|
17.07.2001 Wild Rossis´ Notes
|
||||||||
|
Erzählt doch bitte zuerst mal was über eure Bandgeschichte und stellt euch selber mal kurz vor. Aläde: Wir spielen in klassischer Rockbesetzung plus Keybord bzw. Akkustik-Gitarre, was auch prägend für unsere Musik ist. Als wir uns 1991 gegründet haben, hatten wir noch zwei Gitarristen plus Keyborder am Start, waren stark metal-lastig, wobei am Ende fast nur noch abgedrehte Sachen rauskamen. André: Jeder hatte das Gefühl sich in unseren Songs profilieren zu müssen, so dass die Musik am Ende zu voll und kompliziert wurde. Aläde: Nach ungefähr vier Jahren trennten sich dann Holger Wildemann und Axel Nothen (übrigens nach mehreren Zwischenstationen heute Sänger bei der Düsseldorfer Metal-Combo Drown Inc.) von uns und wir überlegten uns, wie wir diesen Bruch musikalisch und personell auffangen könnten. Mit Heino Tiskens kam dann ein Keyborder, der auch Akkustik-Gitarre spielt, zu uns. Musikalisch machte sich das bemerkbar, da unsere Songs mehr marillionartige Strukturen bekamen und zum Teil deutsche Texte verwendet wurden. Seit gut zwei Jahren sind wir wieder in der härteren Richtung unterwegs, was nicht heißt, dass ruhige und melodiebetonte Parts oder Songs fehlen. André: Vielleicht sollten wir noch mal kurz das Line-Up vorstellen: Vocals - Jörg Simonett, Guitars - Christoph Heußen, Keys - Heino Tiskens, Bass - Aläde Vitt und Drums - André Dückers. "Apokalypsis" ist ja schon euer zweites Demo. Was gibt es über das erste zu sagen (Qualität, Songs, Reaktionen etc.)? Aläde: Dazu muss ich sagen, dass wir ein Demo und eine CD haben. "Vorhang auf" war ein Demo und "Apokalypsis" ist unsere erste CD. André: Die Lieder, das haben wir eben ja schon angedeutet, waren mit Sicherheit softer, zum Teil sogar recht popig. Verkaufstechnisch war "Vorhang auf" mit Sicherheit ein Erfolg. Wir haben 500 produziert, die auch innerhalb eines Jahres weg waren. Es war halt doch mehr Mainstream, der nun mal ein breiteres Publikum anspricht, auch Leute, die sich nicht nur für Rock bzw. Metal interessieren. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen, reicht die Produktion nicht an das heran, was wir heute haben und die Songs in ihre Komplexität, Aussagekraft, Dynamik, in ihrer Power und Härte längst nicht. Wir haben schon eine Weiterentwicklung durchgemacht, sind härter geworden, abwechslungsreicher und weniger "Schalala", schöner auch, find ich. Aläde: Dem kann ich mich nur anschließen. Ich kann mir unter dem Namen "Wild Rossis´ Notes" immer noch nur schwer etwas vorstellen. Könntet ihr ihn bitte näher erläutern und sagen, wie ihr auf den Namen gekommen seid? André: Das ist eigentlich ´ne einfache Geschichte. Als wir uns zusammengetan haben, hieß ein bereits bestehendes Projekt schon "Wildman Notes". Den Namen wollten wir irgendwie übernehmen, aber noch was neues hinzufügen. Da wir alle von der Zeichentrickserie "Senior Rossi sucht das Glück" begeistert waren, mixten wir munter drauf los, bis am Ende der Name "Wild Rossis´ Notes" übrig blieb. Der Name ist wahrscheinlich kein Knaller, aber den schleppen wir jetzt schon 10 Jahre mit uns rum und irgendwie sprechen uns alle darauf an. Das ist ja auch schon mal was. Mit welchen Vorstellungen seid ihr dann an "Apokalypsis" herangegangen? Aläde: Nach einigen Veränderungen und persönlichen Entwicklungen haben wir als Band näher zusammengefunden. Wir sind mehr zu einer Einheit geworden, was sich auch musikalisch bemerkbar machte. Wir waren erstmals der Meinung: Jetzt können wir tatsächlich mal von gut durchdachter und arrangierter Musik sprechen, die über das Niveau einer Hinterhof- oder Dorfband hinausgeht. Aufbauend auf diesen Entwicklungen sind wir mit den größten Erwartungen an "Apokalypsis" rangegangen und innerhalb der Produktion, die sich ja über gut ein Jahr hinzog, merkten wir immermehr, das ist unser Werk. André: Für mich war wichtig, dass wir einen Gegenpunkt setzen zu unserer alten CD. Für viele waren die "Wild Rossis´ Notes" noch unmittelbar verbunden mit "Vorhang auf", deutsch-englische Musik, die ihren Stil noch suchte. "Apokalypsis" war für mich nochmal ein Punkt, an dem wir sagen konnten, wir haben jetzt unseren Stil und unsere Richtung gefunden, die ist progressiv, die ist härter und hier können wir sagen: Es ist etwas Neues da und das haben wir auch in Händen. An welchen Vorbilder habt ihr euch beim komponieren der Songs orientiert? Aläde: Jeder hat so seine Kombos, die er bevorzugt und diese Vorliebe versucht er auch in die Musik mit einzubringen. Ich kann für mich ganz eindeutig sagen, dass ich nur die einzige echte progressive Metalband als Ideal sehe und das ist für mich einzigartig Dream Theater. Wobei ich nicht sagen würde, dass sich unsere Musik ansatzweise an Dream Theater annähert. Ein Schrittchen weiter gehen wir vielleicht bei unserer nächsten Produktion. André: Dem ist eigentlich nichts zuzufügen. Ihr spielt nun schon seit 1996 in der selben Besetzung. Inwiefern wirkt sich das auf euer Songwriting aus? Vergleiche Frage 4!! Eure Musik lebt stark von euren Melodien. Wie wichtig sind euch diese, bzw. was ist euch bei euren Songs besonders wichtig? André: Melodien sind mit Sicherheit sehr wichtig, aber auch, dass die Songs eine Dynamik haben, dass sie sich aufbauen, dass etwas passiert und nicht vor sich hindümpeln. Wichtig ist uns allen eine gewisse Abwechslung und Komplexität in den Liedern ohne sich in Frickeleien zu verirren. Wir bauen keine Ohrwürmer im klassischen Sinne, so dass man während der Strophe schon weiß, wie der Chorus sein wird, sondern lieben alle die Überraschung. Ihr bezeichnet eure Musik als "Melodic Art Metal". Wie seid ihr darauf gekommen und was soll er genau bedeuten? Aläde: Das zeigt eigentlich schon deine letzte Frage. Wir legen nunmal Wert auf Melodien, der Aspekt "Melodic" ist also unbedingt Teil der Musikrichtung, die wir machen wollen. Wir konnten uns nicht auf Rock festlegen, weil dass ja alles und gar nichts meint, außerdem sind wir wohl näher am Metal. "Art" ist meiner Meinung nach ein treffender Begriff, der dem Metal ein bißchen die Schärfe nimmt. André: Seh´ ich ähnlich. "Melodic" ist für mich klar, da wir mit einer klaren Gesangsstimme arbeiten und nichts mit Gegröle oder Shouting am Hut haben. In unseren Liedern sind die Töne, besonders bei Jörg, eigentlich immer zu identifizieren. "Art" ist für mich wichtig, um deutlich zu machen, wir machen etwas mit künstlerischem Anspruch. Ob wir den einlösen können, sei mal dahingestellt. Wir machen eben keine 08/15-Klamotten, nach dem Schema 1, 2, 3, 4 und los geht´s, sondern wir versuchen schon sowohl in Texten wie auch Musik einen künstlerischen Anspruch umzusetzen. Und der ist dann nicht unbedingt "Progressive" oder "New", sondern soll was Bleibendes, Überdauerndes haben. Echte Kunst egal in welchem Bereich vergeht nicht in ein paar Jahren. Die Musik von Yes zum Beispiel ist zum großen Teil schon über 20 Jahre alt und immer noch aktuell, über "New Metal" spricht in ein paar Jahren keiner mehr. Jetzt noch zu ein paar speziellen Songs. Bei "Star Wars" dreht ihr ja Star Wars und Star Trek durch den Fleischwolf. Seid ihr alle Trekkies, um auf diese Idee zu kommen oder waren die Skywalker Studios, in denen ihr gemastered habt, daran schuld? Aläde: Das Lied und das Studio haben nichts miteinander zu tun, denn "Star Wars" selber ist ungefähr vor sieben Jahren entstanden und Skywalk wurde uns erst in den letzten Sekunden unserer CD-Produktion empfohlen. Zum Lied ist zu sagen: Star Wars und Star Trek wird im Text tatsächlich durch den Fleischwolf gedreht. Dabei aber nach einem Sinn zu suchen, ist unnötig, den gibt´s nämlich nicht. Star Wars ist eine Jux-Nummer, mehr ist das nicht. Höhepunkt der CD ist sicher mal "Apokalypsis" mit seinen 6 Songs. Wie seid ihr darauf gekommen so etwas einzuspielen und erläutert auch bitte mal das textliche Konzept, welches dahinter steckt? André: Das textliche Konzept ist eigentlich leicht nachzuvollziehen. Das ganze ist angelehnt an die Visionen des Johannes, also an die Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel. Es geht im Grunde darum, dass sich am Ende der Zeit alles um den im Himmel trohnenden Gott versammelt und jemand gesucht wird, der das Buch mit den sieben Siegeln öffnen kann. Nachdem keiner für würdig gehalten wird, erscheint Christus, der als Lamm verkörpert wird, und öffnet die sieben Siegel. Was dann passiert, ist ein Wust an Einzelerzählungen, die in ihrer bildhaften und symbolischen Sprache kaum zu wiederholen sind. Wir haben daraus unter anderem den Kampf Gottes gegen Satan rausgegriffen, den Tag des jüngsten Gerichts und die neue Stadt, die entsteht: Das neue Jerusalem, in dem alles wieder gut ist. Alles Böse und Schlechte hat irgendwann sein Ende, das ist die Botschaft. Für uns war das ein Riesenanreiz, die Apokalypse musikalisch umzusetzen, weil darin soviel passiert und die Stimmungen sooft umschlagen. Das sollte sich auch in "Apokalypsis" widerspiegeln. Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, ein wenig von der Spannung und Atmosphäre der Vorlage in dem 20-Minuten-Stück umzusetzen. "Exordium" habt ihr mit dem jungen Orchester Düsseldorf aufgenommen. Habt ihr da spezielle Kontakte oder wie seid ihr dazu gekommen? Aläde: Junger Chor Düsseldorf. (Oops, Sorry. - Anm. d.Verf.) Unser Gitarrist und Keyboarder Heino hatte Kontakt zum Chorleiter. Wir dachten, dass ein lateinisches Intro ganz gut zur Johannesoffenbarung passt. Euer Cover ist eine Adaption eines Bildes von Hieronymus Bosch. Wieso habt ihr eine abgeänderte Version genommen und nicht das Original? Worin seht ihr die Aussage des Covers? André: In dem Bild von Hieronymus Bosch geht es ja um die Darstellung vom Jüngsten Gericht, das ja den Mittelteil unseres Titeltracks ausmacht. Das Original war uns aber zu bunt. Blau wirkt da doch besser, irgendwie schon düsterer. Also ich glaube, die Atmosphäre kommt so besser rüber. Haltet ihr es für wichtig, euch von etablierten Bands zu unterscheiden, um eben mehr Aufmerksamkeit mit der Musik zu erreichen oder wie seht ihr das? Aläde: Ich verstehe die Frage nicht, wieso wir uns von etablierten Bands unterscheiden wollen. Wir wollen uns von Amateuren unterscheiden oder von Schülerbands. Das schaffen wir in meinen Augen auch, indem wir Musik machen, die besser ist als sie eine Amateurband machen könnte. André: Ich denke auch, dass wir uns von etablierten Bands gar nicht unterscheiden wollen. Im Gegenteil: Wir wollen uns ja auch etablieren, nicht im Sinne von "groß-rauskommen", sondern von guter Musik produzieren. Aläde: Wir wollen uns etablieren, wir wollen aber niemandem hinterhersteigen. Wie seht ihr das Verhältnis Underground - etablierte Acts? André: Dazu kann man eigentlich nur sagen, dass es zu viele etablierte Bands gibt, die da stehen, wo sie es im Grunde nicht verdienen zu stehen und das es andersherum zu viele Underground-Bands gibt, die es nicht verdienen, sich im Underground zu bewegen. Etablierte Acts und Underground-Bands unterscheiden sich vielfach nicht durch die Qualität ihrer Musik, sondern durch die Ausrichtung auf bestimmte Ziele, im wesentlichen auf Kommerz. Deswegen habe ich ein Problem mit dem Wort "etablierte Bands", weil dadurch der Eindruck entsteht, als wären das die besseren Musiker. Inwiefern seht ihr euch selber irgendeiner Undergroundszene zugehörig? Aläde: Ich sehe mich insofern einer Undergroundszene zugehörig, da wir unsere Musik nicht professionell vermarkten und kein Geld damit verdienen. Wir haben Unkosten, die wir nicht durch unsere Musik decken können. Das ist in meinen Augen Underground. Denkt ihr, der momentane Aufschwung im Metalbereich wird sich früher oder später auch auf den Undergroundbereich auswirken, indem mehr junge Bands gesignt werden oder bleibt der Vorteil eher den etablierten Bands vorbehalten? André: Das interessiert mich eigentlich nicht die Bohne. Aläde: Ja würd´ ich auch sagen. Wer hier gesignt wird, ist mir auch reichlich egal. Ob hier irgendwer groß rauskommt, nur weil er gehypt wird in irgendeiner Art und Weise, berührt doch letztlich weder den Underground noch uns. Wir wollen unsere Musik weitermachen wie bisher und was im großen Musikgeschäft passiert ist für uns völlig irrelevant. Was würdet ihr Leuten entgegnen, die generell nur CD´s von etablierten Bands kaufen und sich gar nicht mit dem Underground beschäftige? Aläde: Das ist eine Frage des Geschmacks. Wenn jemandem Musik gefällt, von der irgendwer behauptet, sie wäre etabliert, dann können die sich das gerne kaufen und wenn den Leuten Musik gefällt, von der irgendwer sagt, das wäre noch der echte Underground, dann ist das meiner Meinung nach für die Leute kein Unterschied, die die Musik hören, sondern nur für die Leute, die sagen, das sind etablierte Bands und das ist Underground. Wie sieht es livemäßig bei euch aus? Könnt ihr schon ein paar Daten für die Zukunft bestätigen? André: Jawoll. Wir werden am 15. August in der Kulturfabrik in Krefeld und am 15. September im Schlüsselloch in Aachen spielen. Außerdem planen wir am 23. Dezember wieder ein Rockkonzert mit After-Show-Party in unserer Heimatstadt Nettetal-Kaldenkirchen. Wir hoffen aber, dass noch der ein oder andere Gig dazu kommt, ein paar sind noch in Planung, aber halt noch nicht spruchreif. Neueste Infos gibt´s aber auch auf unserer Homepage www.wild-rossis-notes.de. Abschließend noch bitte ein paar Meinung über folgende Begriffe : Black Metal André: Von wenigen guten Acts abgesehen Gejaule oder auf Dauer zu lahm. Religion Aläde: Ein Wesenszug des Menschen. Science Fiction Aläde: Nette Fantasiewelten. Fanzinelandschaft André: Wir fangen gerade an, sie zu erkunden. Umfangreicher als angenommen. Sommer Festivals André: Wir würden gern auf mehreren spielen. Stellung des Metals in der Öffentlichkeit André: Besser als sein Ruf. Abschließend noch ein paar letzte Worte? Aläde: Grüße an Picard. André: War lustig. Vielen Dank (hoschi) |
|
|||||||