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06.10.2008 Pure Inc.
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Sänger Gianni Pontillo erzählt etwas mehr zu dem, was das neue Werk "Parasites And Worms" ausmacht, denn einer Binsenweisheit des Musikbusiness zufolge ist die dritte Platte immer das entscheidende Werk - wer es bis dahin nicht geschafft hat, wird auch weiterhin nicht groß werden.
"Ich weiß nicht, ob das stimmt. Wir haben uns auf der neuen Platte in etwas weiteren musikalischen Bereichen bewegt. Zum einen sind wir härter geworden. "Parasites And Worms" ist düsterer, melancholischer... aber auch progressiver! Die früheren Songs waren eher straight, jetzt nimm zum Beispiel "The Last Remaining Song"! Wir hatten erst einmal mit "Falling Season" auch auf der ersten CD einen ähnlichen Song, der mit Samples aufhört." Woher aber kommt die neue Härte? Am Input des neuen Bassisten liegt es laut Gianni nicht. "Es liegt an dem, was wir in den letzten beiden Jahren durchgemacht haben als Band. Wir hatten einen Super-Labelboss mit Andy Allendörfer, der ja bekanntlich verstorben ist. Von da an ging es nur abwärts.Die Plattenfirma hatte kein Interesse mehr, sie wurde dann auch verkauft an Soulfood, wir haben auch nicht unbedingt so viele CDs verkauft, das Interesse an uns ging überall verloren, die Booking Agentur hat uns auch fallen gelassen. Als nächstes ging unser Manager, anschließend unser alter Bassist... Gut, der ging, weil er sich weiterbilden wollte, aber von dem ganzen Drumherum waren wir ziemlich angepisst. Das ist also der Grund, warum wir so energische Musik machen, wir hatten Wut im Bauch und wollen jetzt Allen zeigen, dass wir zurück sind. Die Emotionen schwanken also stets zwischen Aggression und Melancholie." Als Beispiel für die einfühlsameren Momente erwähnt er das großartige "Carrie's Alone", ein Song, der mit weniger Inbrunst kitschig und peinlich sein könnte, den PURE INC aber zu einem Gänsehautgaranten machen. Beeindruckend! Ein Hinweis auf die Frustration ist hingegen der Albumtitel "Parasites And Worms", das klingt nicht nach Gänseblümchen... "Es ist ja auch schon der Titel des ersten Songs "The End" - das sagt doch eh schon alles, oder? Die Parasiten und Würmer sind einerseits die Gesellschaft, die von diesen durchsetzt wird, aber auch unsere spezielle Situation, denn um uns herum waren auch genügend Parasiten und Würmer... Und wir haben gerade sehr viel zu tun, immerhin müssen wir uns um die ganze Promotion selbst kümmern, haben die Platte allein aufgenommen und das alles neben der Arbeit tagsüber." Nicht nur das, auch Videos hat man gedreht, dabei aber nicht auf Massenairplay bei MTV geschielt, denn sonst hätte man nicht den wütenden Stampfer "Serenade Of Aggression" ausgewählt (auf YouTube und Myspace zu finden). "Gerade in Frankreich sind wir gut angesagt, und dort gibt es auch einen Sender, der diese Videos spielen wird. Deshalb stellen wir das zweite, "Dead Calling" erst in ein paar Wochen ins Netz." Also, bei Gelegenheit mal hinsurfen und sich mit Bildern ein Bild machen von PURE INC. Für die Sommerfestivals jedenfalls erschien die Platte zu spät, das erscheint mir schlecht getimed. "Das ist eben jetzt so. Auf die Festivals kommst du eh nur, wenn du einen bestimmten Bekanntheitsgrad hast oder eben die richtigen Connections. Wir sind auf keinem großen Label und haben momentan keine große Booking Agency hinter uns, da werden wir auch auf kein Festival eingeladen. Das ist der nächste Schritt, eine gute Agentur zu finden, die uns auch Auftritte in Deutschland vermittelt und organisiert. (Mittlerweile haben sie eine Deutschlandtour mit JORN im November angekündigt - mono) Man kann ja nicht einfach in Wacken anrufen und fragen, ob die einen spielen lassen. Wir fangen quasi wieder ganz von vorne an. Aber wenn die CD sich verkauft und die Fans uns sehen wollen, dann wird das schon, ich bin da optimistisch." Optimismus trotz Allem, das lobe ich mir! Der war auch nötig bei den Aufnahmen zur aktuellen Platte, ebenso wie Durchhaltewillen, weiß Gianni zu berichten: "Ohne Label kann man nicht einfach in ein Studio gehen, das kann man sich ja nicht leisten. Also haben wir erst einmal 6-7 Songs aufgenommen als Demo und damit eine Plattenfirma gesucht, keine gefunden, und deshalb auch den Rest zuhause in Eigenregie aufgenommen. Im Proberaum haben wir dann auch entsprechend länger gebraucht und lange am Sound gewerkelt, bis er so war, wie wir ihn haben wollten. Wir haben uns wirklich über 3 Monate Zeit gelassen, weil es perfekt sein sollte. 3 Monate immer abends nach der Arbeit noch runtergehen und spielen und hören und verbessern, alles mit Harddisk-Recorder in Real Time aufgenommen. Als wir dann ein Label hatten, musste im Studio nur noch mal neu abgemischt werden, alles andere hatten wir schon eingespielt." Vielleicht klingt die Platte deshalb auch so erdig und griffig. "Mag sein. Im Studio singt man als Sänger den Song 4-5 mal hintereinander und dann nimmt man eben den besten Take. Wir haben aufgenommen, angehört, weggeworfen, nochmal probiert - so lange, bis wir zufrieden waren. Vielleicht nehmen wir auch weiterhin bei uns auf, aber dazu müssen wir erst einmal technisch aufrüsten und ein paar Tausender in Equipment investieren." Was immer noch günstiger kommt, als ein paar Tage im Studio... "Kommt darauf an, wo man hin geht... bei Rick Rubin ist die Million sicher schnell fort, haha! Aber Producer sind eh überbewertet, die müssen ja eigentlich gar nicht so viel machen und das ist auch gut so, denn es ist schließlich die Band, die die Musik macht, die harmonieren muss und von denen die Gefühle kommen muss. Und Gefühl ist bei uns das wichtigste, denn wenn du angepisst bist, dann schreibst du die besten Songs." Vielleicht wäre es aber dennoch gut, wenn man weniger Stress hat und von der Musik leben könnte. Doch Gianni gibt mir da nicht Recht. "Von der Musik leben... ach, das stelle ich mir auch irgendwie langweilig vor. Den ganzen Tag dann im Bandraum abhängen und Lieder schreiben und spielen. Mit einem richtigen Job kommst du auch unter normale Leute, liest deine Zeitung und die Musik ist ein Ventil, so ist es momentan und das gefällt mir eigentlich ganz gut."
Bodenständig, der Herr Pontillo! Bleibt noch anzumerken, dass auf der Limited Edition der CD noch ein reichlich rohes Cover von LED ZEPPELINs "Immigrant Song" zu hören ist und mit "One Minute On Earth" ein Hidden Track, der PURE INCs augenzwinkerde Annäherung an Black Metal ist, schneidende Gitarren, Blast Beats und markerschütterndes Kreischen. Da waren sie wohl mal einen Tag richtig angepisst... (mono)
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