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02.04.2007 Funker Vogt
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Moin Jens, schön dass Du Zeit für mich hast. Man munkelt ja Ihr seid schon mitten im Studio- Umzugsstress?
Na, mitten drin ist nicht ganz richtig. Die Baupläne sind fertig und der Bauantrag ist raus, somit warten wir im Prinzip nur noch aufs Ok vom Amt und dann wird angefangen. Wir denken mal im Sommer ist alles fertig. Na, was sagst Du denn dazu, dass wir als Metal- Magazin uns für Euch interessieren? Ist das in Deinen Augen ein Kompliment oder eher Perlen vor die Säue werfen?Nee nee, das ist ja nicht das erste Mal. Beim letzten Album war es viel extremer und davor ja auch mal vereinzelt. Das ist natürlich immer positiv. Ich meine, aus der einen Ecke kennt man ja irgendwann auch alles, und so hat man vielleicht mal die Chance, sich fremden Leuten zu präsentieren oder auf sich aufmerksam zu machen. Vor allem weil die Metal- und die Elektroszene ja nicht unbedingt so gut miteinander harmonieren.Och, mittlerweile ist das aber auch nicht mehr so schlimm, in den letzten Jahren hat sich das bei uns relativ gewandelt. Wir haben durchaus mittlerweile so ein paar Langhaarige dabei, die Metalshirts tragen. Die dann sagen wir haben Euch mal gesehen oder eine Scheibe gehört, oder auch aufm Festival gesehen, und die kommen dann immer wieder. Kann es dann auch mal passieren, dass ihr aus Versehen Metal hört?Also Gerrit so gar nicht, der hört wirklich nur elektronische Musik. Ich hab früher, also vor FUNKER VOGT, nur Metal gehört. Das wurde dann immer weniger und jetzt tendiert es gegen null. Also was die neuen Sachen angeht. Wenn dann mal ´ne alte Scheibe, das ist ok, aber die ist dann sicherlich auch schon zehn Jahre alt. Vieles was danach kam hat mich auch nicht mehr interessiert. Also so die FEAR FACTORY- Zeit, so die Anfangszeit, oder MACHINE HEAD, das war noch ganz interessant, aber alles was danach kam hat mich nicht mehr interessiert. Es tut mir leid, ich muss jetzt einfach mit dem Thema kommen, aber es ist einfach so präsent bei Euch: der Krieg. Das ist natürlich immer ein aktuelles Thema und das wird auch nie anders sein, aber seid Ihr diese kriegsaffinen Themen nicht auch mal leid?Nö, warum? Es gibt doch jeden Tag Neuigkeiten, das Thema ist ja schier unendlich. Und dieses Kriegsthema ist ja auch relativ, ich umschreibe das ungern mit Krieg. Es geht ja um die negativen Seiten des Lebens. Das beinhaltet den Krieg, aber darüber schreiben wir nicht ausschließlich. Es ist eigentlich alles sehr fiktiv, etwas was man auf die heutige Zeit beziehen kann. Auf der einen Seite sind es Sachen, die ich um 20 Uhr in der Tagesschau sehen könnte, andererseits könnte ich mir auch ein Geschichtsbuch rausholen und es projizieren auf etwas, was vor 1000 Jahren passiert ist. Aber schlägt das nicht auch mal aufs Gemüt, wenn man sich nur mit den Abgründen beschäftigt?Nein, also man ist ja nun mit der Musik nicht so beschäftigt, dass ich das mit ins Bett nehme. Das ist ja überhaupt kein Problem so was. Das verarbeitet man ja privat auch. Und in so einem Song kommen eigentlich diese privaten Sachen eher raus. Das beschäftigt mich überhaupt nicht. Das heißt es wird nie ein FUNKER VOGT Album geben, in dem auch mal andere Themen verarbeitet werden?Das weiß man nicht, aber es ist sehr unwahrscheinlich, denn diese Thematik begleitet uns ja nun schon seit zwölf Jahren und ist nach wie vor aktueller denn je. Deshalb denke ich mal wird es immer ein Bestandteil sein. Also über Friede-Freude-Eierkuchen werden wir wahrscheinlich nie schreiben. Und wenn dann vielleicht mal ein Song und nie ein ganzes Album. Das überlassen wir den anderen, die sollen damit glücklich werden. Gut, das Thema ist ja eh allgegenwärtig. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass ihr nie wirklich konkret werdet. Ihr übt nie offen Kritik an einem Land, einer Person oder einem bestimmten Präsidenten. Zumindest habe ich von Euch noch nie eine politische Stellungnahme gehört.Das ist richtig, absolut. Von Beginn an lehnen wir das ab. Wir hatten zu Beginn unserer Karriere das eine oder andere Problemchen mit falschen Meinungen, die da verbreitet wurden, die sich da teilweise bei einigen manifestiert haben. Da sind wir sehr schnell zu dem Schluss gekommen, dass Politik oder eine Stellungnahme zu irgendjemandem in unserer Musik nichts zu suchen hat. Das soll jeder für sich privat machen, genau so wie wir uns darüber privat Gedanken machen und uns darüber unterhalten. Das soll auch privat bleiben, aber nicht bei FUNKER VOGT. Da soll der Song dazu dienen, sich Gedanken zu machen, in welche Richtung die gehen das lassen wir dem Hörer offen. Aber der Grundtenor ist schon immer gegen etwas Böses oder Negatives, das sollte man da schon raushören. Du sprachst eben Kritik an, die mal in die falsche Richtung gegangen ist. Meinst Du, dass Euch mal ein rechtes Image angelastet wurde?Ja, zum Beispiel. Das kam halt von einigen Seiten, ob das nun Unwissenheit war, oder ob das Bosheit war. Das hat sich im Laufe der Jahre auch relativiert, es ist heute ein sehr geringer Anteil, der uns diese Sachen noch vorwirft, und diese Leute haben in den letzten zehn Jahren auch nichts dazu gelernt. Und die sind uns dann auch relativ egal, auf die reagieren wir nicht mehr, das haben wir nicht mehr nötig. Wenn einer was wissen will und neu in dem Metier ist und irgendetwas nicht versteht, dann ist das ja kein Thema, aber von einigen Leuten kam halt aus purer Bosheit irgendwelche Unterstellungen. Sind das dann Leute, die nur Euer militärisches Image sehen und nichts anderes?Teilweise schon, aber das machen die dann ein Mal. Es gibt aber auch welche, die versuchen es immer wieder auf diese Art und Weise. Denen ist das durchaus bewusst, und da sind dann schätze ich mal persönliche Animositäten im Spiel. Ach so, ich hätte jetzt eher gedacht das sind Leute, die Euch sehen und denken, ach ja, das sind so einfältigen Jungs von der Bundeswehr die ein wenig rumposern müssen.Die sind dann überrascht, wenn sie sich das anhören. Die Erklärung haben wir ja auch schon tausend Mal abgegeben, von uns hat ja zum Beispiel nicht einer gedient. Wir haben keinen militärischen Hintergrund in der Band. Wie ist denn das privat, lauft Ihr da auch im Armystyle rum?Also, Gerit ist eigentlich so einer, der läuft fast immer in schwarzen Klamotten rum. Also ganz normal schwarzes Shirt oder schwarzen Pulli. Ich bin eher so der Jeans und Turnschuhträger, eigentlich eher sportlich. Aber das mach ich ja auch auf Konzerten. Also da zieh ich mich vor den Konzerten wenn ich durch den Saal eier auch nicht extra um und style mich extra auf Elektro oder schwarze Szene. Überhaupt nicht. Ich bin so wie ich bin und fertig. Auf der Bühne ist das ein Image was man verkörpert, da ist das eine andere Person und da muss natürlich Verkleidung und Kostümierung sein, aber das hat mit dem privaten Leben gar nichts zu tun. Wir sind da auch schon öfter nach gefragt worden und haben irgendwann mal aus Spaß gesagt: Natürlich hüpfen wir durch Schützengräben, wir haben uns ein Areal gekauft wo wir uns bekriegen und und und... Das ist auch eine Sache, da muss man gewaltige Unterschiede machen. Ihr seid ja sehr kreativ, was die Vernetzung mit Euren Fans angeht, ich sag nur Videobotschaften, extra CDs für Fans, Fan- Edit mp3s zum Download etc.. Sind das Eure eigenen Ideen?Ja klar, das sind unsere Ideen. Die Umsetzung muss natürlich mit der Plattenfirma abgesprochen sein, es gibt ja auch rechtliche Sachen zu beachten, aber die Ideen sind von uns. Wir haben unseren Fans ja immer sehr viele Veröffentlichungen "zugemutet". Es gibt natürlich sehr viele, die dann auch alle Versionen kaufen, da gibt es schon extreme Sammler und jetzt war es einfach mal an der Zeit, an die mal einen kleinen Bonus zurückgeben zu können. Wobei Ihr ja was die Veröffentlichungspolitik angeht sehr human seid, da gibt es ja ganz andere Bands, die einen mit X Versionen zuballern. Viele Maxis bringt ihr eigentlich nie raus, oder?Naja, also wir haben zu jedem Album mindestens eine gemacht, teilweise sogar zwei. Jetzt bei diesem Album haben wir uns für diesen Weg entschieden, das hat natürlich auch rein strategische Gründe. Wenn man so die Marktsituation anguckt sind Maxis einfach nicht mehr das Ding, mit dem eine Plattenfirma und alles was danach kommt Geld verdient. Heute ist es einfach nur eine Werbung für die Scheibe. Und da haben wir uns gedacht lassen wir es gleich weg und bieten den Club-Piloten exklusiv für die Leute an, die die Konzerte besuchen und die in dieser Zeit die Special Edition mit der DVD kaufen. Da wird dann ein Flyer drin sein, mit dem man dann die Maxi umsonst bei den Konzerten bekommt. Da ist dann in der CD extra ein Fach drin und im Prinzip ist das unser Dankeschön. Das hat wohl vorher auch noch keiner gehabt Gott sei dank. Man kann uns jetzt vorwerfen, ja, da wollen sie mehr Leute zu den Konzerten ziehen, aber das ist ja schlicht und ergreifend falsch, denn die Leute, die die Limited Edition kaufen sind eigentlich die Fans die wir haben und die sowieso zu den Konzerten kommen würden. Von daher ist es eh noch mal ein Bonus für die. Gut, dann lass uns mal über das neue Album sprechen. Nach dem Seemann kommt jetzt der Pilot. Gleich das Intro überrascht ja schon.Ja, das Intro ist ja eigentlich ein Song. Normalerweise hatten wir ja immer ein Intro, aber dieses Mal haben wir gesagt wir machen die Minute fünfzig als Song. Zumindest kann man es als Song werten und es gilt im Prinzip als Einleitung für das was kommt. "Welcome To Destruction", das sollte eigentlich das aussagen, was den Hörer danach erwartet. Was ist denn das Neue und Besonderes an "Aviator"? Ich finde ja es ist ganz schön schnell.Ja neu... Neu ist eigentlich alles. Man kann die Alben ja mittlerweile gar nicht miteinander vergleichen, es gibt immer gewaltige Unterschiede. Wir haben den FUNKER VOGT Stil, das ist ganz klar. Das kann man uns vorwerfen, wir sind stolz drauf, dass wir jederzeit wieder erkannt werden. Wenn wir jedes Mal ein Album machen würden und bei Null anfangen, im Endeffekt beißt sich dann doch die Katze in den Schwanz. Es ist sehr viel neue Technik dabei, also das Studio wurde komplett neu aufgerüstet, auf allen Ebenen ist im Prinzip alles selber gemacht, alle Samples selber gemacht und nicht irgendwo mal runter geladen. Alles ist auf eigenem Mist gewachsen. Wir haben am Gesang viel gearbeitet, es sind sehr viele Dopplungen drin und in der Fläche viel breiter. Es ist im Endeffekt mal wieder ein sehr aggressives Album geworden. Wobei Schnelligkeit... Für mich persönlich ist es im Midtempobereich, vielleicht ein zwei Songs, die schnell wirken, alles andere ist eher kraftvoll. Auf "Navigator" gab es ja eine Menge Gitarren, die dann auf "Aviator" ganz verschwunden sind, während der Sound hier etwas technoider rüber kommt, ich denke da zum Beispiel an "One". War die Resonanz auf die Gitarren nicht gut? Ich dachte immer die sind voll eingeschlagen.Doch doch, die Resonanz war gut. Der "Navigator" war ein Album was ausdrückt "wo stehen wir jetzt", "was machen wir jetzt", "in welche Richtung gehen wir". Wenn da jemand gesagt hätte, dass wir dieses Album, also "Aviator", jetzt so veröffentlichen hätten wir fast alle mit dem Kopf geschüttelt. Aber direkt im Anschluss an die Veröffentlichung von "Navigator" wieder angefangen neue Songs zu schreiben, und das hat sich sehr schnell wieder in die reine Elektroecke entwickelt, im Prinzip wieder back to the roots, ohne altbacken zu wirken, also im Prinzip immer mit ganz neuen Sachen. Die Gitarre, ja... wir haben sie einfach nicht vermisst. Wenn wir irgendwelche Stellen gehabt hätten, wo wir gedacht hätten ok, hier könnten wir die Gitarre einbauen, hätten wir das sicher auch gemacht. Aber es stand irgendwie nie zur Debatte. Ist "Aviator" denn überhaupt wieder ein Konzeptalbum?Nein. Gut, vielleicht ein Konzeptalbum als solches, dass es "Aviator" heißt und vom Booklet darauf aufgebaut ist, aber von der Art der Songs nicht. Gibt es denn von der Aussage her etwas, was Dir besonders am Herzen liegt, von dem Du Dir wünschst, dass es Deine Fans von "Aviator" mitnehmen?Hm, gut, man muss natürlich abwarten wie die Fans reagieren, aber ich denke mal, dass es das erste Album sein könnte, zu dem man sowohl richtig laut im Club abzappeln kann aber andererseits auch zu Hause alleine in einer ruhigen Stunde anhören kann und vielleicht ganz andere Sachen daraus ziehen kann, ohne seinen Körper dabei zu bewegen. Also es ist sowohl was für den Kopf als auch für den Körper. Mir persönlich gefällt "Thanatophobia" ziemlich gut, weil es so angenehm schräg ist.Echt? Das findest Du schräg? Ja, auf jeden Fall, das geht so ein Bisschen gegen den Strich, womit es irgendwie raus sticht. Da geht es um die Angst zu sterben. Kennst Du das aus eigener Erfahrung?Ich denke mal das ist jedem bekannt, dass man in eine Situation kommt wo man Angst hat oder sich Gedanken macht über den Tod, da kann sich ja keiner von frei sprechen. Und das finde ich auch ganz wichtig. Mit dem Song beschreiben wir natürlich eine Extremsituation, dass es zu einer Krankheit oder Phobie wird, wo den Leuten geholfen werden muss, man es aber vielleicht gar nicht mehr kann, weil sie dann vielleicht schon eine Schwelle übertreten haben, wo sie mit dem Leben nichts mehr zu tun haben und überhaupt nicht mehr klar kommen. Aber diesen Gedanken um Leben und Tod, den machen wir uns sicherlich häufiger. Aber genau wie jeder andere auch. Der Song "Paralyzed" taucht ja auch in dem PC Spiel "Grabenkrieg in Europa" auf. Seid ihr selber auch Zocker?Also ich weniger, aber Gerrit ist ein richtiger Zocker. Aber in dem Spiel handelt es sich um eine Rohversion, also falls du das gehört hast, die Version auf dem Album ist komplett anders. Das war auch einfach so ein Gimmick. Für mich sind "Blind Rage" und "Babylon" die Songs, die das treffen was ich von Euch erwartet habe. Gibt es für Dich einen der zwölf Songs, von dem Du sagst, der ist es?Das ändert sich im Laufe der Produktion, bzw. in den eineinhalb Jahren immer mal wieder. Da kommt immer mal wieder ein Song, von dem Du sagst, das ist er. Wie wir es beim Club-Piloten, also bei der "Maxi", sehen bei "City Of Darkness". Das ist ein sehr eingängiger, voller Song, ein sehr tanzbarer Song, der FUNKER VOGT für die Allgemeinheit repräsentiert. Das war eine Zeit lang mein absoluter Lieblingssong. Danach kam von "Child Soldier" eine Clubversion, das ist momentan mein absolutes Highlight. Der ist richtig krachig. Balladeske Stücke hingegen sind dieses Mal nicht so Euer Ding.Och naja, "Frozen In Time" könnte man ja fast als Ballade bezeichnen, wenn man´s möchte. Der ist sehr sehr ruhig, aber dann von der Machart her sehr aggressiv, insofern kann man ihn als Ballade eigentlich auch schon wieder ausschließen. Naja, und einen deutschen Song sucht man auch vergebens.Richtig, deutsche Songs hatten wir dieses Mal keine, muss man ja auch nicht jedes Mal machen. Dieses Mal gab es einfach keinen der gepasst hätte, den wir hätten machen wollen. Das muss aber nicht heißen, dass wir das nie wieder machen, ich schätze das kommt demnächst auch wieder. Letztes Mal hattet Ihr dann ja noch zwei Ausreißer, "Für Dich" und "Vorwärts", mein Lieblingshit von "Navigator".Ja, das glaub ich Dir, wenn man Gitarrenmusik hört liegt das ja auf der Hand. So einen Ausreißer gibt es auf dem neuen Album aber auch nicht wirklich.Nee, dieses Mal ist es einfach eine runde Sache. Wie gesagt, "Navigator" war eher so ein Probelauf, was machen wir jetzt. Uns hat das alles gefallen was wir gemacht haben, aber es war halt keine Einheit. Da waren zu viele verschiedene Sachen drauf. Trotzdem spielen wir "Vorwärts" nach wie vor noch, weil wir diesen Song immer noch total mögen. Der hat so ein Bisschen gespalten, manche wollen den auch immer hören, und manche so von der ganz extremen Hardcorefraktion sagen "Oh, das ist ja schon fast kein Elektro mehr". Aber gut, wir haben ja auch keinen Vertrag unterschrieben, wo drin steht wir machen Elektro, oder wir müssen Elektro machen. Bei den neuen Sachen, die wir ja auch live präsentieren werden, spielen ja die Gitarren auch wieder eine Rolle, und da könnte es durchaus sein, dass das dann wieder andere Leute anspricht, die dann sagen, das passt ja live richtig gut dazu. Das Epos über den tragischen Helden wird auch nicht fortgesetzt?Nö, eigentlich nicht. Obwohl, den "Tragic Hero" kann man ja überall rausziehen. Das ist auch nie beabsichtig gewesen, aber wenn man Texte schreibt hat sich das so entwickelt, und dann hat man eine Vorgabe und es bietet sich an vielleicht diese Thematik fortzusetzen. Aber ich glaube der Junge ist noch nicht tot, da spricht nichts dagegen den irgendwann wieder aufleben zu lassen. Ist der Videoclip zu "Fallen Hero" eigentlich jemals irgendwo gespielt worden?Ja, klar, der lief VIVA ein paar Mal gelaufen. Das ging, in Deutschland ist er nur vereinzelt gelaufen, aber in den Balkanländern ist war der richtig in der Rotation, da lief das richtig ordentlich. Kommt man als Elektroband nicht irgendwann mal an den Punkt, an dem alles schon mal gemacht wurde? Ist nicht irgendwann der Pool leer?Der Pool kann gar nicht leer sein, weil alleine die Technik das nicht zulässt. Wir hatten vor ein paar Wochen im Studio zwei Kollegen, die im Prinzip auch unvorbelastet an die Sache gegangen sind, aber doch im Hinterkopf gehabt haben: na gut, das ist halt Elektro, Computer anmachen, drei Tasten drücken und die Musik ist fertig. Die haben auch ganz schön gestaunt was da an Arbeit und Möglichkeiten drin steckt. Man kann immer etwas Neues machen, das ist überhaupt kein Thema. Das ist ja im Gitarrenbereich auch nicht anders, da würde ich auch sagen da ist jedes Stück schon mal gespielt worden. Und trotzdem kommen immer wieder Bands auf, wo du sagst: hey, das ist was Neues, das ist cool gemacht. Da habe ich keine Angst vor, dass da nichts mehr kommt. Das kann höchstens als Band passieren, aber als Musiker, wenn man kreativ sein will und sich weiter entwickelt sehe ich da überhaupt kein Problem. Ein FUNKER VOGT Song entsteht dann aber komplett am Rechner.Ja, mittlerweile wird bei uns kein Synthieziser mehr benutzt. Das läuft alles über Plugins, auf die man leicht zugreifen kann und den Überblick hat. Aber man sollte den Aufwand, den man da betreibt nicht unterschätzen! Also, ich behaupte, dass eine Nummer, die hausgemacht ist mit Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang nur eine minimale Zeit davon dauert. Hörst Du Dir dann die Musik von Kollegen an und denkst: ach ja, das hier ist Plugin xy und das da kenn ich doch auch?Naja, es gibt ja täglich neue Sachen, das ist wie mit Computerspielen. Früher waren es halt die Synthieziser wo immer was Neues raus kam, und jetzt ist es mit den Plugins genau so. Die meisten Musiker benutzen diese Plugins. Und dann gibt es Kleinigkeiten oder Feinheiten, die hat nur der eine oder der andere. Ist ja auch immer eine Geldfrage, was kann man sich zulegen, was kann man sich leisten, die Anschaffungskosten sind da enorm. Wie erklärst Du Dir denn eigentlich den relativ großen Erfolg, den Ihr in Amerika habt?Das liegt an der gute Musik [lacht]. Als wir angefangen haben, also zu Beginn unserer Karriere wurde die aufmerksam durch unseren Namen. Ein deutscher Name, das hörte sich cool an für die, teilweise ein deutscher Text dabei, dann das Militäroutfit, relativ krasse Musik, da drauf stehen die da drüben ja eh drauf. Dann sind wir natürlich relativ schnell da rüber gegangen. Und seitdem haben wir da drüben auch eine Fanbase, die hat sich über die Jahre entwickelt und das finde ich super so. Hat man es denn in Amerika einfacher als hier?Ach nö, was heißt einfacher, man hat es in Deutschland ja auch nicht schwer. Man muss sich immer mit irgendwas rumschlagen was nicht so schön ist, aber ich denke so ist das Leben, es gibt Schlimmeres. Ich als Hamburgerin muss natürlich fragen und auch schimpfen, warum kommt Ihr denn schon wieder nicht bei uns vorbei mit Eurer Tour?Da musst Du die Hamburger Veranstalter mal fragen. Früher waren wir ja relativ oft in Hamburg, eigentlich bei jeder Tour, warum das jetzt so nicht gepasst hat kann natürlich auch terminliche Gründe gehabt haben, weil wir ja nur zwei Wochen Zeit hatten. Das sollte ja eigentlich auch nur eine Promotour werden, die dann nach den Sommerfestivals fortgesetzt wird. Ob das jetzt nur Konzerte in Deutschland sind steht in den Sternen. Aber wir werden auf jeden Fall noch ins Ausland gehen, europäisches Ausland, vielleicht sogar Südamerika, eine DVD ist geplant, Du siehst der Terminkalender ist voll. Aber ich würde natürlich auch gerne mal wieder in Hamburg spielen, das hat immer Spaß gemacht. Wo Du gerade die Festivals ansprichst, was ist denn dieses Jahr geplant?Nur das Amphifestival in Köln steht bisher an. Das M´era Luna ist immer im Zweijahresrhythmus dran, da haben wir ja letztes Jahr erst gespielt. Und ganz viele andere Sachen, das Woodstage z.B., da sind wir glaube ich mit den Veranstaltern nicht so grün, oder die mit uns, wir haben ja keine Probleme mit niemandem, aber das ist wie ich eben gesagt habe, es gibt einige Leute die mit uns Probleme haben. Aber das ist auch relativ egal, dann gehen wir halt als Gäste auf das ein oder andere Festival. Ja, schönes Stichwort, letztes Jahr auf dem M´era Luna habe ich Euch gesehen, da war ja Flagge zeigen ganz in, auch Du hast da eine Deutschlandflagge geschwungen. Lag das an der WM oder wolltest Du provozieren und polarisieren?Na ja gut, als Fußballfans? Ich bin ja da runter ins Publikum gegangen, und von dem ich die Flagge bekommen habe das war ein alter Bekannter, vom ersten Tag an FUNKER VOGT Fan, und er hat mir die Flagge umgehängt. Für mich spricht oder sprach auch nichts dagegen, das Ding mit auf die Bühne zu nehmen. Was wäre daran provokativ, die Flagge meines Vaterlandes auf der Bühne zu zeigen? Daran sehe ich nichts Negatives, überhaupt nicht. Und natürlich im Zusammenhang mit der Euphorie der Fußball-WM eigentlich sogar etwas Positives. Das lass ich dann mal als Schlusswort stehen. Vielleicht noch eine Frage, wie würde für Dich das perfekte Interview aussehen?Haha, oh Gott, das weiß ich nicht. Hmmm, man könnte sagen bei 30° irgendwo in der Karibik, vielleicht reicht auch schon ein Whirlpool, ne nette Interviewpartnerin die hübsch aussieht, nettes Ambiente, nette Musik, im Prinzip nette Leute einfach nur drum rum, einfach Spaß haben, locker und frei raus. Das klingt fein. Dann sage ich vielen Dank und viel Erfolg weiterhin.Dankeschön. (sk) |
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