Interview

30.09.2009 Paradise Lost
 
Kaum einer hätte PARADISE LOST noch vor Jahren zugetraut, mal so ein starkes Album wie die neue Langrille „Faith Divides Us – Death Unites Us“ auszufräsen. Zu stark waren und sind auch heute noch die Vorbehalte der Band gegenüber, die aus dem kontroversen „Host“ resultieren. Doch spätestens das letzte Album, „In Requiem“ hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass PARADISE LOST, den Weg in die richtige Spur zurück gefunden haben. In den Augen von Nick Holmes ist das neue Album quasi als Fortsetzung der 2007er Platte zu sehen, womit er nicht ganz Unrecht hat.
Nick, wie stehst Du eigentlich zu diesem ganzen Interview-Marathon, macht das Spaß?

Ja, wenn jemand über die Band reden will ist das gut.

Ja nee, is klar. Ich stelle mir das aus der Sicht des Musikers ziemlich langweilig und erschöpfend vor, jeden Tag wird man von unzähligen Leuten, die gleichen Fragen gefragt.

Das letze Interview, das ich gegeben habe, war für Rocksound UK und das war etwas ganz anderes. Wir haben über verschiedene, auch ganz banale Dinge gesprochen, das war interessant. Allerdings musste ich mehr als sonst darauf aufpassen, was ich sage, damit ich keinem vor den Kopf stoße. In den letzten beiden Tagen habe ich um die 30 Interviews hinter mich gebracht, das schlaucht dann doch ganz schön und am Ende des Tages bin ich verdammt müde gewesen.

Wer von Euch macht eigentlich die meisten Interviews, Du oder Greg?

Greg ist gerade unterwegs einkaufen und da liegt es an mir, mich darum zu kümmern. In der Rangliste bin ich gerade vor ihm.

Gehen wir kurz noch mal ein Stück zurück, bevor wir über das neue Album reden. „In Requiem“ war Euer bestes Album seit langer Zeit und hat Euch quasi wieder richtig zurück in die Gothic Metal Welt gebracht, wie wichtig war diese Scheibe für die weitere Entwicklung von PARADISE LOST?

Wir wollten alles etwas härter machen, die Produktion und ganz besonders die Gitarren und das Schlagzeug. Bei in „Requiem“ sind Songs übrig geblieben, deren Aufbau uns geholfen haben, die neuen Songs zu schreiben. In gewisser Weise kann man sagen, dass es wie der Übergang von „Icon“ zu „Draconian Times“ gewesen ist.

Hat Euch das Album wieder zu Ihren Gothic Metal Wurzeln zurück gebracht?

Das würde ich nicht sagen, unsere Wurzeln liegen in der Vergangenheit und wir gucken nicht zurück in die Vergangenheit. Die Leute erzählen doch schon seit sieben Jahren, dass wir back to the roots gehen, vergessen dabei aber wohl, dass unsere Roots weit hinter dem liegen, was wir jetzt machen. Das war damals primitiver Death Metal

Du weißt aber, dass man Euch ganz gerne auf „Icon und „Draconian Times“ reduziert.

Ja, man kann da natürlich Parallelen ziehen, weil es immer noch die gleichen Leute sind, die die Songs schreiben und weil man immer erkennt, dass Greg an der Gitarre ist.

Wie seid Ihr das Songwriting für das neue Album angegangen, welche Zielsetzung hattet Ihr?

Wir wollten die neuen Songs anspruchsvoller und weniger vorhersehbar machen, die sollten sich dynamisch immer wieder verändern. Dazu wollten wir die Arrangements straffen und durch den Einsatz von siebensaitigen Gitarren dem Sound zu mehr Durchschlagskraft verhelfen, und das hat ja auch geklappt.

Das hat der Heaviness des Albums in der Tat richtig gut getan.

Definitiv.

Wesentlich heavier als zuletzt sind auch Deine Vocals ausgefallen, die wieder mehr in die „Draconian Times“ Richtung gehen, obwohl da natürlich auch außergewöhnliche cleane Parts wie zum Beispiel bei „I Remain“ dabei sind.

Aus meiner Sicht ist das so, dass ich meinen Gesangsstil danach ausrichte, was der Song gerade erfordert, sprich bei richtig aggressiven Gitarren wirkt sich das natürlich auch auf meine Stimmlage und die Gesangstechnik aus. Es muss zur Musik an sich passen, das ist das Wichtigste.

Welchen Song man „Faith Divides Us – Death Unites Us“ magst Du am liebsten?

Ich bin noch gar nicht soweit,da einzelne Songs herauszuheben. Ich höre und nehme das ganze Album noch am Stück wahr. Nach der Tour, denke ich, kann ich mehr darüber sagen, wenn man auch weiß, wie die Songs funktionieren. Insgesamt bin ich mit dem Material und der Tracklist, die wir zusammen gestellt haben, sehr zufrieden.

So sehe ich das eigentlich auch, PARADISE LOST zu hören, heißt, das Album als Ganzes zu hören und zu erleben und dennoch hinterlassen bei diesem Album einige Tracks auch solo einen bleibenden Eindruck. Da wäre zum Beispiel der Titeltrack, der aus meiner Sicht zu den besten Nummern gehört, die PL bisher gemacht haben, besonders der starke Chorus ist beeindruckend.

Der Cello-Part am Anfang war ursprünglich eine Gesangslinie, der im Hintergrund verwendet werden sollte, aber dann doch etwas zu lang ausgefallen ist. Am Song an sich haben wir während der Aufnahmen auch nicht mehr viel geändert. Der Aufbau ist so ähnlich, wie der von „One Second“, nicht unbedingt, was die Noten angeht, aber die Art, wie der Song gespielt wird. Dennoch sollte es kein Akustik-Song werden, sondern einer, der von den harten Gitarren merklich profitiert.

Auch „I Remain“ kann mit einem sehr eingängigen, für PL Verhältnisse ungewöhnlichen Chorus aufwarten.

Ja, auch hier haben wir eine Gesangslinie über ein komplett anderes Stück Musik gelegt. Greg hat dann noch ein paar Gitarrenlinien umgeschrieben, damit es passt. Ich denke aber, dass die genau die Gitarren in diesem Song das starke Element sind und nicht mein Gesang. „I Remain“ vereint genau Härte und Melodie und stellt es so dar, wie wir es in der Vergangenheit bisher nicht gemacht haben.

Und hat gewisse Ähnlichkeiten mit „Say Just Words“.

Ja, das stimmt.

Wie hat sich Dein gesangliches Spektrum in den letzten Jahren entwickelt, so einen Kontrast zwischen clean und brutal muss man ja auch erst einmal hinbekommen.

Wenn ich die Melodien Gesangslinien schreibe, singe ich dabei die ganze Zeit, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Es geht darum, schon beim Beginn, eine Live-Performance im Hinterkopf zu haben, denn dafür sind die Songs ja gedacht, um sie live zu spielen und nicht, um sie nur im Studio aufzunehmen und auf die Scheibe zu bringen. Wir proben solche Dinge alle zusammen als Band, damit es auch klappt. Was den Gesang angeht, da dreht sich alles um Atemtechniken, die man drauf haben muss.

Zum ersten Mal seit längerer Zeit, hat Rhys Fulber seine Hände nicht mit im Spiel gehabt. Das ist ganz einfach: wir wollten einfach etwas neues, Frisches machen und etwas anderes ausprobieren. Das hat jetzt nichts mit Rhys‘ Arbeit zu tun, denn mit der sind wir die letzten Jahre sehr zufrieden gewesen. Aber es waren eben an der Zeit etwas zu ändern, und so, wie es alles abgelaufen ist, sind wir mit dem Sound und der Produktion der neuen Scheibe sehr zufrieden. Wir haben zuerst Demos aufgenommen und die zu Jens Bogren nach Schweden geschickt, so dass er schon einen Eindruck davon bekommen konnte, was wir uns so vorstellen. Und mit dem Ergebnis sind wir mehr als zufrieden

Zuletzt gab es Beschwerden über Eure Live-Auftritte, besonders beim letzten Rock Hard Festival war der Tenor, dass PARADISE LOST langweilig und unmotiviert wirkten.

Ich habe davon gehört, kann es aber nicht ganz verstehen, denn die besagte Show fand ich gut. Okay, bis auf den Sound, aber das war nicht unser Ding. Aber generell ist es ja so, dass Festivals der ideale Ort sind, um eine Band auch mal in schlechter Verfassung zu sehen, und so etwas bleibt da hängen. Aber beim Rock Hard Festival war es aus meiner Sicht okay. Vielleicht sind das auch die Leute, die uns immer noch vorwerfen, „Host gemacht zu haben und nun „Fuck you“ sagen, aber das ist nun mal so. ich weiß nicht, was die Leute wollen, aber vielleicht mache ich demnächst Saltos auf der Bühne und Greg tritt im Ronald McDonald Kostüm auf. (lk)

 
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Reviews
 
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