Rock Harz Open Air 2008 - Samstag, 19.07.2008 |
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Samstag früh am Morgen um 13 Uhr hatten sich noch nicht wirklich viele Leute auf dem Festivalgelände eingefunden, so dass die Braunschweiger/Salzgitteraner/Wahldänen D.A.M.N. leider nur vor einem guten Dutzend bereits ordentlich partywilliger Verrückter ihren halbstündigen Gig abreißen mussten. Zwar spielte die Band im Gegensatz zu ihrem letzten Besuch beim „Rock Harz“ im Jahr 2005 auf der großen Bühne, aber aufgrund der sehr mauen Resonanzen konnte man der Band anmerken, dass echter Zerstörungswille nicht unbedingt aufkommen wollte. Außerdem taugten die sehr komplexen und sehr tight gespielten Songs wohl nicht als lockerer Muntermacher; zudem schien Sängerin Toni nicht so recht bei der Sache zu sein, so dass dieser Gig zwar einerseits die gewohnte musikalische Klasse der Band bot, man die Vorstellung aber insgesamt eher als „solide“ bezeichnen muss. Vielleicht lag es an den wenigen Leuten, vielleicht an der frühen Auftrittszeit, aber ich habe diese saustarke Band schon oftmals sehr, sehr viel stärker erlebt. (do) Unter einem schlechten Stern steht das Heimspiel von CAST IN SILENCE. Sauerbrey hat sich’s verdorben und verlässt die Harzer – aus musikalischen Gründen, wendet sich The Core zu. Vielleicht findet Lowin ja einen neuen Mann, um das stetig drehender Mittelgebirgs-Karussell zu stoppen. Denn CIS sind trotz unmöglichen Outfits (weiße Hemden, auch mit Bermudas, na ja, zumindest bleibt’s so im Hirn) eine interessante, weil eigenständige Band. New Metal trifft auf Power Metal trifft auf alles Mögliche – und wenn die Stimme Lowins auch live an die Studio-Qualität anknüpfen könnte, wäre der Auftritt ein verdammt guter gewesen. Ordentlich war er sowieso, wenn man auch über das Cover „Voyage, Voyage“ geteilter Meinung sein darf, oder? 2 Minutes Hate The Last Straw If Mourning Never Comes Misery Inn Where There Is No Darkness A Malady For Mother Earth Voyage, Voyage Das DIABLO SWING ORCHESTRA aus Schweden ist was ganz besonderes. Sie ziehen rote Samtgewänder über, haben eine Cellisten a la Apocalyptica in der Mitte sitzen und die Operndiva ist nicht gerade hübsch, sondern eher dicklich. Dafür gucken alle furchtbar arrogant und machen was ganz enorm neues, nämlich Metal mit Swing-Einflüssen. Und wisst ihr was: Das ist echt ganz besonders: Besonders scheiße. Wenn die Band und ihr Album „The Butchers Ballroom“ nur langweilen würde, wäre es noch erträglich, aber das Ensemble nervt kolossal. Dagegen ist die Sängerin sogar noch schlank. Fort mit dieser Gülle. (memme) THIRD MOON mussten ihren Auftritt kurzzeitig canceln, was den Schwaben HACKNEYED die Chance eröffnete, zu zeigen, was die draufhaben. Und die Newcomer ließen ordentlich einen los und stellen unter Beweis, warum ihr Debüt beim Szeneriesen Nuclear Blast veröffentlich wird. Der Süddeutsche Death Metal hatte jedenfalls richtig Eier und wurde erfreut vom Publikum aufgenommen. Keine Frage, mit HACKNEYED wird in der Zukunft verstärkt zu rechnen sein. (lk) So langsam wird es eine unendliche Geschichte mit BURDEN OF GRIEF : der Nachfolger zu "Fields Of Salvation" sollte schon lange, lange draußen sein und die Band wollte auch schon mehr live gespielt haben, als die gschätzen 5 Gig in den letzten drei Jahren. Die Konsequenz : viel zu wenig Masse vor der Mainstage. Und leider präsentierten sich die Kasseler Melo Deather auch nicht unbedingt in Topform und wirkten etwas bieder. Den guten Ruf, den sich BURDEN OF GRIEF in der Vergangenheit erspielt hatten, muss erstmal wieder restauriert werden. (lk) LACRIMAS PROFUNDERE sind so eine Sache für sich. Die charterprobten Gothic Rocker mag man, oder man hasst sie. Oder man macht das, was viele an diesem Samstagnachmittag beim Gastspiel der Jungs machen : weiter hinten stehen und einfach lauschen. Denn ihre Sache machen die Jungs ohne Zweifel gut und genug Ohrwürmer hat man auch im Repertoire. Eben eine Band, die man sich mal so nebenbei anhört, wobei man fairerweise zugeben muss, dass sie nicht so wirklich auf das Billing gepasst haben. (lk) . MAROON, Metalcore Teil zwei? Nein, die Jungs sind kein Core und wohl sogar noch besser als tags zuvor NEAERA. Nein sicher: Denn die Jungs machen nicht nur extrem coolen, harten Metal, sie optimieren ihre Show mit einem echten Fronter (trinkt keinen Alkohol, rotzt aber wie ein Lama), mit Sodom-Shirts und echtem Metal-Gepose –„Endorsed By Hate“ eben. André Moreweck sucht unablässig die Konversation, fordert solange die Fingerchen in die Luft, bis auch der letzte Headbanger ihm sie sonst wo hinstecken täte, wenn Andrélein es nur wollte. Ob der Ostharz wirklich schöner als der Westharz ist, weiß ich nicht, das Metal-Paradies lag für eine knappe Stunde auf jeden Fall in Förste. Vor der Bühne – von MAROON. (memme) SECRETS OF THE MOON sind die einzige Black-Metal-Band des gesamten Billings – und kaum entlocken Sie ihren Instrumenten die ersten Töne, da beginnt es tonnenschwer zu gießen. Wenn das mal nicht true as hell ist. Ansonsten aber sind die Deutschen eher unwahr: Denn erstens sind die nicht angepinselt, zweitens trägt einer eine HIM-ähnliche Wollmütze, drittens spielt eine gutaussehende Frau für AD mit und viertens post der Sänger wie eine Mischung aus Hetfield und Warrel Dane. Das ändert aber nichts an der anspruchsvollen Arbeit der Band – die ein Level bietet, das nicht viele Bands dieses Genres, schon gar nicht in Deutschland halten können. Mal sehen, was da nach dem Split von A.D. noch geht... (memme) Hätte man vor dem Festival gefragt, welche Bands man eigentlich überhaupt nicht bräuchte, WITHIN TEMPATION und CREMATORY wären mit Sicherheit ganz oben im Ranking gelandet. Trotzdem ist es trotz des hohen Grads der Polarisierung, den Felix & Co nie wieder los werden, erstaunlich, wieviele Fans dann doch ganz vorne stehen. Und ganz vorne fällt auf, dass CREMATORY richtig die Bühne ausfüllen – eben, weil ihr Frontmann nochmal richtig in die Breite zugelegt hat. Etwas hüftsteif wirkte die Show, die eigentlich gar nicht mal so schlecht war. Bösen Zungen behauptern zwar, dass die Unterbrechung durch das an diesem Wochenende heftigste Gewitter-Intermezzo eine Art Segen gewesen wäre, dennoch kann man CREMATORY den im großen und Ganzen guten Gig nicht absprechen. Nur der Sound konnte da nicht so ganz mithalten. (lk) Vero von BENEDICTUM ist drall – die Songs sind aber nicht so prall. Am ehesten bleibt neben der auffälligen Frontfrau das ganz coole Accept-Cover „Balls To The Wall“ hängen. Und irgendwie scheint es, als wenn diese Titel bei der Dame Programm wäre. Also nehmt Euch in Acht. (memme) Auch bei SODOM sorgt der Wetterdeibel für feuchte Erfrischung – und Tom sorgt für Erfüllung feuchter Träume, in dem er „Die stumme Ursel“ mal wieder zum Leben erweckt. Das macht die Musik auch mit hunderten Zuschauern, die dem Regen trotzen. Ansonsten alles wie immer: Angelripper steht wie Lemmy vor dem Ständer, er röhrt rein von „Outbreak Of Evil“ bis „City Of God“ vergisst ebenso viele Klassiker wie er spielt und macht Spaß. Bobby und Bernemann ist der ebenfalls anzusehen. Endlich mal wieder Thrash, mehr Thrash. (memme) Klar, als SODOM die Bühne betreten, fängt der Himmel an zu weinen... schließlich tritt der Angelripper auf. Gott ist also nachtragend... oder 'ne Frau. Routiniert und ohne viel Firlefanz geht es los mit "Blood on your Lips", "Outbreak of Evil", "M16", "Sodomie and Lust" und "City of God". Was jetzt schon positiv auffällt, ist, dass vom ersten bis zum aktuellsten Album alles dabei ist! Beim folgenden "Wachturm" baut man ein kleines Mitsingspielchen ein und im Anschluss darf Pastor Tom eine kleine Hochzeitszeremonie für seine Bekannten namens Dennis und Julia abhalten. Viel Glück! Danach geht es aber in SODOM-Manier weiter und die "Stumme Ursel" wird auf die Bühne geholt, bevor es mit "Blasphemer", "Surfin' Bird", "The Saw is the Law", "Obsessed by Cruelty" und (endlich ein Stück von "Agent Orange"!) "Remember the Fallen" und dem Abschlussgewitter "Bombenhagel" zu Ende geht. Ich gebe zu, dass ich mir mehr von "Agent Orange" gewünscht habe, schließlich war es meine erste ernstzunehmende Begegnung mit SODOM, aber dennoch lässt der gute Mix aus altem und neuen Material eigentlich keine Wünsche offen, denn alles passt hervorragend zusammen. Tom Angelripper, Bobby und auch Bernemann sind in hervorragender Verfassung und Tom und Bernemann wechseln auch häufig ihre Positionen, was zwar nicht unbedingt Chaos auf der Bühne verursacht, aber für etwas Bewegung sorgt. Auch die Ansagen von Tom sind köstlich und er bedankt sich noch mal für die Einladung, denn bei ihm zu Hause findet an diesem Wochenende die Love Parade statt, und er ist froh, dem entkommen zu sein. Auch ist der Sound wirklich in Ordnung, wenn man bedenkt, dass es ziemlich schwierig ist, Thrash-Bands mit einem ordentlichen Live-Sound zu versorgen. Mein Headliner hat jetzt gespielt und für mich geht es jetzt auf einen kleinen Absacker zur kleinen Bühne... (chris) MEGAHERZ haben mich nie interessiert, die eigentlich als reines Projekt gegründeten EISBRECHER interessieren spätestens nach dem Rock Harz schon. Man mag sie als RAMMSTEIN-Verschnitt bezeichnen wollen, muss aber objektiv zu geben, dass die Truppe von Ex-MEGAHERZ Frontsau - Alexx - Wesselsky einfach einen guten Job macht. Überhaupt steht die und fällt die Band mit ihrem charismatischen Sänger, der weiß, wie der die zu später Stunde zahlreich versammelten Fans vor der kleinen Bühne begeistern kann. Gute Songs wie « Antikörper » oder das sehr starke « Kein Mitleid tun natürlich ihr Übriges dazu, dass man hier von einer richtig gelungenen Show sprechen kann. Hat wirklich Spaß gemacht. (lk) AMON AMARTH waren wohl für die meisten Zuschauer der absolute Headliner, schon auf der Autogrammstunde war der Teufel, also quasi Odin los. Und auch auf der Bühne blieben die Wikinger Groovy-Deather ihren Fans nix schuldig. Neben dem chronisch coolen und gemeinschaftlichen Propeller-Banging und dem schmucken Schilderwald (aus Wikinger-Hausen) auf der Bühne beeindruckten die Schweden auch mit einem ambitionierten Feuerwerk, nicht zu kaufen im heimischen Drogeriemarkt, sondern ein bis drölf Nummern größer. Noch was? Ach ja, die Mucke: Souverän sympathisch wie eh und je spielten sich AMON AMARTH in die Herzen von Männlein und Weiblein. Die Fans rasteten förmlich aus, ihnen schien nach härteren Tönen förmlich zu dürsten. Es gab Songs wie „Across The Rainbow Bridge“, “Death In Fire”, “Victorius March”, “Cry Of The Black Birds”, „Pursuit Of Vikings“ und “Asathor”, aber keine von "Twilight of The Thundergod" - ein Faux Pas, wie man heute weiß. Und der einzige. Die Fans jedenfalls gingen hochzufrieden gen Heimat/Auto/Zelt/Wald - und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie auch heute noch AMON AMARTH-Fans. Nur ein Schlechtes hatte der märchenhafte Auftritt dann doch noch: Alle, die in Ruhe in Förste und Umgebung noch ein Bierchen lutschen wollten, die quälte eine niederländische Trällerelse beträchtlich - wer sie nur genauso früh heim gefahren, wie ihre Landsmänner von der Euro 2008 ... (memme). Nee, mit dem Headliner-Slot hatte der Veranstalter weder WITHIN TEMPTATION noch sich selbst einen gefallen getan. Nachdem AMON AMARTH mit einer Weltklasse-Show nur noch verbrannte Erde hinterlassen haben, konnten die Niederländer eigentlich nur noch verlieren. Das Publikum hatte seinen wahren Headliner schon gesehen und so machte sich schon relativ früh eine Abwanderungswelle auf den Heimweg. Und so konnten WITHIN TEMPTATION nur noch versuchen, Schadenbegrenzung zu betreiben, was auch ganz gut gelang. Die bezaubernde Sharon del Adel war gut bei Stimme, die Lightshow herrlich imposant und stimmig und so kam bei « Ice Queen », « Mother Earth » oder dem neuen Song « Stand My Ground » doch noch etwas Feeling auf. Leider hatte man aber beim Sound mächtig daneben gefriffen, so unausgewogen klang eigentlich keine Band am Wochenende. Gesang und Keyboards waren gut zu vernehmen, die Gitarren eigentlich nur zu erahnen – nicht wirklich schön. Insgesamt eine routinierte Show, die aber nicht wirklich zu Begeisterungsstürmen animieren konnte. (lk) (lk) |
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