Konzertbericht

Guns ’N Roses, Bullet For My Valentine – New York, Hammerstein Ballroom, 15.05.2006


Seinen Geburtstag in New York zu feiern, ist ja prinzipiell schon mal nicht schlecht. Wenn dann zur Feier des Tages auch noch GUNS ’N ROSES zum Tanze aufspielen, ist die Party perfekt. Doch vor den Spaß haben die Götter die Arbeit gestellt - und die hat es in sich...

Schließlich gilt es zunächst Mal, sich schleunigst Karten zu sichern für dieses Mega-Event. Und obwohl Axl & Co. zu den ursprünglich anberaumten zwei Gigs noch zwei weitere dazu gepackt haben, ist bei den offiziellen Vorverkaufsstellen nach kürzester Zeit bereits nichts mehr zu bekommen. Da sich die Preise der Zwischenhändler zwischen 100 und 460 Dollar bewegen, heißt es also bluten.

Die Schlange vor dem "Hammerstein Ballroom" - einem Hundert Jahre alten Theater-Schmuckstück - ist über drei Blocks lang, und ich bin nicht der einzige, der sich besorgt die Frage stellt, ob Sir Axl sich heute tatsächlich zeigen wird. Immerhin liegt zwischen der heutigen Show und dem gestrigen Auftritt kein Day Off, und man kennt ja seine Pappenheimer...

Endlich durch die Kontrollen eröffnet sich ein Anblick, der sonst eher Opernfreunden zuteil wird, weniger Anhängern härterer Klänge: Der Hammerstein Ballroom ist sprichwörtlich eine wahre "Rock-Oper" mit vier Stockwerken seitlicher Balkone, zwei bestuhlten Tribünen im hinteren Bereich und einem großen Innenraum, der zu meiner Erleichterung nicht bestuhlt ist.

Mit meiner Erleichterung über das Fehlen jeglicher Sitzgelegenheiten hat sich’s allerdings recht schnell, denn nachdem der Opener BULLET FOR MY VALENTINE seinen Gig beendet hat, lässt man uns geschlagene zweieinhalb Stunden(!) stehen, ohne, dass sich auf der Bühne währenddessen auch nur der Hauch von Aktivität zeigen würde. Diese bodenlose Frechheit - jede andere Formulierung wäre unnötig beschönigend - lässt die gute Stimmung absacken, die die Waliser Krachtruppe um Frontsau Matt Tuck zumindest bei mir aufgebaut hatten. Der größere Teil der anwesenden Musikfreunde kann mit dem Riffgewitter eher wenig anfangen. Zugegeben, eine gewagte Wahl, die Waliser Dampfwalze einem New Yorker Hardrock-Publikum als Opener zu servieren. Dennoch erstaunlich, welchen Weg die Jungs gemacht haben - vor gerade mal sechs Monaten hab ich das Quartett noch in einem kleinen Manhattaner Club vor 100 Leuten spielen sehen...

Als um halb zwölf endlich GUNS ’N ROSES die Bühne betreten, ist der Teufel los. Und das, obwohl von der Urbesetzung lediglich noch Sänger Axl Rose dabei ist. Die meisten der rund 4.000 Anwesenden scheint das allerdings wenig zu stören. Und so feiert ein sichtlich agiler Axl Rose zusammen mit einem Publikum, das ihm - vermutlich eine Mischung aus Begeisterung und Erleichterung, dass er tatsächlich gekommen ist - aus der Hand frisst, einen Abend voller unvergesslicher Hits, denn natürlich liegt der Schwerpunkt auf dem Best-Of-Programm der (schon viel zu lange) vergangenen Jahre. Und so rastet man kollektiv zu Evergreens der Kategorie "Welcome To The Jungle", "Knocking On Heaven’s Door", "November Rain" oder "Sweet Child O’ Mine" aus, während die neun Songs vom irgendwann vielleicht doch noch mal erscheinenden Album "Chinese Democray" interessiert, aber naturgemäß eher zurückhaltend aufgenommen werden. Mich kann beim ersten Hören davon nur ein Songs auf Anhieb überzeugen. Warten wir’s ab.

Da Shows in New York immer für eine Überraschung gut sind, kommt man auch diesmal nicht ohne Einlage aus - Sebastian "Skid Row" Bach steigt für "My Michelle" auf die Bühne (bei der Abschluss-Show zwei Tage drauf werden es sogar ein sichtlich bewegter Izzy Stradlin zu "Think About You", "Patience" und "Nightrain" sowie Kid Rock sein!) und liefert einen ordentlichen Job ab. Das ganze Spektakel findet gegen halb zwei nachts mit dem göttlichen "Paradise City" sowie einem amtlichen Konfettiregen sein Ende - und ich bin trotz aller Begeisterung über eine gelungene Performance nach ca. sechs Stunden Dauerstehens wirklich dankbar dafür.

Was bleibt, sind unterschiedliche Eindrücke. Einerseits war es ein Highlight, den Mann in guter Verfassung mal live gesehen zu haben. Zwei Stunden Spielzeit sind ebenfalls sehr ordentlich, Lightshow und Sound waren zudem superb, sieht man mal von leichten Anfangsschwierigkeiten ab. Überraschend zudem, dass sich die rote Rastalocke bei den Ansagen freundlich-entspannt und während der Songs konzentriert und fit darstellte und somit deutlich Sympathiepunkte verbuchen konnte.

Zur Kehrseite der Medaille: Die bereits erwähnte Wartezeit hätte noch locker noch für eine weitere Band gereicht. Ob es wirklich sein muss, mit drei(!) Gitarristen und zwei(!) Keyboardern aufzutreten, bezweifele ich schwer, zumal man a) ohnehin maximal zwei Sechssaiter gleichzeitig gehört hat und b) einer der beiden Tastenheinis (Effektmann Chris Pitman) strunzendicke war und offensichtlich kaum gespielt hat. Dass jeder der drei Saitenhexer seine Qualitäten hat, steht dabei außer Frage und konnte bei den an sich überflüssigen Solopassagen zudem belegt werden.

Einer dieser drei Gitarristen, Richard Fortus, ist der Nachbar meines US-Arbeitskollegen. Er erzählte unlängst, Axl sei einfach ein Kontrollfreak, der sich schwer entscheiden kann - was jetzt zwar keine unbedingt neue Erkenntnis darstellt, aber zumindest den Ansatz einer Erklärung liefert.

Bei den ersten Shows nach über drei Jahren dabei gewesen zu sein, war jedenfalls ein besonderes Erlebnis - die Jungs scheinen gerüstet für Ihre Welttournee, die sie in diesem Sommer durch ganz Europa und auch in unsere Breitengrade führen wird. Ihr könnt Euch auf einen ordentlichen Festival-Sommer mit einem dann hoffentlich genauso gut aufgelegten Axl Rose freuen!

Setlist G’N R - NYC, 15.05.2006:

Jungle,
Easy,
Brownstone,
Live And Let Die,
Bumble/Knocking,
Better,
Sweet Child,
Rocket Queen,
My Michelle,
Madagascar,
You Could Be Mine,
November Rain,
IRS,
Nightrain, Patience, Chinese Democracy,
(Band Introduction),
Robin/Paradise City.

GUNS N´ ROSES 2006 touring lineup:
Axl Rose - Vocals
Robin Finck - Guitar
Ron Thal - Guitar
Richard Fortus - Guitar
Tommy Stinson - Bass
Dizzy Reed - Keyboards
Chris Pittman - Keyboards
Brian "Brain" Mantia - Drums

(heavy)

 
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