Konzertbericht

Mercenary, Raunchy, Pilgrimz, Last Mile - Odense, Posten, 11.09.2008

Ein Auto, ein Ausflug, ein Konzert...und ab nach Dänemark! Im Rahmen der MTV Headbangers Ball Tour warteten dort nämlich schon vier dänische Hardcore Bands darauf, zeigen zu können, was Dänemark noch so zu bieten hat...eben ausser Olsen Bande, Carlsberg oder Hot Dogs.

„Posten“ hieß der Schuppen, in dem die Gruppen in Odense Halt machten. Das Gebäude, das zum Hauptbahnhof gehörte, schien zunächst den Dimensionen des Örtchens gerecht zu werden: klein und gemütlich. Umso überraschter durfte der Neubesucher ein, als er den eigentlichen Bühnenraum betrat, denn „Raum“ war hier durchaus untertrieben. Gerade deswegen war es schade, dass sich dieser nicht mal zur Hälfte füllen ließ. Aber die Gäste schienen das mit guter Laune und Spaß wieder wettmachen zu wollen.
Das dänische Metal-Publikum entpuppte sich als bunt gemischtes Völkchen, vom Normalo, über „I Love Jesus“-Shirt-inklusive-Indierock-Style-Trägern bis hin zum typischen Metal-Anhänger und zwischendrin die Bandkollegen, die gerade nicht auftreten mussten.

LAST MILE machten den Anfang und boten optisch wie musikalisch die Punk-Version des Hardcore. Erst zu Beginn des Monats mussten LAST MILE auf ihrer Internetseite den Ausstieg ihres Drummers Snick bekannt geben. Ein Ersatz war bereits gefunden und so spielten sie mit Neuzugang Jeppe Munk auf. Als Feuertaufe die Headbangers Ball Tour? Warum nicht!? Gemerkt haben dürfte es wohl kaum einer, dass Jeppe erst seit weniger als einem Monat dabei ist. Kompromisslosen Hardcore, Old School und ohne viel Schnickschnack, legten die vier Dänen in die Lautsprecher und auf die Bühne. Sänger Laurits pogte dabei, als würde es sich um einen reinen Punk-Abend handeln.

In der Umbaupause, drängte sich der Großteil der Besucher in den Freiluftbereich, da auch Dänemark nicht vom Rauchverbot umschifft wurde. Der Versuch, wie viele Menschen mit wohl auf möglichst wenig Quadratmeter passen, ohne den anderen anzuzünden, führte letztendlich dazu, dass man jeden an dem Abend irgendwie schonmal gesehen hatte.

Als nächste Band durften PILGRIMZ ran, eindeutig die Rockabilly-Fraktion der Hardcore-Burschen, zunächst nur optisch…aber klang da in der Bassline tatsächlich gerade so was wie Rock’n’Roll an? Die folgenden Gitarrenriffs ließen keinen Zweifel mehr daran, dass der Abend ein Hardcore-Themenabend werden würde! Jetzt also Rockabilly! Mit Energie am Mikro und später auch auf den Boxen, riss Sänger Max das Publikum mit. Nur vereinzelte Menschen ließen noch die nordisch unterkühlte Art raushängen. Der Rest freute sich über PILGRIMZ inkl. Max, der inzwischen über die Absperrung gehüpft war und wie ein wildes Tier kurz vorm finalen Sprung das Publikum anvisierte. Zuhause vorm CD-Player würde das eindeutig weniger Spaß machen!

Nach den sportlichen Einlagen dieser Band, kamen RAUNCHY an die Reihe, die sich am frühen Abend meinen Interviewfragen stellen mussten. Das Publikum war inzwischen mehr als heiß und schien doch noch ein wenig gewachsen zu sein. Aber schließlich bewegten wir uns ja auch auf die Headliner des Abends zu. In der Stilreise nun eindeutig im Death-Pop angekommen, wie die RAUNCHY-Jungs ihren Stil selbst gerne bezeichnen, machte der Abend nun endgültig richtig Spaß. Die Mischung aus eingängigen Refrains und harten, kompromisslosen Core-Parts brachte viel gute Laune und bretterte aus den Lautsprechern. Trotz ganzer sechs Bandmitglieder ein aufgeräumter, kompakter und nicht zuletzt krasser Sound. Die Euphorie sprang auf die Meute vor der Bühne über, auch wenn sie bei manchem vielleicht etwas zuviel auslöste...zumindest bei dem Herren, dem es nicht reichte auf dem Foto mit Handpose-Teufelszeichen aufzutauchen...nein, nein, da musste mehr Effekt her...z.B. Blut zwischen den Zähnen. Und wie kriegt man das so schnell hin? Richtig, der kreative Mensch an sich beißt sich kurzerhand eine kleine Wunde an der Hand auf...die spinnen die Dänen! „Eingefleischt“ bekommt da eine völlig neue Bedeutung. Hätte diese Showeinlage nicht einzig und allein mir gegolten, wäre sicherlich auf das eine oder andere Bierchen verzichtet worden.
Das Geschehen auf der Bühne ging davon natürlich unbeirrt weiter und spätestens als alle Bandmitglieder, die nicht vom Keyboard oder Schlagzeug am Platz „gefesselt“ wurden, sich am Bühnenrand in nahezu heroischer Pose in einer Reihe aufstellten und, wie das Publikum, den Auftritt zu genießen schienen, waren alle Blutsbrüder vergessen.

Die letzte Band des Tages läutete die Powermetal-Runde in Sachen Hardcore ein: MERCENARY. Growling und hohe Gesangspassagen bestimmten diesen Teil des Abends, genauso wie stimmungsvolle und opulente Klänge. Verglichen mit den Vorgängerbands, der eher ruhigere und atmosphärische Ausklang eines prall gefüllten Soundpakets. Mikkels Gesang, manchmal schon fast an der oberen Schallgrenze angekommen, ließ den Hörer noch einmal in einer völlig anderen Klangwelt ankommen, nur um kurz danach mit seinen Growls und den anderen MERCENARY-Kollegen das Brett loszutreten.

Die Headbangers Ball-Station Odense war ein gelungener Ausflug in die verschiedenen Soundwelten des Hardcore. Keine der Bands musste sich zum Vorwurf machen, sie würde etwas von der anderen abkupfern. Die dänischen Bands, die sich heute Abend vorstellten, sind der beste Beweis, dass guter Metal nicht länger nur aus Schweden oder Finnland kommt!

(dan)

 
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