Konzertbericht

Queensryche, Listening Session, 19.01.2006

Für Traditionalisten scheinen dieser Tage Weihnachten und Ostern zusammen zu fallen, kommen nach Helloween, die ihre Keepers-Saga zuletzt recht ordentlich ins neue Jahrtausend führten, nun auch QUEENSRYCHE mit der Fortsetzung ihres Endachtziger-Meisterwerks um die Ecke. Die Ankündigung der Männer aus Seattle, den eigenen Metal-Meilenstein "Operation Mindcrime" fortsetzen zu wollen, ließ letztes Jahr die Erwartungshaltung hunderttausender Hartwurst-Aficionados in luftige Höhen schnellen - und das völlig zurecht. Schließlich haben sich QUEENSRYCHE die Messlatte nach zuletzt reichlich durchwachsenen Veröffentlichungen nun selbst auf eine beachtliche Höhe gelegt - wenn man eine Platte ohne Not "Operation Mindcrime 2" nennt, dann muss das Resultat wahrlich sehr hohen Ansprüchen genügen. Ob das in dieser Form auch tatsächlich umgesetzt wurde, versuchte Metal-Inside an einem regnerischen Januartag in Köln in Erfahrung zu bringen...

Da im Vorfeld leider keine Promos verschickt wurden, liegt die Herausforderung darin, sich einen möglichst umfassenden Eindruck im Laufe nur eines einzigen Durchgangs zu verschaffen. Mehr als eine Stunde am iPod des Vertreters der Plattenfirma ist im Vorfeld des kurzen Interviews zeitlich nicht drin. So können die folgenden Ausführungen dem Album sicher nicht gerecht werden, denn dass die einzelnen Tracks teilweise ziemliche "Grower" sind, steht außer Frage.

Nach dem Intro "Freiheit Overtüre" und dem ersten Soundclip folgt mit "I’m American" der eigentliche Opener. Der schnelle und einfach strukturierte Song ist die erste Single für den US-Markt und kommt in seiner eingängigen Art mit einer überraschend starken Maiden-Schlagseite ums Eck. Das anschließende "One Foot In Hell" braucht mit seiner anfänglichen Kantigkeit etwas, ehe dann im harmonischeren Mittelteil überzeugt werden kann.

"Hostage" beginnt ziemlich ruhig, mit Akustik-Gitarren untermalt, bevor es im Laufe des Songs immer weiter wächst. Das hit-verdächtige "The Hands" dagegen ist der offensichtliche Single-Kandidat No. 1 und wird konsequenterweise auch für den europäischen Markt ausgekoppelt werden. Das Stück erinnert durch die groovenden Rhythmusgitarren und die typischen Queensryche-Chöre stark an vergangene "Empire"-Glanztaten!
"Speed Of Light" ist wider erwarten kein Doublebass-Kracher, sondern ein eher an Led Zep angelehnter Midtemposong. Dieser 70ies-vibe wird auch auf "Signs Say Go" weitergeführt, wenn auch weniger harmonisch, insgesamt wohl einfach ’metallischer’.
Das folgende "Re-Arrange You" beginnt mit stimmigen Orchester-Elementen und baut sich schnell zu einem melodisch-harmonischen Headbanger auf. Sicher einer der stärksten Tracks der Scheibe.
Im interessanten "The Chase" stehen der düstere Gesang und die treibenden Drums im Vordergrund, während das coole "Murderer?" mit seinen abwechselnd einsetzenden elektronischen Elementen und Doublebassparts die innere Zerrissenheit des Hauptcharakters Nikki zu vertonen scheinen.

Nach dem kurzen Zwischenteil "Circles" folgen noch "If I Could Change It All", "An International Confrontation" und das düstere "A Junkie’s Blues", bevor beim melodiösen "Fear City Slide" das ausgeprägte Zusammenspiel der beiden Gitarristen auffällig im Vordergrund steht.
Die abschließende Ballade "All The Promises" scheint mir nach dieser aufregenden Stimmungs-Achterbahn ein sorgfältig gewählter Schlusspunkt zu sein. Das musikalische Durchatmen nach einer anstrengenden Reise.

Fazit: Wie beim Testschnüffeln in einer Parfümerie, wo man nach dem dritten Duft nichts mehr auseinander halten kann, so ist es auch hier ausgesprochen schwer, ein fundiertes Urteil zu fällen, nachdem die Songs nur einmal gehört werden konnten und sich gegen Ende ein leichter Informationsüberfluss einstellte. Immerhin kann festgestellt werden, dass "Operation Mindcrime 2" unverkennbare Queensryche-Elemente aus der Vergangenheit aufweist und mit seinen Vorgängern musikalisch kaum etwas gemein hat. Alleine diese Erkenntnis wird bei einigen Fans sicher schon für Leuchten in den Augen sorgen - wobei ich allerdings betone, dass die unwiderstehlichen Trommelfellschmeichler vergangener Tag nach wie vor eher rar gesät scheinen.

Freuen wir uns einfach auf den 31. März 2006 und geben der neuen "Operation Mindcrime 2" dann die reelle Chance, sprich: die nötigen Durchläufe, die sie zweifellos verdient hat.

(heavy)

 
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Geoff Tate (Queensryche) mit Oliver Hellbach (Redaktion)
 

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