Interview

07.11.2009 Europe
 
Nachdem bereits unzählige Interviews zum neuen Europe Album in den Medien erschienen sind, trafen wir uns nach der Show in Bremen mit einem sehr entspannten und gut gelaunten Joey Tempest für eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit sowie einem Plausch über die Formel 1 und der Musik als sexy Kunstform…
Joey, ist es eigentlich schwierig für dich als eine Art Supportband zu spielen, nach dem großen Erfolg den ihr bereits hattet?

Nein, wir sehen das nicht als Supportjob. Wir sehen es als eine großartige Möglichkeit, nach Deutschland zurück zu kommen, unsere Fans zu treffen und ein neues Publikum zu erreichen. Wir touren die ganze Zeit durch die Welt, es ist nicht weiter wichtig, wir sehen es eher als ein sehr ausgeglichenes, gleichberechtigtes Billing.

Ihr wart für tausende von Jugendlichen damals Idole, aber die Metalfans haben euch nie richtig ernst genommen. Wie denkst du heute darüber?

Es ist heutzutage sehr schön, da wir viel näher an den Fans sind durch unsere Website, das Forum etc. Wir können dort sehen, was unsere Fans denken. Das Geschäft ist anders geworden. Wir sind viel näher bei den Fans. Wenn du eine gute Rockband hast, kannst du mit dem Touring Geld verdienen. Das Plattengeschäft hat sich einfach geändert, du verkaufst nicht mehr so viele Alben wie früher, aber wir sind sehr froh, eine gute Rockband zu haben. Das Ding ist, „Last Look At Eden“ läuft besser als „Start From The Dark“ oder „Secret Society“. Wir haben also in den letzten 5 Jahren alles wieder aufgebaut, wir haben sehr gute Reviews in London und England allgemein bekommen. Wir sind sehr glücklich darüber.

Nachdem ihr damals in den Achtzigern den Bandwettbewerb gewonnen habt, habt ihr euer Aussehen verändert. Was glaubst du, wie wichtig ist das Aussehen und wie wichtig sind die Outfits damals und heute?

Es ist natürlich auch wichtig cool auszusehen. Led Zeppelin haben mal gesagt, 50% ist das Aussehen, du musst wissen was du machst. Heutzutage sind wir allerdings sehr entspannt, was das betrifft. Wir versuchen einfach eine gute Rockband zu sein. Ich denke, wir schreiben immer bessere Songs, es läuft sehr gut im Moment.

Glaubst Du wirklich, das Gewicht Aussehen/Musik liegt bei 50:50?

Ich denke du, als Frau, genießt es doch auch, wenn die Band gut aussieht, sich gut bewegt.

Na ja, aber es gibt ja auch Bands, die vielleicht nicht so cool aussehen und viele weibliche Fans haben.

Ja, aber die sind auch einfach cool. Ich meine ja nicht nur Haare und Klamotten. Du musst wissen, wie du mit den Fans umgehst, wie z.B. Steven Tyler oder Robert Plant. Du musst wissen, was du sagst, wie du reagierst. Es ist die Chemie, die stimmen muss und das meine ich mit den 50%. Einige Bands haben es einfach nicht und andere schon. Und Europe haben es.

Als „The Final Countdown“ ein großer Erfolg wurde, gab es fast täglich neue Berichte in den Magazinen, Interviews im Radio und TV. Es machte den Eindruck, dass ihr keinen Schritt mehr ohne die Presse machen könnt, aber ihr seid stets ruhig und freundlich geblieben und nie ausgeflippt. Wie habt ihr es geschafft, euch mal private Zeit zu können, zu entspannen und wieder neue Kraft zu sammeln?

Ich weiß es nicht. Es war echt verrückt damals. Ich habe so viel gearbeitet, es gab viele Interviews und Fotosessions. Wir waren jung. Wir konnten in großen Städten wie Paris oder Rom gar nicht rausgehen und sind meistens im Hotel geblieben. Aber wir hatten eine großartige Zeit. Darum bin ich heute hier, wir haben das alles erlebt. Das Gute an Europe ist, das wir nicht nur eine Band sind, die seine 80er Jahre Songs spielt, wir haben eine gute Show, neue Alben und es ist sehr spannend. Wir versuchen es heutzutage natürlich besser zu planen, denn wir haben Familie.

John Norum verließ kurz nach dem großen Durchbruch die Band. Was hast du damals gefühlt, als er dir sagte, dass er aussteigt?

Es war eine sehr schwere Zeit, wir haben aufgehört miteinander zu sprechen. Das war das große Problem. Jetzt sind wir sehr gute Freunde, wie Brüder. Das ist der Schlüssel für uns Bands und ich versuche jetzt immer über alles mit der Band zu reden, mit jedem. Ich frage sie einfach, wie sie sich in der Band fühlen, ob es Probleme gibt usw. Das war damals das Problem. Wir haben einfach aufgehört zu reden. Doch Kommunikation ist so wichtig. Wenn jemand über eine kleine Sache einfach sauer ist, kann das nach einer Zeit eine große Sache werden, wenn du nicht darüber redest. Wir haben daraus gelernt. Es war großartig, als John zurückkam. Er gibt mir so viel Energie. Das hat er immer getan. Als wir Kinder waren, hat er immer gesagt „Oh, das ist ein guter Song, du schreibst so gute Songs. Hör dir mal das Gitarrensolo an. Was denkst du?“. Wir geben uns ständig Feedback. Damals war es eine schwere Zeit. Wir hatten Erfolg und mussten weiter machen. Dann hatten wir von dem Gitarristen Kee Marcello gehört und haben ihn angerufen. Es war eine harte Zeit, aber es war ok. Kee hat einen guten Job gemacht. Aber ich fühle mich mit John sehr wohl, da er wie ein Bruder ist.

Später warst du als Gastsänger auf seinem Soloalbum zu hören. Wann hattest du das erste Mal wieder das Gefühl, dass ihr zusammen auf die Bühne gehen könntet?

. Er hat auch auf meinem Soloalbum gespielt, meinem ersten: „A Place To Go Home“. Er hat das Solo in „Right To Respekt“ gespielt. Danach habe ich auf einem seiner Alben gesungen. Wir hatten da ja ständig Kontakt, haben uns gegenseitig die Soloalben geschickt, aber wir waren beide mit verschiedenen Projekten beschäftigt. Er hat noch Dokken gemacht, ich hatte Soloverträge. Manchmal driftet man ein wenig auseinander, aber behält den Kontakt. Am Ende haben wir sehr viel telefoniert, teils über 2 Stunden.

Und wie funktioniert das Songwriting jetzt. Damals verließ John die Band, da ihm die Songs auf „The Final Countdown“ alle zu soft waren.

Ja, was damals passiert ist, ist einfach, dass die Songs sehr stark gemischt wurden für das amerikanische Radio. Und im amerikanischen Radio stellt man die Gitarren gerne ein wenig nach hinten. Aber zur gleichen Zeit machten sie das Album sehr bekannt, es war sehr einfach anzuhören. Europa ist meistens etwas härter. John liebt Gitarrenriffs und ich verstehe, dass er angepisst war. Aber er mag die Songs und er spielt auch „Rock The Night“ und „The Final Countdown“ gerne. Es gibt natürlich Songs, die ein paar der Jungs nicht spielen wollen und es gibt ein paar Songs, die ich nicht spielen will. Daher müssen wir für die Setlist Kompromisse finden.

Du hast auch mal Songs für John Norums Schwester Tone geschrieben wie „Stranded“ and „Can´t You Stay“. Hast Du schon mal darüber nachgedacht, sie als Gastsängerin für Europe zu engagieren?

Nicht wirklich. Das ist vielleicht eine gute Idee. Sie hat eine gute Stimme und ist eine sehr sympathische Frau. Ich kenne sie schon so lange. Ich habe sie eine zeitlang nun nicht gesehen, aber ich denke sie arbeitet an neuen Songs, hat John erzählt.

Und wie sieht es mit deinem Soloprojekt aus? Können wir da neues Material erwarten?

Nein, ich kann nur eine Sache zur gleichen Zeit machen und das ist Europe. Ich arbeite so viel an den Songs, der Strategie, im Internet, den Visionen, dem Bühnenauftritt usw. Ich liebe es, aber ich kann nur ein Projekt zur Zeit machen. Wenn ich ein Projekt mache, dann zu 100%. Als ich meine Soloalben geschrieben habe, war ich so drin in dem Ganzen, ich habe mir Singer-Songwriter Sachen angehört, Bob Dylan, Neil Young und so weiter, ich habe versucht so viel wie möglich zu lernen über Songwriting und Lyrics. Es hat sehr viel Energie gekostet und daher kann ich es nicht parallel zu Europe machen. John Norum kann das. Er macht Soloalben und Europe Alben. Aber ich kann das nicht. Ich bin sicher, eines Tages werde ich was machen. Aber wir haben so viel Spaß jetzt mit Europe, es wird erst einmal neue Europe Alben geben.

Mit „The Final Countdown“ habt ihr einen Song geschrieben, den fast jeder in der Welt kennt. Was glaubst du, was ist das Besondere an der Musik als Kunstform im Vergleich zu anderen Kunstformen?

Ich denke, Musik ist eine Kunstform, die deinen ganzen Körper anspricht, besonders Rock`N´Roll. Wenn du es mit dem ganzen Körper fühlst, dann ist es richtig. Doch sie stimuliert auch deine Gedanken mit den Texten. Sie stimuliert auch meine Gedanken. Ich kann mir viele verschiedene Bands anhören wie Audioslave und Muse und denke mir dann, oh ja, das ist sexy, das ist guter Stoff. Musik lässt mich verschiedene Gefühle erleben. Kunst lässt dich natürlich auch verschiedene Gefühle erleben. Musik ist eine sexy Kunstform.

Und was fühlst du, wenn du Musik hörst?

Ich bin hoffnungslos, was Musik betrifft. Wenn es einen Song gibt, den ich mag, dann muss ich den Wagen anhalten, bis der Song vorbei ist. Ich bin dann so involviert in den Song. Und ich kann anfangen zu weinen, bei bestimmten Songs. Das ist verrückt.

Du bist sehr emotional?

Musik betreffend auf jeden Fall. Auf der anderen Seite bin ich Skandinavier. Ich glaube, wir sind ein wenig ruhiger. Aber bei Musik kann ich sehr emotional sein. Wenn ich „New Love In Town“ singe, denke ich an meinen Sohn. Da gab es eine Show, da habe ich fast angefangen zu weinen. Es war das erste Mal als wir den Song im Fernsehen spielten, bei einer Show im schwedischen Frühstücksfernsehen. Es war sehr schwierig, ich war auch sehr müde, vielleicht lag es daran…

Du warst, bevor deine Karriere mit Europe begann, ein sehr talentierter Rennfahrer in Schweden. Was denkst du über die Vorwürfe betreffend Flavio Briatore?

Was denkst du darüber?

Ich glaube es gibt sehr viele Journalisten, die das aufbauschen.

Ja, das denke ich auch. Es gibt ein paar Sachen, die ich mir wünschen würde. Ich möchte das Silverstone weiter besteht, ich möchte, dass die englischen Rennen nicht verschwinden. Ich war bei einigen Rennen, ich schaue es mir sehr oft im Fernsehen an. Es ist mein Hobby, neben der Musik. Ich mag Alonso, er ist ein sehr guter Fahrer. Ich bin gespannt darauf zu sehen, was Jenson Button nächsten Jahr erreichen kann. Wir werden sehen. Ich mag auch die finnischen Fahrer. Als Kind habe ich sehr viel Gokart gefahren, aber ich habe mit allem gestoppt, als es mit der Musik losging. Ich traf John und es war alles vorbei.

(tennessee)

 
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