Konzertbericht

Blessed By A Broken Heart, I Am Ghost, Devils Gift, Five And The Red One - Hamburg, Logo, 04.11.2008

Ein bisschen Glam, ein wenig Vampire Horror, dazu eine Prise Epic und natürlich eine gehörige Portion Core - wenn das mal keine Mischung ist, die Erfolg verspricht. Gleich beim Betreten des LOGOS springen die Klischees nur so um die Wette. Heute scheinen für die Gäste schlecht gestochene Tatoos, für die Bands alberne Namen Eintrittsbedingung zu sein. Na na, Fassaden sind für die Oberflächlichen. Wir freuen uns also erst mal auf einen Abend mit Bands, von denen einige bis dato noch nie etwas gehört haben.

Los geht’s also ein paar Minuten nach 20 Uhr mit FIVE AND THE RED ONE. Der blondgelockte Sänger Dave und seine fünf Jungs aus Ulm haben sich vorgenommen, "vor dem Heavy Metal noch ein wenig Rock zu spielen". Nur zur, wir wären ja bereit. Mit zünftigem Hardrock, einigen netten Keyboard- und Gitarrenpassagen und recht sauberen Gesang wollen die kleinen BON JOVIs heute Abend die Ohren erobern. Wenn das LOGO doch nur schon etwas voller wäre. Auch mit Hitanwärtern wie "Fall" und dem folgenden "The Long Run" schaffen es FIVE AND THE RED ONE nicht wirklich, die verstreuten Zuschauer zu berauschen, auch wenn sie sich aufrichtig bemühen. Demnächst, so Dave, werden sie vor WHITESNAKE und ALICE COOPER spielen. Dann drücken wir ihnen mal feste die Daumen, dass die Sporthalle ihre Bemühungen ein wenig mehr zu schätzen weiß. Im LOGO muss der Sechser jedenfalls um kurz nach halb neun die Bühne räumen.

Umbaupause, BEASTIE BOYS und brave Menschen, die zum Rauchen das LOGO verlassen. Klasse. Und bereits eine gute Viertelstunde später stehen DEVILS GIFT bereit, uns zu becircen. Und das LOGO füllt sich merklich, steht doch nicht jeden Abend eine echtes Suicide Girl auf der Bühne. Lennon Murphy, Sängerin und Frau, die in ihrem Suicide Girl-Profil unter "Fantasie" schreibt: "Having my own personal midget sex slave that lives in a cage in my bedroom" zieht heute viel Publikum an. So gelangweilt der Bassist aus der Wäsche guckt, so keck springt Lennon um den Pfeiler des Logos und singt, schreit und tanzt. In ruhigen Momenten klingt das Teufelsgeschenk wie GUANO APES oder Amy Lee von EVANESCENCE. In weitaus häufiger vorkommenden lauten Momenten straft es all jene Lügner, die meinen zum Growlen benötige man eine tiefe Stimme, die Frauen eben nicht hätten. Auch im Publikum scheint die Meinung über growlende Frauen geteilt zu sein, ich persönlich fand die Frontfrau kein Stück peinlich sondern sehr begabt. Ganz im KITTIE Style gibt es hier weniger Gurren und Schnurren sondern Doublebass, aggressiven Gesang und erwähnte Growls. Und diese Mischung aus Melodie und Härte gefällt. Besonders "Shadow Never Ending" mit seinen Sprüngen von wild zu ruhig, von sexy zu übermütig, und das zu Begin fast schon sinnliche "Victim" kommen bei den kühlen Hamburgern gut an. Die rothaarige und bauchfrei tätowierte Nymphe schafft es tatsächlich, die Menge aus den Ecken zu locken. Auch wenn das Debüt Album erst vor ein paar Tagen erschienen ist und DEVIL'S GIFT somit eher ein unbeschriebenes Blatt sind beginnt Hamburg zu feiern. Und die neckische Lennon, übrigens frisch von Yoko Ono auf den Namen ihres toten Mannes John Lennon verklagt, liefert wirklich eine ungewöhnliche und unterhaltsame Show ab, die gehen halb zehn ihr Ende findet.

Und dann starten I AM GHOST, die Band wegen der ich heute eigentlich hier bin. Denn ich will endlich wissen, ob das neue Album im Vergleich zum Debüt auch live so wenig Rums hat. Das Intro "We Dance With Monster" vom neuen Album erklingt vom Band, Nebel wallt über den Boden der Bühne, das Flüstern der Frauenstimme und das Glockenspiel sorgt für mystische Stimmung. Und dann flattern die Vampire von I AM GHOST auf die Bühne und beginnen mit viel Energie zu Rocken. Zu "Don't Wake Up" ertönt der Damengesang von Band. Was bleibt den Kaliforniern auch anderes übrig, nachdem sie ihre Frau einschließlich der Geige gefeuert haben. Ohne Pause drischt das treibende "Our Friend Lazarus Sleeps" des grandiosen Debüts los. Und wieder fällt auf, dass extrem viele Frauenparts aus den Lautsprechern dringen, doch weit und breit keine Frau zu sehen. Der bleich geschminkte Steven gibt dafür auf seiner ersten Europa Tour alles, freut sich, dass in Deutschland so viel Bier getrunken wird und fragt, wer denn noch Platz zu Hause hat, da die Band keine Lust mehr auf den Tourbus habe. Mit viel Spaß und Können, aber vor allem jeder Menge Feuer im Hintern fegen die Jungs über die Bühne und fegen Hits wie "Killers Like Candy", "Those We Leave Behind" und natürlich "We Are Always Searching" durch die Boxen. Hier und da wird versucht, die fehlende Geige mit Gitarren nachzuspielen. Auch wenn wohl vielen die Geige lieber gewesen wäre, auf Sprüche wie "fuck your scene, enjoy the music" reagiert das Publikum euphorisch. Der Mann mit der roten Krawatte und der düsteren Gestik bringt sogar einige zum Stagediven. Naja, diven, er wird von drei Leuten durchs Logo getragen, aber Spaß macht es ganz offensichtlich trotzdem. Eine durchaus gelungene Show, die jedoch nicht darüber hinweg trösten, dass die Frau mit der tollen Stimme und Fiedel einfach fehlt.

In der Pause werfe ich im Vorbeischlendern wie immer einen ausgiebigen Blick auf die Merchartikel der Bands. Ich muss gestehen, der Name BLESSED BY A BROKEN HEART sagte mir bis heute nichts, und wenn ich mir das Logo und die entsprechend gestalteten neonfarbigen Hair-Metal-Shirts so ansehe könnte meine Meinung bereits beeinflusst sein. Grell, ironisch, toupiert - das riecht mir stark nach Candy Metal hoch zehn. Doch lassen wir die Kanadier erst einmal singen. Die Sunnyboys beglücken uns gegen 23 Uhr mit Sonnenbrille und Axtgitarren. Der krasse Gitarrensound bricht los, und ich bin schon kurze Zeit später sehr froh, stabiles Schuhwerk anzuhaben. Denn im LOGO ist nun die Hölle los. Der Poser Metal geht sowas von ins Blut und in die Beine, dass niemand mehr an seinem Platz steht. Geil! Ein Hit folgt dem anderen, "She Wolf", "She's Dangerous" (for the girls in the first line), "Don't Stop" mit seinen 80er Jahre Synthies und natürlich "Move Your Body", da bleibt kein Auge trocken. Denn Glitter Rocker Tony am Mikro spritzt immer wieder sein Wasser in die pogende Menge. Mit extremer Power versprühen die außergewöhnlichen Glam-Metalcoreler nicht nur optisch Opulenz und Glanz, sondern präsentieren ihre Songs von "Pedal To The Metal" und "Show Me What You Got" mit einer Wildheit und Dynamik, dass man ganz berauscht ist. Je beknackter die Klamotte desto besser das Feeling. Eine wahnsinnig gelungene Mischung aus Metalcore, heftigen und lustigen Gitarren, schicken Jungs mit schrulligem Humor und Musik, die straight in die Beine zischt. Ich schätze heute haben einige Bands neue Fans gefunden, und ich gehöre mit Sicherheit dazu! Ein kunterbunter Abend zum Feiern, Schmunzeln und Spaß haben. Was will man mehr?

(sk)

 
Dieser Bericht wurde bisher 1032 mal gelesen.

Fotogalerien:

  • Bericht bei Facebook posten!
  • Review bei MySpace posten!
  • Bericht bei Twitter posten!
  • Bericht bei StudiVZ posten!

 
 
 
 
 
 
 
 
 

© 1999-2012   www.METAL-INSIDE.de