Interview

05.04.2007 Almah/Edu Falaschi
 
Man sollte meinen, dass Edu Falaschi, alias Sänger bei ANGRA, gerade genug zu tun hat. Das neue Album und eine ausgedehnte Welttournee, die die Jungs im vergangenen Monat erst für einige Wochen nach Europa brachte, füllen seinen Terminkalender. Doch der Mann ist nicht zu bremsen. Mit ALMAH stellt er nun sein erstes Soloprojekt vor. Natürlich wollte ich wissen, wie er das alles unter einen Hut bringt, was wir zu erwarten haben und auch, warum die ANGRA Konzerte für Deutschland fast alle abgesagt wurden.
Die Tour zum letzten ANGRA Album "Temples Of Shadows" endete gerade erst im letzten Sommer. Im Herbst hast Du Dich bereits mit einem neuem Album von Angra zurück gemeldet, sowie neuer Tour und nun auch noch Dein neues Projekt ALMAH. Wie hast Du das alles geschafft?

Ich denke es ist ok, ich bin sehr organisiert. Ich habe alles so arrangiert, dass es keine Probleme gab. Es war cool. Ich hatte keine Probleme damit.

Warum habt Ihr eigentlich alle Deutschlandkonzerte bis auf Ingolstadt abgesagt?

Wir haben bereits des Öfteren in Deutschland gespielt, aber bei der letzten Tour, inkl. der "Temple Of Shadows" Tour, hatten wir nicht das Gefühl, dass es ein guter Zeitpunkt wäre in Deutschland zu spielen. Wir hatten nicht genug Werbung, um die Hallen zu füllen, um ehrlich zu sein. Darum haben wir und die Organisatoren uns entschlossen einige Konzerte in Europa abzusagen. Es macht keinen Sinn für uns nach Europa zu kommen und nur vor 100 Fans zu spielen. Es ist nicht gut für die Band, für unser Image und auch nicht für die Fans. Darum haben wir uns entschlossen, nur dort zu spielen, wo wir sicher waren, dass mindestens 500 Fans kommen werden. Natürlich möchten wir gerne in Deutschland spielen, wir wissen, dass wir viele Fans dort haben. Aber wir möchten auf dem richtigen Wege spielen, vielleicht als Opener für eine größere Band in Deutschland. Aber dieses Mal war es leider nicht möglich. Wir hoffen, dass wir bald live in Deutschland spielen können.

Lass uns zu ALMAH zurückkommen. Warum hast Du Dir gerade diesen Namen ausgesucht? Hat er eine besondere Bedeutung?

ALMAH ist ein hebräisches Wort, in der Bibel ist es ein sehr wichtiges Wort, es bedeutet "pur". Einige Wissenschaftler jedoch meinen, es bedeute genau das Gegenteil, es bedeute "böse, schlecht". Es hat also verschiedene Meinungen, was ich sehr interessante finde, insbesondere auch in Bezug auf die Songtexte. Ich habe mich entschlossen, sehr viel über menschliche Gefühle auf dem Album zu sprechen und da gibt es im Grunde genommen zwei: die Positiven und die Negativen. Es passt also genau. Des Weiteren hört sich das Wort ALMAH im portugiesischen und spanischen wie das Wort "Seele" an. Ich habe meine Seele in das Album eingebracht. Die Portugiesen und Spanier werden das einfacher verstehen.

Die Reaktionen zum Album sind wirklich gut, obwohl einige eine paar mehr Durchläufe brauchten, da die Songs alle sehr unterschiedlich sind und nicht unbedingt gleich im Gedächtnis haften bleiben. Wie siehst du das?

Ich wollte kein klischeehaftes Album machen, ein Metalalbum, auf dem alle Songs gleich klingen. Ich wollte verschiedene Elemente zeigen, viele gute Ideen, darum habe ich mich entschieden, ein sehr abwechslungsreiches Album zu machen. Der erste Song ist sehr heavy, der zweite ist sehr viel schneller aber melodischer, es gibt ein paar Balladen, Percussions, ich habe einen Gospelchor ans Ende gesetzt, ist gibt Orchesterarrangements. Es gibt so viele verschiedene Elemente. Ich denke, es macht das Album sehr viel interessanter. Das Album ist komplett frei von jeglichem Druck seitens des Marktes. Ich wollte kein Album machen, welches jetzt nur an Metalfans verkauft werden soll. Ich habe wirklich keine Rücksicht darauf genommen. Ich wollte nur Musik machen. Ich habe einfach das gemacht, was ich gefühlt habe. Die Songs sind sehr sensibel, sehr tiefgründig. Sie sind einfach im Vergleich zu Angra zum Beispiel, die Arrangements sind nicht zu kompliziert. Ich denke, gute Musik hängt nicht allein von schwierigen Passagen ab, um interessant zu sein. Die Songs sind sehr direkt, gehen gerade auf einen Punkt zu, sie sind modern. Als ich mich damals entschloss dieses Projekt zu machen war das Wichtigste jedoch für mich, dass die Musik im Vordergrund steht und nicht die Musiker. Darum hört sich dieses Album so an, darum sind alle Songs so unterschiedlich. Ich denke, die meisten verstehen das auch. Es ist sehr wichtig, dass das Album auch nach mehrmaligen Anhören noch interessant ist und man nicht gleich schon weiß, wie der nächste Song klingt.

Dies ist Dein erstes Soloprojekt. Wie war das Gefühl ein Songwriter, Musiker und Produzent zu sein?

Es war natürlich eine große Herausforderung für mich. Aber ich fühlte mich bereit dafür, da ich ja schon seit 15 Jahren komponiere. Ich habe ungefähr 100 Songs geschrieben, natürlich nicht alle veröffentlicht, aber ich habe viele geschrieben. Ich habe einfach gefühlt, dass es der richtige Moment für diese Herausforderung ist. Ich war bereit dafür, die Akustikgitarren aufzunehmen, die orchestralen Parts, Produzent zu sein und alles zu komponieren. Ich bin nicht nur ein professioneller Sänger, sondern auch Songwriter seit 15 Jahren. Ich wusste genau, was ich wollte und wie es laufen sollte. Natürlich habe ich noch sehr viel gelernt von den anderen Musikern, insbesondere von Emppu (Nightwish) , Lauri (Stratovarius) und Casey (Kamelot). Sie sind fantastisch und haben mir sehr geholfen. Ich denke jetzt bin ich noch besser als vorher.

Ich wusste gar nicht, dass Du auch Keyboard und Gitarre spielst?.

Ich denke, dass weiß fast keiner, da in Angra hauptsächlich Kiko und Rafael alles übernehmen. Sie sind die Besitzer der Band. Für mich ist es da sehr schwer, meine Kenntnisse wie Keyboard spielen, Akustikgitarre spielen usw. einzubringen. Ich bin dort der Sänger und nicht der Songwriter. Manchmal ist es schwierig, wenn ich eine Idee zeigen möchte oder spielen möchte auf dem Album. ALMAH war kein Egotrip für mich, es hat einfach Spaß gemacht mit Freunden zu spielen, die Möglichkeit meine Ideen zu verwirklichen, die Art wie ich etwas arrangieren möchte, spielen möchte. Ich habe 100% meiner Gefühle in dieses Album gesteckt und das war gut so.

Ist ALMAH ein Sideprojekt oder eine richtige Band für Dich?

Viele Menschen haben mich das gefragt und meinen, da ist eine Chance. Als wir mal ein Interview für Angra gegeben haben, wurde mir gesagt, dass ALMAH mehr nach einer Band klingen würde als Angra. (lacht). ALMAH ist natürlich ein Soloprojekt von mir, aber ich sehe es auch als Band. Natürlich ist es keine feste Band mit Emppu, Lauri und Casey, das ist nicht möglich. Sie sind alle sehr beschäftigt mit ihren anderen Bands. Aber nach meinem Gefühl ist es eine Band. Ich sehe es jetzt auch nicht als mein Soloprojekt. Ich habe zwar das meiste geschrieben, es war mein Konzept, aber jeder hat seine Ideen eingebracht, seine Gefühle. Daher ist es für mich eine Band, darum werde ich damit auch weiter machen. Ich werde wahrscheinlich Ende des Jahres das nächste Album aufnehmen.

Wie Du schon erwähnt hast, sind so bekannte Musiker wie Emppu Vuorinen (Nightwish), Lauri Porra (Stratovarius) und Casey Grillo (Kamelot) mit an Board. Ich denke, es wird schwierig werden live zu spielen, oder? Wirst Du mit anderen Musikern auf Tour gehen?

Ich bin schon dabei, einige Konzerte zu arrangieren. Erst einmal hier in Brasilien, dann in Japan Ende des Jahres und hoffentlich auch in Europa. Ich werde es versuchen. Es ist nicht unmöglich. Vielleicht mit anderen Musikern, wir werden sehen.

Und wo siehst du ALMAH in den nächsten 10 Jahren?

Für mich muss es weiterhin eine Freude sein und Spaß machen. Ich möchte nicht, dass ALMAH zu einer Band wird, die von einer Plattenfirma immer weiter getrieben wird, die Vorgaben erhält. Es soll weiterhin Spaß machen. Für mich sieht die Zukunft sehr gut aus. Ich habe sehr viele gute Reviews erhalten. Ich denke die meisten Menschen verstehen die Idee von ALMAH. Es ist ein guter Weg, ich sehe eine sehr gute und klare Zukunft für ALMAH.

Bitte beschreibe zum Abschluss, warum man sofort in den Plattenladen gehen sollte um die CD zu kaufen.

Zum einen natürlich um die CD zu hören, die neuen und frischen Momente in der Metal Szene. Sogar der Mix ist auf dem Album anders als bei den meisten Bands. Der Mix ist trockener, er geht direkt auf den Punkt zu. Ich habe auf viele Spuren und Gitarrensachen, große Chöre usw. verzichtet. Das Album ist purer Rock´N´Roll und Metal mit verschiedenen Ideen, nicht sehr kompliziert, aber sehr stark. Ich denke die Gesangsmelodien sind Ohrwürmer, ich denke es bringt die Leute dazu, sich gut zu fühlen, wenn sie die Songs hören. Das ist zumindest das Feedback, was ich bislang von vielen Fans erhalten habe aus Brasilien und Japan. (tennessee)

 
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Reviews
 
Almah
(am 09.03.2007 von do)
 
Interviews
 
vom 04.10.2008 (d)
(eingetragen von tennessee)
 
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