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20.12.2007 Enemy Of The Sun
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„Wir haben GRIP INC. nie wirklich aufgelöst! Aber momentan ist Dave Lombardo ja wieder Schlagzeuger bei SLAYER, hat also keine Freiraum für etwa FANTOMAS oder GRIP INC. Ohne ihn gibt es die Band nicht, wir haben das überlegt, aber das wäre falsch, Dave ist nun mal ein wesentlicher Teil und er hat keine Zeit. Wenn sich daran aber wieder etwas ändert, will ich das sicher nicht ausschließen. Voraussetzung ist nur, dass jeder beteiligte hundert Prozent dahinter steht, dann führen wir die Band gerne weiter. Eine weitere Episode mit GRIP INC. Sollte aber nicht das, was ich mir mit den beiden andern Bands aufgebaut habe in den letzten beiden Jahren über den Haufen werfen, vielmehr war Daves Rückkehr zu SLAYER der Grund, warum ich mit EOE und EOTS jetzt ordentlich Gas geben konnte. Aber wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist“,
gibt Waldemar seinen alten Fans Grund zur Hoffnung – und immerhin wäre es nicht das erste oder zweite Mal, dass Dave Lombardo plötzlich bei der kalifornischen Thrashlegende aussteigt oder ausgestiegen wird. Nur: muss man GRIP INC. wirklich hinterhertrauern? Wohl wahr, EYES OF EDEN sind im direkten Vergleich zwei Gänge zurückgeschaltet, da ist mit Thrash nichts zu wollen, fast möchte man vermuten, Herr Sorychta werde langsam alt. Doch damit wäre man auf dem falschen Gleis, vielmehr scheint es so, dass er seine melodische Gothic-Seite bei EOE auslebt – nur um dann die angestaute Energie und Aggression umso effektiver und heftiger bei ENEMY OF THE SUN ausleben zu können. Damit gibt es also nicht zwei ähnlich klingende Sorychta-Solobands, sondern zwei komplementäre Gruppen, die sich nicht gegenseitig die Fans wegnehmen. „Das war auch exakt so gedacht! EYES OF EDEN waren ein älteres Projekt, das schon zu GRIP INC Zeiten entstand. Dass das Album jetzt aus Krankheitsgründen erst vor Kurzem erschien, das gab es ja schon überall zu lesen. EOE waren dazu da, dass ich alles, was für GRIP zu soft oder melodisch war, aber das doch in mir war, ausleben konnte. Mittlerweile ist es kein Projekt mehr, sondern eine richtige Band. Und weil ich jetzt mit den getragenen Teilen weiß, wohin, kann ich die aggressiven umso heftiger bei ENEMY OF THE SUN ausleben, denn solche Musik muss ich machen, ohne die kann ich nicht sein, da ist mein Herz in erster Linie zuhause.“ Ein Schnellschuss ist „Shadows“ jedoch nicht, vermeldete die Homepage von Waldemar doch bereits im Dezember 2006, dass die Aufnahmen im Kasten seien. Die Gesetze des Business bringen jedoch immer Verzögerung mit sich. „Wir mussten das Album aber erst noch mastern, dann sind wir bei den Plattenfirmen vorstellig geworden, haben verschiedene Angebote eingeholt und verglichen, dazu noch Touroptionen, das dauert dann halt, im Sommer war dann alles fertig. Dann kommen noch Marketinginteressen hinzu, deshalb wollte man das Album erst im Dezember veröffentlichen. Letztendlich ist mir das egal, denn eine gute Platte ist eine gute Platte, die wird nicht besser oder schlechter, ob sie erst im Januar kommt oder ob sie schon im September zu haben gewesen wäre.“ Wohl wahr! Wer nicht Trends hinterherhechelt sondern eigenständige Qualität bietet, der kann damit jederzeit überzeugen. ENEMY OF THE SUN vermögen das, dessen bin ich mir sicher. „Aber aufgeregt bin ich schon, auch wenn ich schon so viele Platten veröffentlicht habe. Immerhin ist es eine neue Band, die man mit viel Liebe großzieht und nun möchte man doch, dass sie den Leuten auch gefällt, das kann ich aber nicht mehr beeinflussen.“ Wobei man sich schon fragen muss, wer denn noch in der neuen Band mitspielt. Zum einen leidet Sorychta nach wie vor keinen zweiten Gitarristen neben sich, aber zum anderen ist der Posten am Bass offensichtlich felsenfest besetzt (im Gegensatz zu GRIP INC), denn die Tieftönerin Alla „Subsonic Bitch“ Feydnitch spielt in beiden aktuellen Sorychta-Bands, hinterlässt hier wie dort massiven Eindruck und ist auch keine Unbekannte – so hat sie etwa auf der letzten Tour von Peter Tägtgrens PAIN gespielt. Aber wo findet man einen versierten Thrash-Drummer, der einen von den Socken haut, wenn man jahrelang mit Dave Lombardo gespielt hat? Und sich einen Sänger aus Finnland zu importieren ist ja auch der nächste Weg... „Tja, natürlich hatte ich überlegt, mit größeren Namen zusammenzuarbeiten, aber ich wollten einen Neuanfang. Nichts ist geiler für einen Musiker, als wenn er Ideen hat und die dann später auch umsetzen kann. Die passenden Leute dazu findet man nicht alle fünf Meter auf der Straße. Alla ist eine Superbassistin, kann aber auch Klavier spielen und ist sehr kreativ. Daniel (Zeman, dr) wurde mir empfohlen, als noch überlegt wurde, GRIP INC ohne Dave weiterzumachen, was ich eigentlich nie wollte. Dennoch habe ich mir ein paar Leute angehört und Daniel hat mich unglaublich überzeugt. Als ich also einen Drummer für EOTS brauchte, habe ich ihn kontaktiert, er sollte ein paar GRIP-Stücke spielen – und wenn ich die Augen zugemacht habe, habe ich nicht mal gemerkt, dass gar nicht Dave spielt! Also könnten wir auf einem Konzert jederzeit auch ein paar alte GRIP-Lieder spielen, das ist auch nicht schlecht, und seine eigenen Sachen erst recht nicht. Jules (Näveri – voc) wurde mir von einer Freundin empfohlen, die in Finnland Urlaub gemacht hat. Ich habe mir dann seine Platte mal angehört und mir ein Konzert seiner Band angesehen und war begeistert. Er ist noch sehr jung, gerade mal 25, hat ein großes Herz und viel Energie und dazu ist er sehr vielseitig. Wenn mich jetzt Leute fragen, wer denn die drei Sänger auf der Platte sind, dann sagt das doch einiges, oder? Ich hatte mehr als nur Glück, diese Leute gefunden zu haben, es ist eine gelungene Kombination von Charakteren. Ich freue mich jedesmal schon auf dem Weg zum Proberaum, wieder mit ihnen spielen zu können. Ich brauche Musikverrückte um mich herum, die alles stehen und liegen lassen, um Musik zu machen, die in sich ein Feuer haben. Bei unserem Proberaum brennt schon die Hütte, wenn wir nur den Schlüssel umdrehen.“ Diese Spielfreude merkt man dem Debütalbum auch zu jeder Sekunde an, da wird nach Herzenslust losgeknüppelt, abgestoppt, akustisch gespielt, weitergebrettert, mit Fill-Ins und Breaks gezaubert, verschiedene Stimmungen zugelassen, aber immer hundert Prozent gegeben. Auch live haben sich EOTS schon ihre Sporen verdient. Ohne Veröffentlichung in der Hinterhand durften sie ihren offiziell ersten Livegig nicht etwa im Jugendzentrum Hintertupfing zelebrieren sondern mal eben als Opener für MEGADETH in der Hamburger Markthalle. „Ich muss gestehen, ich bin von meiner eigenen Band umgeblasen worden, auch wenn das bescheuert klingt. Anstatt nervös zu sein vor dem allerersten Auftritt miteinander sind wir auf die Bühne gestürmt wie ein Haufen junger Hunde, die von der Leine gelassen worden sind. Da habe ich gesehen, wie viel Energie in dieser Band steckt, welche Ausstrahlung Jules am Mikro hat, wie gut wir funktionieren. Die Publikumsreaktionen gaben uns recht. 1200 Leute, die uns noch gar nicht kennen konnten, und am Ende hatte wir die halbe Halle hinter uns, das kann dann nicht so schlecht gewesen sein.“ Durchaus nicht von schlechten Eltern ist auch der Sound, denn Sorychta in gewohnt souveräner Manier hingezimmert hat. Wo schon Bands wie MOONSPELL, TIAMAT und LACUNA COIL diesen warmen, satten Klang hatten und selbst die Schweizer SAMAEL nicht kalt klingen, da hat es mit dem ebenso kräftigen, differenzierten und sehr organischen Sound bei ENEMY OF THE SUN noch eine besondere Bewandtnis.Waldemar Sorychta in seiner Rolle als Produzent schiebt eine bemerkenswerte Info nach, die ihm am Herzen liegt. „Eines möchte ich noch sagen, das vergesse ich immer zu erwähnen, ist aber nicht unwesentlich. Die Platte hat nur bei einem einzigen Song Effekte! Ich habe jedes Lied, komplett so, wie es aufgenommen worden ist, ohne Reverb, ohne Delay, ohne überhaupt was, genauso wie es aufgenommen ist, gelassen. Das heisst, die ganzen Gesänge, Gitarren, Schlagzeugsachen, nicht mal die Snare hat einen Effekt drauf. Nur dieses eine Lied mit der Sitar (er meint wohl das orientalisch angehauchte „Clearly Surreal“ - mono), da haben wir, damit das homogener klingt, in den Strophen etwas aufgepeppt. Ansonsten ist alles furztrocken, und ich glaube, so hat man die größte Nähe zu der Band selbst. Das ist sicher nicht gewöhnlich, eine Platte ohne Effekte aufzunehmen und abzumischen. Aber natürlich haben wir digital aufgenommen, aus Kostengründen. Dicke Festplatten kosten heute fast nichts mehr, die Bänder hingegen werden nur noch von zwei Firmen weltweit hergestellt und hätten über 1000 Euro gekostet. Ich mag analoges Aufnehmen, aber das wird mir zu teuer inzwischen.“ Wow, wenn man bedenkt, wie viel heute jeder PC-Besitzer schon an Soundspielereien fabrizieren kann und wie versiert Sorychta ja bekanntlich ist, da ist es schon erstaunlich, dass er sich traut, so ganz ohne Aufpolieren aufzunehmen.Aber eine Platte hat ja nicht nur Sound und Musik.Bei GRIP INC waren auch die Texte immer ein wichtiger Bestandteil, Gus Chambers' Lyrics waren politisch motiviert, zeitkritisch und voller Wut. Leider liegen mir die Texte der neuen Band nicht vor. „Die Texte sind auch bei ENEMY OF THE SUN zum großen Teil kritisch-politisch. Es geht um Schattenseiten, daher „Shadows“ als Albumtitel. There is no light without darkness. Die meisten sind von Jules geschrieben, einer ist sogar von mir, „Lost In Time“, auch wenn man nicht drauf kommt, worum es geht, wenn man die Story nicht kennt. Lange Geschichte... bei GRIP INC habe ich quasi schon in den USA gewohnt, aber plötzlich wurden ja viele Gesetze verschärft, die mit Ausländern zu tun hatten. Auf einmal sah man in mir einen Feind, man hatte sich verzählt, weswegen man mir vorwarf, ich hätte Jahre zuvor zuviele Tage dort verbracht, die ich nicht nachweisen konnte. Das war Grund genug, mich in Handschellen aus dem Land auszuweisen. Ich habe dann die Geschichte aufgeschrieben, das waren zehn Seiten, aus denen habe ich dann einen Text gebastelt. „Lost In Time“heißt er deswegen, weil ich 2003 verhört worden bin, was ich bitte 1997 gemacht habe und ich mich natürlich nicht erinnern konnte. Wer könnte das schon? Ich habe in all meiner Zeit in den USA nicht mal einen einzigen Strafzettel bekommen und nun bin ich ein potenzieller Terrorist. Mehr will ich nicht sagen, immerhin erscheint das Album auch in den USA und wir werden vielleicht wieder dort hin fahren. Ich möchte nicht, als jemand, der sich sein Leben lang gegen Unterdrückung ausgesprochen hat, dann dort zusammengeschlagen in einer Zelle enden, und das bei den Erfindern der Demokratie.“ Eine allerletzte Frage drängt sich noch auf, und zwar wegen des Schriftzugs. Er erinnert mich frappierend an die Schrift, die VOIVODs Drummer Away für seine Lyrics benutzte. Eine Verbeugung, abkupfern oder nur Zufall? Auch die ersten Riffs von „Carousel“ gemahnen an die visionären und abgespacten Kanadier. „Das hat mir schon jemand gesagt. Interessanterweise habe ich eigentlich gar keinen Schriftzug entworfen, sondern nur das Sonnencover, das Logo war mit Kuli hingekritzelt, an das konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Als der Layouter dann mit dem fertigen Design kam, war ich ganz baff von dem Logo und fragte, wie er das gefunden hätte und er meinte nur, das hätt ich ihm doch so gegeben, haha! Im Ernst, zu VOIVOD habe ich wenig Bezug, ich habe mir die Platten schon einmal angehört, aber bin mir nicht so sicher, was ich überhaupt davon halten soll...“ Legenden waren sie, VOIVOD! Banause! Aber gut, vielleicht darf man so einer auch sein, wenn man selbst so umwerfende Musik macht und an seiner eigenen Legende schnitzt. Und EMEMY OF THE SUN fangen gerade erst an! (mono) |
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