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Bischofswerda, klirrende Kälte, die Frisur ist hin. Nachdem unsere beiden Fahrer, die witziger Weise beide Steve heißen, ca. eine Stunde die Venue gesucht haben, fallen wir wieder gegen 14:00Uhr aus den Betten. Nach einem wirklich leckeren Frühstück (dickes Lob an die Leute vom East Club!) machen wir es uns Backstage vor dem Fernseher gemütlich und schauen MTV. Die vergangenen Tage haben deutliche Spuren hinterlassen, so bringt Vibeke keinen Ton heraus und auch alle anderen leiden irgendwie an Ermüdungserscheinungen.
Müdigkeit scheint für die Crew ein Fremdwort zu sein und während die Musiker-Front Backstage vor sich hin schwächelt, bauen die Technik-Jungs schon kräftig auf und Luc macht sich mit der etwas eigentümlichen Anlage vertraut. Er wirkt nicht gerade optimistisch, was die Qualität der PA angeht und prophezeit mir einen miesen Sound.
Beim Tristania-Soundcheck bin ich dann jedoch mehr als positiv überrascht, klingt doch alles recht klar und fett. Der Abend verläuft enttäuschend unspektakulär für alle Bands. Das Publikum macht keine Anstalten, sich zu bewegen und als MDDER MORTEM starten, steht man weiter hinten zwar dicht an dicht, doch vor der Bühne sieht man nichts als gähnende Leere. Obwohl Agnete wiederholt zum Aufrücken animiert, ändert sich an der Situation nicht wirklich viel. Schade, denn die Band gibt alles.
Bei VINTERSORG füllen sich auch die Reihen direkt vor der Bühne und nach den Songs kann ich sogar Applaus zu vernehmen. Ganz klar kommen die Gewinner dieses Abends erneut aus Schweden. Bei Rotting Christ lichten sich die Reihen, aber die Stimmung geht zumindest in Ordnung. Über den Sound kann entgegen allen Vermutungen niemand meckern und die Griechen liefern erneut eine gelungene Show ab.
Als TRISTANIA zum Tanz bitten, hat das Auditorium schon wieder deutlich an Volumen verloren, zwar werden die Reaktionen der kleinen Gemeinde von Song zu Song besser, aber in letzter Konsequenz kommt nicht wirklich viel. Auch der Band merkt man an, daß sie an der Situation zu knabbern hat und so läßt man heute sogar die Zugabe weg.
Am Merchandise-Stand ereilt mich derweil ein mittelmäßiger Schock, steht mir doch ein Herr mit "Absurd"-Shirt gegenüber. Nicht genug, daß irgendwelche Gehirn-Nihilisten gewisse Proberaum-Aufnahmen als Kultobjekte vertickern, nein, nun werden auch noch aufwendige Shirts gedruckt auf denen man dann lesen kann:"...und wir alle glauben, Deutschland, an Dich!" Wunderbar! Ich laß mir ´n Hitler-Shirt drucken, der hat bestimmt auch mal gesungen. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel! Nachdem ich ausgiebig gekotzt habe, ist auch schon Abfahrt angesagt, denn bis Trier sind es einige hundert Kilometer und unsere Busse sind nicht die schnellsten.
Nach kurzem Zwischenstop an der nächsten Tanke geht es dann an das letzte lustige Beisammensein dieser Tour für mich. Tristania beschließen, daß wir in einem Bus voller Homosexueller sitzen, kombinieren diese Feststellung mit dem "Short-Guy" aus Hamburg und somit steht das Motto der kommenden Wochen fest: "Probably the shortest gay-tour in the whole wide world". Am nächsten Tag verlasse ich die Tour in Trier und mache mich traurig auf meinen langen Heimweg nach Hamburg. Drei großartige Tage mit großartigen Leuten!
(cs)
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