Bereits im letzten Jahr haben wir euch vom Masters Of Rock Festival in Vizovice berichtet. Und natürlich stand auch in diesem Jahr wieder das Festival fest in unserem Terminkalender.
War das Festivals bereits im letzten Jahr gut organisiert, gab es in diesem Jahr weitere positive Veränderungen. Ein neues Zelt mit diversen Kaffeespezialitäten ist für alle Koffeinsüchtigen wie mich jeden Tag ein Ziel gewesen. Und nicht nur in diesem Zelt wurden Monitore aufgehängt, so dass man bequem sitzend die Shows auf der Bühne verfolgen konnte. Die noch immer preislich sehr attraktive Auswahl an Speisen und Getränken wurde erweitert und auch auf den unteren Campingplätzen gab es genügend Auswahl an Ständen und Sitzgelegenheiten. Die Party konnte also beginnen.
Nachdem vier tschechische Bands bereits das Festival eröffnet hatten, betraten IN EXTREMO als erste deutsche Band die Bühne. Und obwohl immer mehr deutsche Fans zum Masters Of Rock fahren, stellte man sich die Frage, ob die tschechischen Fans die deutschen Texte überhaupt verstehen und mitsingen können. Und ja, sie können. Egal ob Songs wie „Vollmond“ oder „Sängerkrieg“, es wurde mit eingestimmt und ordentlich gerockt. Die Band ist ganz offensichtlich auch in den östlicheren Ländern sehr beliebt.
Das Highlight des Tages bildete jedoch die 25 Jahre Jubiläumsshow von RAGE. Peavy, Viktor und André hatten sich etwas ganz besonderes einfallen lassen. Neben einer speziellen Setlist mit Stücken aus der gesamten Bandgeschichte, holten sie einen Gastmusiker nach dem anderen auf die Bühne. Mit dabei war Hansi Kürsch, der später ja noch mit seiner eigenen Band auftrat und hier schon einmal „Set This World On Fire“ und „All I Want“ mit Peavy zum Besten gab. Aber auch Manni Schmidt, alias Ex-Rage Mitglied und jetzt bei Grave Digger zu finden, gab sich die Ehre für einen Auftritt bei „Invisible Horizons“ und „Enough Is Enough“. Nicht nur eine Augenweide, sondern auch ein schönes Pendant zu Peavy´s Stimme bildete der Auftritt von Jen Majuar während „From The Cradle To The Grave“ und „Lord Of The Flies“. Doch damit nicht genug. Für „Suicide“, „Down By Law“ und „Prayers Of Steel“ wurde Schmier (Destruction) auf die Bühne geholt und schließlich kam auch In Extremo Frontmann „Das Letzte Einhorn“ noch einmal auf die Bühne für „Gib Dich Nie Auf“. Mit dem Abschlusssong „Soundchaser“ wurden schließlich das erste Ragebaby und der glückliche Vater André Hilgers gefeiert.
Nach der Show konnten es NIGHTWISH nur schwer haben. Und dann starteten sie auch noch mit Soundproblemen. Die erblondete Sängerin Anette Olzon ließ sich nicht durch die Tatsache beirren, dass sie zunächst gar nicht zu hören war und versuchte das hoch gelegte Level von RAGE zu halten. Hätten sie eingängige und kräftige Songs wie „Bye, Bye Beautiful“ gespielt, wäre das vielleicht auch gelungen, aber so war der Start leider recht mäßig. Die neuen Songs waren nicht der Burner, aber immerhin rockte das Publikum bei den alten Tracks noch mal so richtig ab. Und einen Preis bekommen die Finnen in jedem Fall. Den für die beste Pyroshow des Festivals. Da haben sie sich wahrlich nicht Lumpen lassen und eine ganze Menge aufgefahren.
Nach einer ausgedehnten Umbaupause, die von 30 Minuten spontan auf 70 Minuten verlängert werden musste, traten als letzte Band des Tages die Brasilianer SHAMAN zusammen mit dem eigens eingeflogenen Orchester aus der Türkei auf die Bühne. Und man durfte gespannt sein, wie die Show nach dem Ausstieg von Mastermind André Matos und den Mariutti Brüdern werden würde. Während die neuen Songs noch wenig bekannt sind, sangen die SHAMAN Fans bei „Here I Am“ oder auch „For Tomorrow“ jede Strophe mit. Der neue Sänger Thiago Bianchi kann zwar offensichtlich singen, versuchte jedoch meiner Meinung nach seinen Vorgänger viel zu sehr zu kopieren, statt sich selbst zu präsentieren. Und obwohl ein großes Orchester dabei war, hörte man es leider viel zu wenig heraus. In wie weit bei nur einer Stunde Spielzeit und einer derartigen Verspätung ein ausgedehntes Schlagzeugsolo von Ricardo Confessori sein muss, sei dahin gestellt.
Freitag:
Eigentlich hätten die deutschen CALLEJON den Tag um 13Uhr starten sollen, doch ihr Drummer brach sich kurz zuvor den Arm und somit musste der Auftritt auf 2010 verschoben werden. Doch es sollten auch an diesem Tage noch ein paar hochkarätige Auftritte folgen. Zu einem dieser Auftritte kann man ganz sicher die Show von DEATH ANGEL zählen. Die Thrash Metaller aus San Francisco bewiesen einmal mehr, dass sie zu den besten ihres Genres gehören. Frontmann Mark Osegueda schaffte es sogar mit Songs wie „Killer As One“ und „Thrown At The Wolves“ nicht Thrash Metal Fans zum mitrocken zu animieren.
Und welche Band fehlt derzeit auf kaum einem Festival? Genau, die Finnen KORPIKLAANI. Sie sind ein Garant für gute Laune und eine große Party. So war es dann auch wieder auf diesem Festival. Mit Hits wie „Beer, Beer“ und „Korpiklaani“ lockten sie selbst das vom Regen durchnässte Publikum aus der Reserve.
Durchaus rasant ging es anschließend mit DRAGONFORCE weiter. Während es betreffend der musikalischen Darbietung nicht zu meckern gab, spaltete sich das Lager hinlänglich der Performance in zwei Lager. Gut, die Show ist wirklich alles andere als langweilig. Sämtliche Mitglieder rocken sich den Allerwertesten ab, rennen wie irre über die Bühne, Gitarrist Herman Li leckt seine Gitarre ab, als wäre sie zuckersüß, Sänger ZP Theart spuckt Wasserfontänen in die Luft und das Zusammenspiel der Band ist top. Aber was bitte ist mit Keyboarder Vadim Pruzhanov passiert? Hat er einen Flummi verschluckt? Ständig hüpft er wie wild über die Bühne, mit seiner neongelben Hose und den grünen Haaren erweckt er dabei mehr den Eindruck eines Clowns. Und die Einlage auf dem Rücken liegend Keyboard zu spielen und mit den Beinen wie wild zu strampeln erweckte eher den Eindruck eines Käfers in Not. Nun denn, wer darauf steht. Zum Glück konnte der Rest der Truppe wahrlich überzeugen und schmetterte Songs wie „Fury Of The Storm“, „Heroes Of Our Time“ und „Operation Ground And Pound“. Die eigene Beschreibung Extrem Power Metal trifft es dabei am besten.
Als Headliner des heutigen Abends betreten um 23 Uhr EDGUY die Bühne. Während Tobias Sammet im letzten Jahr noch mit AVANTASIA auf der gleichen Bühne stand, hat er nun seine hessischen Kollegen wieder dabei. Und wie bereits auf der Tour im Januar/Februar starten sie mit „Dead Or Rock“ und „Speedhoven“ gleich wieder voll durch, bevor es mit dem älteren Song „Tears Of A Mandrake“ weiter geht. Das EDGUY sich in den östlichen Ländern einer großen Beliebtheit erfreuen, ist unverkennbar. Große Flaggen werden empor gehalten und die verschiedenen Fanclubs haben sich versammelt, um gemeinsam in den ersten Reihen ihre Band zu feiern. Im Gegensatz zu NIGHTWISH am Vorabend haben EDGUY einen guten Sound und können so mit „Lavatory Love Machine“ und „Mysteria“ weiter einheizen. Doch was ist mit Herrn Sammet los? Keine Witze, keine Klettereinlagen? Die einen freut es, die anderen vermissen es schon, so kann das gehen, wenn man sich erst einmal dran gewöhnt hat. Natürlich verwandelt die Ballade „Save Me“ einmal mehr das Areal in ein Meer aus Feuerzeugen und Handylichtern, während „Sacrifice“ und „King Of Fools“ bereits das Ende der Show einläuten.
(tennessee)
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