Interview

01.07.2007 U.D.O.
 
Den Sound für die eigenen Verhältnisse geradezu revolutionär geändert und trotzdem nur positive Kritiken für U.D.O. Die Solinger Teutonen Metal Institution scheint mit ?Mastercutor? erneut den richtigen Weg gefunden zu haben und erfreut sich weltweit größter Popularität. Genau 249 Interviews hat Udo Dirkschneider bis zu unserem Gespräch gegeben und weist darauf hin, dass ihm da in Bälde noch einiges mehr ins Haus stehen wird. Die harte Arbeit in den letzten Jahren zahlt sich also aus, auch in den Verkaufszahlen, was der entry auf Platz 37 in den Media Control Charts unter Beweis stellt
Udo, die Promotionaktivitäten müssten noch in vollem Gange sein, oder?
Das kann man so sagen.

Ist das eigentlich sehr nervig, wenn man nach mittlerweile insgesamt 21 Alben immer noch überall in der Welt anrufen muss?
Das gehört natürlich dazu, aber dieses Mal ist es wirklich extrem! Ich hab gestern mal gezählt, und bi auf bisher 249 Interviews gekommen. Ich meine, das ist ja toll, aber irgendwann hat man da schon einen Durchhänger irgendwo. Aber ich bin ja bald durch damit.

Was ist denn das Interesse am größten?
Das kann ich eigentlich gar nicht so sagen. Da, wo das Album draußen ist, verhält sich das alles relativ gleichmäßig. Amerika und Asien kommen noch, da steht mir noch einiges bevor. Jetzt hab ich Südamerika hinter mir und komplett Europa inklusive Russland.

Man hat das Gefühl, dass in der letzten Zeit das Interesse an U.D.O. konstant steigt, was ja auch die teilweise sehr ausgedehnten Tourneen beweisen. Es geht ja bald schon wieder quer durch Europa.
Seit "Thunderball" geht es eigentlich extrem nach oben, aber das ist ja auch schön, dafür macht man das ganze ja auch. Die Tour, die jetzt ansteht, da braut sich was zusammen. Nach dem letzten Festival in der Ukraine können wir eigentlich gleich dort bleiben und die Tour dort starten. So, wie das jetzt überblicken kann, bin ich dann ungefähr am 23. Dezember wieder Zuhause. Und nächstes Jahr geht es dann fröhlich weiter, Südamerika, USA, Kanada, Asien. Im April 2008 sollten wir dann erstmal fertig sein.

Du bist mit deinen Bands in den letzten Jahrzehnten eine Konstante im Business gewesen. Fühlt man sich da ab und zu mal wie ein Star, wenn man sich vor Augen hält, was man schon so alles erreicht hat?
Klar würde man lügen, wenn man als lebende Legende - es gibt ja mittlerweile 1.000 Ausdrücke zu meiner Person - das alles nicht vor Augen hätte. Den Star könnte ich sicherlich raushängen lassen, das ist aber nicht meine Abteilung. Ich bin eigentlich immer jemand gewesen, der immer down to earth ist und ich glaube, im Alter genießt man so etwas einfach. Ich laufe nicht arrogant durch die Gegend, sondern rede eigentlich mit jedem, der mich irgendwo anspricht und versuche einfach normal zu bleiben. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, warum ich solange im Business bin.

Erläutere doch bitte mal ganz grob, obwohl du es sicher schon 249 Mal gemacht hast, das Konzept zu "Mastercutor". Dem Anschein nach hast du mit Realityshows mal gar nichts am Hut.
Also ich muss dir sagen, dass dieser ganze Talkshow-Zirkus, dieser Gerichtsmist und diese Realityshows für mich unterstes Niveau ist."Mastercutor" ist eine Idee zu einem Text gewesen am Anfang. Wir suchten zu diesem Konzept eigentlich nen Namen, und da kam unser Mensch, der nochmal schnell als Engländer über unsere Texte schaut auf die Idee, aus den Wörtern master und executor eben "Mastercutor" zu machen. Dann hatten wir schon mal den Namen zu einem Song und dann hat sich während der Recordings dieses Konzept entwickelt. Und dann kam irgendwie eins zum anderen. Und irgendwann war eben der "Mastercutor" die Hauptperson in der Story! Es ist beim Album quasi so, als ob du Fernsehen schaust. Es wird wie eine Gameshow eröffnet und der "Mastercutor" führt dann durchs Programm.

Der Titeltrack ist meiner Meinung nach vom Anfang her sehr ungewöhnlich aber entpuppt sich dann als der eingängiste und beste Song des Albums.
Ah, interessant.

Hörst du das zum ersten Mal?
Nee, ich speichere so die ganzen unterschiedlichen Meinungen, das finde ich interessant.

Mit "The Wrong Side Of Midnight" komme ich dafür nicht so zurecht. Der Song gibt mir nicht wirklich viel. Die moderne Produktion, die orientalischen Elemente?zusammen mit dem Videoclip ist das dann wieder eine andere Geschichte, aber so.
Okay, man muss auch so sagen, dass wir unseren Sound komplett verändert haben, okay, sagen wir besser, wir haben ihn eine wenig verändert, das ist doch sonst sehr übertrieben.

Naja, für eure Verhältnisse kommt es einer Revolution gleich...
Okay! Das hängt auch damit zusammen, dass unser Livesound Mensch, der hat schon bei der "Mission No. X" Tour rumgemosert und meinte, dass wir auf der Bühne wesentlich moderner klingen als auf CD und das sollte man vielleicht mal ein wenig ändern. Dazu haben uns auch Fans ermuntert, eben diesen Livesound auch mal auf einem Album so umzusetzen. Wir haben den Soundmenschen dann auch ins Studio eingeladen und ihm gesagt: "dann mach doch mal". Er ist dann bis zum Schluss geblieben und bestimmt auch zu 70 % für den Sound verantwortlich. Wir waren auch alle sehr happy damit, da es doch um einiges aggressiver klang aber trotzdem warm. Die Basis haben wir musikalisch nicht verlassen, die ist immer noch da, aber wir haben bei den Arrangements etwas anders gearbeitet. Das hört man dann bei "The Wrong Side Of Midnight" oder "Master Of Disaster", was für unsere Verhältnisse auch eine ungewöhnliche Nummer ist, die wir früher nie so arrangiert hätten.

Hat es auch Leute gegeben, die von der modernen Ausrichtung weniger begeistert sind?
Nee, und das ist wirklich kein Schmu, bis jetzt haben wir nur positive Resonanzen bekommen. Wir waren beim Release des Album schon irgendwo nervös, wie die Leute reagieren würden. Ich muss sagen, dass wir schon das richtige Ding gemacht zu haben scheinen. Die Fans sind positiv aufgestellt und auch deswegen kamen bis jetzt 250 Interviews zustande. Da ist also schon richtig was passiert. Es war der richtige Zeitpunkt, etwas zu tun. Man kann ja auch leicht in eine Art Lethargie verfallen, so nach dem Motto - das haben wir immer so gemacht - das machen wir weiter so!

"Mastercutor" ist auch ziemlich hoch in den deutschen Charts eingestiegen. Was bedeutet dir diesbezüglich kommerzielles Feedback?
Das war eine ziemliche Überraschung für uns, wir hatten uns irgendwo zwischen Platz 60 und 100 gesehen, aber nicht auf Platz 37. Das erfreut einen natürlich, weil man auch sieht, dass die ganze Plackerei über die ganzen Jahre etwas gebracht haben. Das gibt auch viel Motivation für die Zukunft, da wir wissen, dass wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt sind.

Es bietet sich zu der Thematik des Albums doch auch eine spezielle Bühnenshow an, oder?
Ja, aber nachdem ich mich auf der letzten Tour wer weiß wie oft umgezogen habe, werde ich das diesmal nicht machen. Wir werden das ganze aber visuell über Videoeinspielungen entsprechend unterlegen. Das hängt aber noch von den Größen der Bühnen ab.

In den letzten Jahren hat sich bei U.D.O. eine gewisse Beziehung zu Russland herauskristallisiert. Wie ist das, wenn man in einem Land spielt, deren Gesellschaft, was den monetären Aspekt angeht, unterschiedlicher kaum sein könnte. Und viele, die euch gerne sehen würden, haben das Geld nicht, und andere wiederum können sich alles kaufen, was ihnen beliebt.
In Russland gibt es schon eine gewisse Schere. Im westlichen Teil sind die Preise ungefähr genauso hoch wie hier und je weiter man in den Osten kommt, desto mehr geht dort alles in den Keller. Dort hat man dann Preise von zwei, drei Dollar und dann ist das auch für die Fans machbar, nicht umsonst spielen wir das vor 5.000 ? 6.000 Menschen. In Moskau kann man dafür dann aber wieder mit 25 Dollar pro Ticket rechnen, da gibt es quasi keinen Unterscheid mehr. Es ist schon manchmal harter Tobak, wenn man durch das Land reist. Wir machen viel mit dem Zug und da bekommt man schon einiges mit, wo man ins Grübeln gerät. Da stellt man fest, wie gut es uns hier doch geht und man sieht einige Dinge mit ganz anderen Augen, das kann ich dir aber sagen. Dennoch, Russland ist ein interessantes Land, ein tolles Land und ich mag die Mentalität der Leute dort. Wir haben zwar noch nicht ganz ergründet, warum wir dort so angesagt sind, aber man sagt uns nach, dass wir eine russische Seele hätten - ich habe sie noch nicht wirklich gefunden.

(lk)

 
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