Konzertbericht

Sentenced, Lacuna Coil - Nürnberg, Hirsch, 18.11.2002

Die Italiener LACUNA COIL traten dann in Einheitsklamotten auf - waren ja auch die Einheizer für Sentenced -, also in einer Art schwarzer Priesterkutte,so dass dank des gleichen Looks die irren Frisuren der Saitenfraktion als großes Unterscheidungsmerkmal erst recht hervortraten. Vom Sound her war es dann absolut amtlich, über weite Strecken habe ich mich, anstatt so etwas zu genießen, tatsächlich dauernd dabei ertappt, dass ich dachte, hier käme was vom Band. Insbesondere die beiden Sangesmeister, Cristina Scabbia und Andrea Ferro, sozusagen die Al Bano und Romina Power des Gothic Metal, kamen dermaßen klar und exakt, dass es fast schon unwirklich klang. Während die Scheiben der Mailänder aber öfter mal eine Extrarunde in meinem CD-Player drehen und ob ihrer schönen Stimmung dort immer gern gehörte Gäste sind, fiel mir live aber mal wieder auf, dass ein Set, das fast komplett aus langsamen bis mittelschnellen Stücken besteht, doch so seine Längen haben kann. So kam auch zwar gute Stimmung auf, aber irgendwie kann man nicht wirklich gut abgehen zu Lacuna Coil, und die ganze Zeit nur auf Aushängeschild Cristina zu starren kann ja auch nicht Sinn und Zweck der Sache sein (sonst hätten die anderen ja keine Blickfang-Frisuren, wie gesagt). Ergo: gute Stimmung, überragende Stimmen, das Set aber ohne Überraschungen und irgendwie das Gefühl, hier möge doch endlich mal einer die Handbremse rausnehmen.

Das SENTENCED live nicht zu schlagen sind, hat man ja schon auf dem Summer Breeze gesehen, aber so abgegangen wie in Nürnberg sind sie schon lange nicht mehr. Die Songauswahl beschränkte sich größtenteils aufs neue Album, wobei natürlich auch Klassiker wie "The Sun won´t shine", "Farewell" und "Nephente" nicht fehlen durften, bei letzteren hatte er sogar ein gutes leckeres oberfränkisches Leikeim (Bier) seinem Wodka vorgezogen, was natürlich eine sehr große Ehre für alle Franken war! Vielleicht war ihm aber auch nur der Wodka ausgegangen... Ville flirtete ohne Ende, definitiv mehr, als sein finnischer Stolz normalerweise hergibt. Im Gegenzug dazu schmachteten ihn die Mädels in den ersten Reihen gerade zu an (Him waren übrigens schon länger nicht mehr in Nürnberg!), und spätestens jetzt erkannten Sentenced das nicht allzu große Fanpotential an jungen Mädels, die offensichtlich nicht nur an der Musik der Band Gefallen fanden. Sentenced ließen sich noch zu drei Zugaben auf die Bühne bewegen, und verschwanden dann sang- und klanglos von der Bühne. Manchereiner regte sich noch ganz fürchterlich über die doch recht kurze Spielzeit auf, und irgendetwas muss wohl drangewesen sein, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals vor 24 Uhr den Hirschen verlassen zu haben. (Anja)

(mono)

 
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