Anthrax, Prong, After All - München, New Backstage, 17.06.2003 |
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Grundgütiger, was machen ANTHRAX ein Faß auf! Aber von vorne: Aufwärmer des
mächtig lauten Abends waren AFTER ALL (ein Widerspruch in sich?), die ihr
aktuelles Album "Mercury Rising" (man beachte die Analogie zur neuen PRONG)
präsentierten. Das taten sie auch durchaus ambitioniert, doch insbesondere der
Mann am Mikro, der mich ein wenig an den Sänger von G/Z/R erinnerte, wirkte
doch eher wie Kellercombo statt Welttournee. Er wusste in seinen Gesangspausen
einfach kaum was anzufangen mit sich auf der Bühne, und Manowareske Ansagen
über die Ewigkeit des Metal sind nicht gerade der Weisheit und Kreativität
letzter Schluß, oder? Das mochte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die
Mucke, die in besten Momenten an Nevermore erinnerte, Publikum und Musikern gut
Spaß machte. Am Auftritt der Groovemetaller PRONG gab es dann eine Menge Kritikpunkte: der Dampfwalzensound ließ sämtliche Feinheiten wie Melodien im Bassgedröhne untergehen, aber dafür kann ja die Band nichts. Wohl aber dafür, dass sie sich großkotzig selbst feiern und das Publikum bei jeder Gelegenheit dazu auffordern, ihnen mächtig zuzujubeln. Memento mori, Tommy Victor! Sympathien erwirbt man so keine, zumal sein schon auf Platte recht beschränktes sängerisches Vermögen live auch kaum zu begeistern vermag. Trotzdem waren Prong geil, denn an der Klasse von Songs wie "Unconditional", "Beg To Differ", "Only A Test" und den Knallern "Whose Fist Is This Anyway" und natürlich"Snap Your Fingers, Snap Your Neck" gibt es nun mal nichts zu rütteln. Auch die beiden neuen Songs "Embrace The Depth" und "" halten das Niveau und entsprechend wird die Tommy Victor Band gefeiert wie verlorene Söhne, die Fans rocken ab und jubeln viel - zu Zugaberufen will sich dann aber auch niemand hinreissen lassen. ANTHRAX zeigen im Anschluss daran, wie man alles, aber auch alles richtig macht. Auf die Bühne stürmen und dem Fan erstmal mit "What Doesn´t Die" und "Superhero" zwei ordentliche Klopfer vom neuen Album um die Löffel gedroschen, damit er wach wird und die Ohren frei sind, dann mit dem kongenialen Joe Jackson Cover "Got The Time" den Zappeltrieb ausgelöst und darauf dann mit dem Klassiker "Caught In A Mosh" pfundig den kollektiven Watschentanz-Reigen eingeläutet - so muss ein Metal-Konzert aussehen, dann klappts auch mit der Stimmung. ANTHRAX lassen sich nämlich nicht von den Fans feiern, sondern feiern eine Party MIT ihnen. Dabei scheint es, als ob die Männer auf der Bühne noch viel mehr Spaß haben als die eh schon aufgedrehten Fans - und es wurde gehüpft, gemosht, gepogt, gerempelt und gebangt bis gut 20 Meter von der Bühne weg, Hammer! - davor. Insbesondere Frank Bello, der lockenköpfige Basslulatsch, kann keine Sekunde stillstehen, stürmt von einem Eck ins andere, singt nebenbei unglaublich fit die Zweitstimme, dass sogar der sonstige Aktivposten Scott Ian fast schon ruhig und konzentriert wirkt dagegen. Der Glatzkopf, dessen rot-schwarz-roter Bart heute aussieht "als hätte er ein Fähnlein-Fieselschweif-Käppi um den Hals gebunden", wie meine Begleitung grinsend bemerkt, war aber dennoch 100% bei der Sache, ebenso Neuzugang und Locken-Iro Rob Caggiano, der mit allen Kräften versuchte, mit den anderen Energiebündeln gleichzuziehen. Charlie Benante am Schlagzeug ist ohnehin über jede Kritik erhaben und John Bush - naja, der ist wenigstens mal ein Amerikaner namens Bush, dem man geil finden kann! Diese Stimme, so kraftvoll und energiegeladen und dann doch wieder so emotional, sucht ihresgleichen, dazu spielt er mit dem Publikum in den Ansagen, es frisst ihm geradezu aus der Hand, als er die Story vom Pferd erzählt, dass München ja ohnehin die Stadt wäre, in der sie am liebsten spielen, weil die Fans hier so abgehen - und man glaubt es ihm, auch wenn er das sicher jeden Abend über die jeweilige Stadt sagt. Die Songauswahl ließ auch kaum Wünsche offen. Klar, Kaspereien wie "Bring The Noise" und "I´m The Man" sind inzwischen wirklich alte Hüte, wenn man bedenkt, wie diese Stücke damals als Vorreiter der Rap-Metal-Crossover-Welle durchstarteten, die inzwischen aber auch toter als tot ist und längst vom New-Metal-Hype abgelöst wurde. Aber von ganz alten Klamotten wie "Metal Thrashing Mad" oder "Madhouse" über Stampfer wie "N.F.L. (Evilnikufesin)" und dem abschließenden "Indians" bis hin zu neueren Granaten wie "Only" (okay, nicht mehr sooo neu...), dem unglaublich krachigen "Crush" oder der eingängigen neuen Single "Safe Home" (schon mal mitgekriegt, dass das alles Lovesongs sind?) und "Nobody Knows Anything" - für jeden war etwas dabei und zwei unglaublich intensive Stunden waren viel zu schnell vorüber. Danke ANTHRAX! (mono) |
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