicht sonderlich viel abgesetzt. Für Century Media wird das ausschlaggebend dafür sein, wieviel Tour-Support sie zahlen. Opeth wären natürlich eine exzellente Wahl, zumal sie anscheinend auch im Februar oder März touren. Außerdem habe ich gehört, daß Mike unsere Musik mag, was ziemlich abgefahren ist. Es gibt nur wenige Band da draußen, vor denen ich wirklich vor Ehrfurcht in die Knir gehe, Opeth gehören auf jeden Fall dazu. Ich bewundere ihre Geradlinigkeit in ihrem musikalischen Schaffensweg und dass sie ohne Kompromisse so weit gekommen sind. Schade, daß es heutzutage in erster Linie nicht mehr auf die Qualität der Musik, sondern auf die Werbung ankommt. Sie ist entscheidend für Verkaufszahlen. Das stimmt, heute kannst Du mit genügend Geld Scheiße zu Gold machen und je mehr man darüber nachdenkt, desto deprimierender ist es. Trotz allem bin ich sehr erfreut darüber wie viel Energie Century Media in die Promotion useres neuen Albums stecken, denn immerhin sind wir gemessen an den anderen Veröffentlichungen Exoten auf dem Label. Vielleicht liegt es daran, daß "Deadlands" einfacher gestrickt ist, als "All Flesh Is Grass". Live werden die neuen Songs aus diesem Grunde sicher auch besser funktionieren. Dann hoffen wir mal, dass auch das deutsche Publikum möglichst bald in den Genuss der Band kommen wird. (cs) |
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