Interview

04.10.2008 Almah/Edu Falaschi
 
Wenn man den Namen Edu Falaschi hört, denkt man zunächst natürlich an ANGRA. Dabei hat der sympathische Brasilianer mit seiner eigenen Band ALMAH bereits ein starkes Debütalbum im letzten Jahr veröffentlicht. Sein neuester Output „Fragile Equality“ kann das Album jedoch locker toppen. Aus dem Soloprojekt wurde eine Band, die in Brasilien bereits in der oberen Metalszene angekommen ist, wie uns Edu mit den neuesten Verkaufszahlen freudig berichtet. Und auch mit den vielen Gerüchten über ANGRA haben wir gleich mal aufgeräumt, doch lest selbst.
Wir haben bereits im April letzten Jahres zum ersten Album von ALMAH telefoniert. Wie ist es Dir in der Zwischenzeit ergangen?

Wir haben sehr viel gearbeitet. Nachdem ANGRA stoppen musste, habe ich mich entschlossen, ALMAH als Band aufzubauen und jetzt sind wir hier und präsentieren unser neues Album. Ich bin sehr glücklich. Das erste Album war ein Soloalbum von mir. Es war natürlich gut, aber es war einfach ein Album um Spaß zu haben. Ich hatte nur ein Ziel. Ich wollte einfach die Musik machen, die ich mag. Der erste Song ist mehr Thrash Metal, der zweite mehr Speed Metal usw. Alle Songs sind sehr verschieden. Dieses Mal haben wir ein Album, das natürlich auch sehr stark und abwechslungsreich ist, aber dieses Mal hörst Du das Ganze, du wirst merken, dass es von einer Band ist. Alles passt zusammen, das ist der große Unterschied.

Du hast mittlerweile eine feste Band zusammengestellt, wie Du gerade erwähntest. Waren Deine Kollegen auch am Songwriting beteiligt und wie haben sich die Songs daraus entwickelt?

Ja, das waren sie. Ich glaube, dass in einer Band, jeder die Möglichkeit haben muss, etwas dazu beizutragen. Ich denke, das ist der beste Weg für ein gutes Ergebnis. Ich habe jeden eingeladen mitzumachen. Dieses Mal war es auch einfacher, sie sind aus Brasilien. Wir konnten zusammen aufnehmen und uns absprechen. Jeder hatte seine Freiheiten beim Komponieren und konnte seine Ideen umsetzen. Es ist eine richtige Band.

Dein neues Album erntet auch in Europa sehr positive Kritiken. Es ist noch wesentlich abwechslungsreicher geworden. Es werden jedoch auch immer mal wieder Vergleiche zu den erfolgreichen ANGRA Alben noch mit Andre Matos an den Vocals gezogen. Stört Dich das?

Vielleicht. Natürlich habe ich ein paar Einflüsse von ANGRA, ich bin deren Sänger seit fast zehn Jahren. Da ist es natürlich. Ich denke jedoch nicht, dass dieses Album sehr nah an Angra ist oder an den alten Zeiten von ANGRA. Ich glaube jedoch, die Energie in diesem Album ist der von ANGRA damals zu den „Rebirth“ Zeiten sehr ähnlich. Ich denke, dass ist einer der Gründe, warum dieses Album mit „Rebirth“ verglichen wird. Heutzutage ist ALMAH eine echte Band. Ich habe vier Jungs eingeladen, dabei zu sein. Felipe Andreoli, der Bassplayer, ist natürlich von ANGRA sehr bekannt. Aber die anderen drei, die zwei Gitarristen und der Drummer, sie sind noch unbekannt. Sie sind so voller Energie als Musiker. Sie sind glücklich über die Möglichkeit, das Album zu veröffentlichen. Ich denke, genau diese Energie ist sehr gut. Ich erinnere mich noch an die „Rebirth“ Zeiten, als ich, Felipe und der Drummer zu ANGRA kamen. Die Atmosphäre war sehr ähnlich. Wir drei waren noch eher unbekannt zu der Zeit. Wir haben alle unsere Energie und unser Herzblut in die Songs gesteckt, wir wollten natürlich das beste Album heraus bringen. Heutzutage haben wir bei ALMAH eine ähnliche Situation. Aber ich glaube dennoch, das Album ist komplett anders, wenn man sich Songs wie „Fragile Equality“ oder „Torn“ anschaut. Viele der Songs sind ganz anders als die bei ANGRA, da sie viel härter sind. ANGRA würden nie so einen Song wie „Torn“ aufnehmen.

Ich finde, Deine Stimme kommt hier viel besser als auf den ANGRA Alben zur Geltung….

Echt? Ich glaube, dass liegt daran, dass in ANGRA viele mit komponieren und Rafael und Kiko zum Beispiel auch die Gesangsmelodien mitschreiben. In ALMAH schreibt zwar auch jeder an den Songs, aber ich komponiere meine eigenen Gesangsmelodien und ich kann natürlich viel besser einschätzen, was zu meiner Stimme passt. Vielleicht klingt die Stimme dadurch natürlicher, aggressiver. Das ist 100% Edu Falaschi.

Wie steht es denn nun wirklich um ANGRA, es gibt ja diverse Gerüchte…

Um ehrlich zu sein, es gab bei ANGRA viele Probleme mit dem Manager. Dann gab es noch einige Probleme innerhalb der Band. Wir mussten erst einmal alles stoppen, um das zu klären. Die Probleme liegen nun in den Händen der Justiz. Wir müssen die Entscheidung der Richter abwarten. Das Problem ist, dass die brasilianische Justiz sehr, sehr langsam arbeitet. Eventuell müssen wir ein paar Jahre warten, ich weiß es nicht. Darum kann ich nicht sagen, wir kommen nächstes Jahr zurück oder so. Wir wollen zurückkommen, so schnell wie möglich, aber wir müssen das erst abwarten. Es gibt auch noch weitere Probleme innerhalb der Band, wir müssen entscheiden, wie es mit einigen weiter geht, wir hatten ein paar Probleme betreffend der Gleichberechtigung. Das ist nicht so cool. Jeder versucht das nun zu lösen und die Band in einer gesunden Form zu belassen. Um Musik zu machen, müssen wir glücklich und zufrieden sein. Darum haben wir uns entschlossen, erst einmal zu stoppen. Aber ich bin ein Musiker und Sänger, ich kann nicht einfach zu Hause sitzen und Computerspiele spielen. Ich muss auf Tour sein, ich möchte Musik machen und Alben aufnehmen. Darum habe ich ALMAH nun als richtige Band aufgebaut. Es ist mein Vollzeitjob.

In Brasilien ist das Album bereits veröffentlicht und Ihr habt letztes Wochenende eine kleine Show gespielt. Wie war es und wie kamen die neuen Songs an?

Das ist unglaublich gewesen. Du bist die erste, der ich das erzähle, die neuesten Zahlen zum Verkauf unseres Albums. Wir haben mehr als 2000 CD´s an einem Tag verkauft. Das Konzert haben wir während der Expomusic gegeben, das ist die wichtigste Musikmesse in Lateinamerika. Es war auch als Releaseparty gedacht. Es waren mehr als 2000 Menschen dort und es war fantastisch. Ich war leider sehr, sehr krank und bin es immer noch. Ich konnte nicht alle Songs singen, aber ich war da für die Fans. Am Anfang dachten wir, wir sollten das Konzert lieber canceln, aber 2000 Fans, da habe ich entschieden doch hinzufahren, zu den Fans zu sprechen und für sie da zu sein, obwohl ich sehr krank war und Fieber hatte. Es war wirklich eine Party. Jeder hat mich unterstützt. Alles läuft super in Brasilien. Mittlerweile sind alle CD´s ausverkauft und unsere Plattenfirma presst gerade neue. In ca. 2 Wochen starten wir mit den Fernsehsendungen und ich bin sehr zufrieden.

Die Texte basieren auf ein Buch, bei dem Du Co-Autor bist. Magst Du dazu etwas erzählen?

Ja, ich schreibe zusammen mit einem Freund hier in Brasilien ein Buch. Es geht in der Story um die Balance aller Elemente auf der Erde und im Universum. Ein Balance die wir überall brauchen. Sowohl bei den großen Sachen wie dem Planeten, aber auch in unserem Leben. Ich habe mich dann entschlossen, die Lyrics auf diese Story zu beziehen. Die CD ist in Brasilien ja bereits veröffentlicht und das Buch wird voraussichtlich im Dezember veröffentlicht. In dem Buch wird es die „Fragile Equality“ CD geben, aber nur mit instrumentellen Songs. Es ist quasi wie ein Soundtrack für die Leser. Das ist das Konzept.

Wird das Buch auch in Europa erhältlich sein?

Ich denke, es wird erst einmal in Brasilien veröffentlicht und wir schauen uns an, wie es ankommt. Es wird in Portugiesisch veröffentlich und ich muss noch erwähnen, dass es im Manga-Stil gehalten ist. Wenn es ok ist, werde ich es evtl. auch auf Englisch veröffentlichen, wenn ich einen Verleger finde, der es in Europa und Japan veröffentlicht.

Was sagst Du dazu, dass das Wacken Festival nun auch in Deine Heimat kommt?

Ich denke, das ist echt sehr gut, denn in Brasilien sind die Konzerte nicht so häufig. Ein so großes Festival hier in Brasilien, ich glaube das wird es das erste Mal in der Geschichte des Landes geben. Es ist also sehr, sehr wichtig für die Metalszene hier. Evtl. spielen wir dort und ich bin natürlich sehr stolz, das größte und beste Festival der Welt hier in Sao Paulo zu haben.

Planst Du im Gegenzug Auftritte in Europa?

Ich weiß es noch nicht. Natürlich versucht unsere Agentur eine Tour in Europa für nächstes Jahr zu buchen. Aber es ist nicht sehr einfach, wie Du ja weißt. Warten wir mal ab. Wir würden wirklich sehr gerne nach Deutschland kommen. Bis dahin möchte ich gerne die Metal-Inside.de Leser einladen, unsere MySpace Seite auf www.myspace.com/almahedufalaschi zu besuchen. (tennessee)

 
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Reviews
 
Almah
(am 09.03.2007 von do)
 
Interviews
 
vom 05.04.2007 (d)
(eingetragen von tennessee)
 
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