Europe - Köln, Live Music Hall, 28.10.2004 |
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Ein Livebericht von EUROPE im Metal-Inside, geht’s noch? Und wie!
Das letzte Studioalbum der Schweden ("Prisoners In Paradise", 1991) enthielt zwar noch einige wirklich erwähnenswerte Stadionrock-Perlen, doch Tempest & Co. gehörten zu diesem Zeitpunkt längst zu den prominentesten Opfern der langsam aber heftig aufkeimenden und alles verschlingenden fleischfressenden Pflanze namens Grunge. Seither sind EUROPE in der Versenkung verschwunden, und jedem, der auf die Band angesprochen wird, kommt nur noch "The Final Countdown" bzw. der ewige Schmachtfetzen "Carrie" in den akustische Wiedervorlage - mehr nicht. Jetzt meldet sich das Quintett also zurück - und das erfreulicher weise in kompletter Original-Besetzung. Also keine alberne "Ein-Ur-Mitglied-mit-vier-Neuen-Re-Union" - sogar John Norum ist an die Sechssaitige zurück gekehrt. Mit dem neuen, erfrischenden Album "Start From The Dark" wollen’s die Schweden offenbar noch mal richtig wissen, und so bot man bereits im Sommer einen furiosen Auftritt beim "Sweden Rock"-Festival. Den daraus resultierenden Vorschuss-Loorbeeren folgen an diesem Oktober-Abend eine ganze Menge Ü-30-Rocker, so dass die Live Music Hall erfreulicher weise sehr gut gefüllt ist - erst recht, wenn man berücksichtigt, dass diese Art von Musik seit Jahren unverständlicher weise nur eine Hand voll Unentwegte an die Konzertkassen zu locken vermag. Live blasen die fünf Nordmänner von den ersten Noten an einen Sound durch den Club, wie ihn das ehrenwerte Kölner Gemäuer wohl lange Zeit nicht mehr erlebt haben dürfte: Drums, Gitarren, Keyboards und vor allem Bass sind glasklar, wohl akzentuiert und stimmig zu vernehmen, und über allem thront die samtweiche Stimme von Joey Tempest, der mir an diesem Abend ganze sechs mal eine Gänsehaut vom Feinsten verpasst. Überhaupt ist es im Wesentlichen am Frontmann gelegen, die anwesenden Musikfreunde zum Mitgehen zu bewegen, denn der Rest der Band verharrt konstant auf den jeweiligen Positionen und bringt wenig optische Abwechslung ins Spiel. Nichts jedoch, was Joey Tempest irritieren könnte, hat er uns doch vom ersten Moment an (u.a. mit Ansagen auf Kölsch!) im Griff. Das Publikum dankt es entsprechend und ist begeistert ob der routinierten und hochklassigen musikalischen Darbietung - selbst drei vermeintliche "Klippen" werden gekonnt umschifft bzw. in die Luft gesprengt: "Carrie" interpretiert Mr. Tempest alleine und nur mit einer Akustik-Klampfe bewaffnet ausgesprochen klischeebefreit, und "Cherokee" sowie "The Final Countdown" als letzte Songs bringen die Halle sogar zum kollektiven Ausrasten. (Wenn da mal nicht ein Haufen Typen dabei waren, die das ihren besten Freunden im Leben nicht erzählen werden: "Ich? Zu "Cherokee" abgegangen? Ach Quatsch, im Leben nicht!") Erwähnenswert und beachtlich: EUROPE spielen neben den unvergesslichen Klassikern der eigenen Geschichte einen großen Teil ihrer aktuellen Scheibe, was dokumentiert, wie selbstbewusst die Band 2004 an die Re-Union heran geht. Offenbar wollen es die Herren wirklich noch mal wissen und nicht nur mal eben mit ein paar Best-Of-Gigs die schnelle Kasse machen. Hätte man die T-Shirt-Preise gesenkt (28 Tacken sind definitiv übertrieben bis unrealistisch) und eine Vorband verpflichtet, könnte man von einem perfekten Abend sprechen. So war es bei hundert Minuten und 28,50 Euro Eintritt "nur" ein absolut geiles Wiedersehen mit einer grandiosen Band, wie es in dieser Form nicht zu erwarten war. Hut ab - und auf bald! (heavy) |
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