Interview

29.11.2007 Cripper
 
Ein Frontalzusammenstoß ist ja nicht unbedingt das, wovon der Mensch träumt. Doch wenn einem ein solcher musikalisch derart intensiv und brachial widerfährt, wie es bei "Freak Inside" von den deutschen Thrashern CRIPPER der Fall ist, kommt nicht nur Freude auf, ein solcher "Kollisionskurs" muss sogar bejubelt werden. Obwohl im Moment noch recht unbekannt, sollte es dem Fünfer aus Hannover schon sehr bald gelingen, dem Untergrund zu entspringen und in der Oberklasse mitzumischen.
Sängerin Britta Görtz hatte die Ehre CRIPPER ein wenig näher vorzustellen. - und nahm dabei gleich ein Bad. [Jetzt schulde ich ihr nen Kasten Bier - lh]
Die Band existiert unter dem Namen CRIPPER zwar erst seit relativ kurzer Zeit, aber man mag es nicht glauben, dass es sich bei euch um "Frischlinge" handelt. Gibt es so etwas wie eine musikalische Vorgeschichte, die wir kennen sollten?

Huch, das klingt ja fast so, als hätten wir schon mal n Projekt in dieser Konstellation zusammen unter anderem Namen gehabt - das ist nicht so *lacht*
Für Jonathan, Christian und mich ist es tatsächlich das erste wirklich ernstzunehmende Projekt in dieser Richtung, gerade wenn es darum geht, eigene Songs gemeinsam mit anderen zu kreieren. Dennis und Sören bringen da schon wesentlich mehr Erfahrungen mit, beide haben schon in diversen Bands gespielt und dabei auch verschiedene Positionen besetzt. Die zwei spielen mehr als ihr crippales Instrument.

Welche Bands müssen denn erwähnt werden, wenn wir von musikalischen Einflüssen sprechen? Heraus zuhören vermag ich neben HOLY MOSES und THE HAUNTED auch einige alte Helden aus der Bay Area, aber das wird wohl nicht alles sein?

Es gibt da zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen auseinander zu halten. Zum einen findet sich nicht jede Musikrichtung oder Band, die uns im weitesten Sinne beeinflusst, auch in unserer Musik wieder. Zum anderen sind da Bands wie Testament, Exodus, Pantera, Strapping Young Lad usw, die auf uns als Musikvernarrte da natürlich schon einen gewissen Einfluss haben - auch, aber nicht nur was das Songwriting angeht. Gerade auch vor Studioaufnahmen hört man noch mal ganz intensiv seine Lieblingsscheiben und achtet auf den Sound der einzelnen Instrumente, die Lautstärkeverhältnisse, etc.
Das der Einfluss aber auch zu weit gehen kann, hab ich erst vor ein paar Tagen bewiesen: ich hab Lyrics zu nem neuen Song im Metrum von nem Testament-Song geschrieben, ohne dass es mir beim Schreiben aufgefallen ist. Hinterher dachte ich: ui, wie cool is das denn geworden...toll, die Ernüchterung trat ne halbe Sekunde später ein, die Jungs haben sich bei der Probe dann tot gelacht als ich es ihnen erzählt hab...Aber die Lyrics hab ich gestern umgeschrieben, nun hab ich dem Chuck nix mehr nachgemacht *lacht*

Wenn die Fans 50 Minuten Hochgeschwindigkeits-Thrash-Metal erwarten, müsst ihr womöglich mit einem aussagekräftigen "nicht ganz" antworten. Ich finde, dass der Rundling sehr abwechslungsreich ist. Was meinst du?

Schwierig zu beantworten ehrlich gesagt. Ich finde unsere Scheibe besonders in Hinblick auf die Atmosphäre der einzelnen Songs abwechslungsreich. Jedes Stück hat da eine andere Ausstrahlung, weckt ein anderes Gefühl. Mein Empfinden beim Hören der "Freak Inside" ändert sich mit jedem Mal Hören, zT sogar sehr deutlich. Ich liebe unsere Scheibe von vorn bis hinten, doch an der ein oder anderen Ecke (und dem Rest der Band geht es da genau so) denk ich mir schon so "Hm, da jetzt noch der Kniff wär cool gewesen" oder "Das kann ich heute viel besser". Besonders merk ich es natürlich an meiner Stimme. Gerade in punkto Abwechslungs- und Facettenreichtum hat sich bei mir noch einiges getan.

Zeit für Illusionen: Erinnere dich an die Achtziger zurück und erzähl mir: Hätten CRIPPER mehrere Tausende Alben verkauft, wenn sie ein Teil der amerikanischen Thrash-Metal-Ära gewesen wären?

In den Achtzigern war ich zwischen 3 und 12 Jahren alt, das hätten mir meine Eltern nie erlaubt *lacht*
Nee, keine Ahnung. Mach ich mir ehrlich gesagt auch keine Gedanken drüber, das ist nicht der Grund, aus dem wir Musik machen. Wenn man aber mal nen Gedanken daran verschwendet, können wir wohl eher froh sein, heute zu leben - so können wir dank technischem Fortschritt uns sogar Aufnahmen und Vervielfältigung mit unserem kleinen Budget leisten, obwohl wir keine Tausende Alben verkaufen.

Die Songs lassen sich zwar sehr rasch mitbrüllen, scheinen aber textmäßig doch eine Message vermitteln zu wollen. Was inspiriert euch denn zu euren Texten?

Viel interessanter ist die Frage: zu was inspirieren die Texte dich?
Mich inspiriert fast alles. Aus den für mich interessanten Dingen ergibt sich dann ganz automatisch zumindest ein Einstieg. Die besten Einfälle hab ich meistens in den unpraktischsten Situationen. Deshalb fliegen bei mir auch in sämtlichen Taschen, im Auto und auf allen Rechnern 1 Mio Zettel und Notizen rum, weil ich mir immer alles sofort aufschreiben muss, sonst verschwindet es für immer im Nirwana meiner Gedanken.

Wie seid ihr denn mit Andy Classen in Kontakt gekommen und wie war es mit ihm zu arbeiten?

Die Frage kam schon ein paar Mal, ist angesichts der "großen Geschichte" dahinter lustig...Wir haben Andy einfach eine e-Mail geschickt, die steht samt seinem üblichen Tagessatz auf seiner Website *lacht* Wir schickten ihm dann unseren fertigen Mix, er uns dann ein paar Tage später das fertige Master. Wir waren aber selbst nie vor Ort und haben auch nicht neben ihm gesessen und gemeinsam beratschlagt oder so. Das war auch gar nicht nötig, er weiß, was er da tut!

Auch wenn "Freak Inside" noch sehr frisch ist, gibt es denn darüber hinaus bereits weitere Pläne für die Zukunft?

Klar, wir schreiben an neuem Material für ein weiteres Album. Wir entwickeln uns weiter, ganz wollen wir dann auch mal irgendwann die Ergebnisse auf nen Tonträger bannen. Wir machen uns dabei zwar keinen Stress, bummeln aber auch nicht durch die Gegend.

Wie sind denn die Pressereaktionen auf "Freak Inside" ausgefallen?

Durchweg positiv! Den meisten hat der Freak sehr gefallen. Natürlich gab es auch negative Kritikpunkte, die sich in einigen Reviews auch wiederholten - von einem Verriss waren jedoch alle Pressestimmen weit entfernt.

Anderes Thema: Gigs. Was waren neben dem Metal Camp Festival, das ihr erfolgreich für euch entscheiden konntet, bisher die Highlights in eurer Karriere, wenn man von Konzerten spricht?

Ein persönliches Highlight war der Auftritt auf dem Battle zum Queens of Metal. Von uns und unserer eigenen Leistung her gesehen der beste Gig, den wir bisher gespielt haben.
Auf großen Bühnen zu spielen ist auch immer nen Erlebnis. Du hast Platz, die Stagecrew weiß was sie tut, der Sound stimmt... das macht es einem als Band sehr komfortabel. So richtig nach Rock n Roll fühlen sich aber mehr die kleinen, verschwitzten Clubs an. Man kriegt einfach direkt das Publikum mit und kann zusammen feiern und abgehen. Das ist schon auch n geiles Gefühl wenn jemand, den man gar nicht kennt, einem plötzlich die eigenen Songzeilen direkt ins Gesicht gröhlt.

Bei dem für mich tollen Album, gibt es denn grundsätzlich schon irgendwelche Reaktionen von Seiten der Plattenfirmen?

Ja, es gab zwei konkret Interessierte. Daraus geworden ist aber nichts. Wir wollen nichts überstürzen und nehmen uns lieber mehr Zeit, den richtigen Partner zu finden, als uns vielleicht überstürzt zu binden.

Wo wird der Weg von CRIPPER hinführen? Hat die Band ein klares Ziel vor Augen oder lässt man sich einfach treiben?

Ziel ist es, möglichst lange zusammen die Musik zu machen, die uns 5 gefällt und diese live zu präsentieren. Alles andere - so groß die Rockstarträume auch sein mögen - empfinden wir als nen extra Schlag Sahne und freuen uns über jeden Schritt, den des weiter geht. Da mag kitschig klingen, macht aber unglaublich Laune!

Was man sicher erwarten darf, sind ein paar weitere Live-Gigs. Ist da schon irgendetwas geplant?

Alle Gigs stehen auf cripper.de und myspace.com/cripperthrash.
Die Festivalplanung für 2008 ist im Gange, mal gucken wo wir uns den Sommer über so rumtreiben. Wer uns auf dem Summer Nights Festival in Österreich sehen will, möge bitte auf summer-nights.at für uns voten!
Außerdem ist es glaub ich nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass es auch wieder ein Triple Thrash Treat Tour 2008 geben wird. Allerdings erst gegen Herbst, will ja alles gut geplant sein. Die Tour mit Hatred und Spectre Dragon Anfang 2007 hat so nen Spaß gemacht und war ein voller Erfolg, das muss einfach wiederholt werden!

Noch eine Persönliche frage für unsere Männlichen Leser, gibt es ein festen Freund an deiner Seite, bzw. hast du für so was Zeit ?

Nein, zur Zeit bin ich nicht vergeben. Klar hab ich für "so was" Zeit - mal ehrlich, wenn´s einen so richtig gepackt hat, dann nimmt man sich doch einfach Zeit, oder?

So jetzt darfst du dich noch nach beliebigen auskotzen !

Toll. Mach ich ständig. Und jetzt fällt mir nix ein.
Dann nutz ich den Platz eben und richte das Wort an unsere Fans & Supporter: Leute, 1000 Dank an euch! Was ihr Nasen uns nicht schon alles ermöglicht habt... und bitte lasst mich weiterhin beim Stagediven nicht fallen *lacht*
Unser Dank geht an dich! Alles Gute für dich und metal-inside. (mb)

 
Dieses Interview wurde bisher 769 mal gelesen.
 
 
 
 
 
 
Reviews
 
Devil Reveals
(am 31.07.2009 von do)
Freak Inside
(am 24.11.2007 von mb)
Freak Inside
(am 22.10.2008 von do)
 
Interviews
 
Keine Einträge
 
Berichte
 
Thrash Till Death Festival...
(am 30.06.2006 von do)
Mettla Festival - Braunsch...
(am 29.08.2008 von lk)
 
Tourdaten
 
00.00.0000Weinheim, Cafe Central
 
Weitere Infos
 
 
Internet
 
www.cripper.de

© 1999-2010   www.METAL-INSIDE.de