Konzertbericht

Knorkator, Cosmic Damage Project - Bayreuth, Komm, 06.04.2008

Ich bin schon immer wieder erstaunt, wie viele Menschen (die meisten davon mit humorigen T-Shirts) sich auf einem Konzert der "meisten Band der Welt" einfinden, denn KNORKATOR sind nun mal nicht trendig, Humor ist ohnehin oft nur eine kurzlebige Mode, und ein Witz wird nicht besser, wenn man ihn öfter erzählt. Außer - man erzählt ihn anders! Das wollten die fünf Berliner in der in puncto Rockkonzert durchaus ausgehungerten Wagnerstadt Bayreuth tun, indem man "im kleinen Rahmen" spielt, um nicht zu sagen "an plackt!". Ob das funktioniert erzähle ich gleich, wie das gedacht ist, erklärt Alf Ghansitan kurz vor dem Konzert so:

"Natürlich haben wir Strom - wir tun nur so als hätten wir keinen! Der größte Unterschied ist ohnehin der, dass ich weniger singe, weil ich ja nun richtig spielen muss, statt wie sonst mit Klobürsten auf Gegenstände zu dreschen. Ich habe leider festgestellt, dass ich von Singen und Spielen gleichzeitig tatsächlich überfordert bin."

Nach der lokalen Vorband (mehr dazu am Ende) regierte also erst Spannung und dann der Wahnsinn. Stumpen in einem schockierend grünen Rock ("den werdick demnächst uff i-beeh versteijern!", "Was ick drunter habe? Na'n Innefutter!"), ein iBook als Teleprompter nutzend, verlangt von den ersten 7 Reihen, sich hinzusetzen - was sogar gelingt ("damit ein bisschen Matinee-Feeling aufkommt"). Das ist aber - meiner Meinung nach - in der ersten halben Stunde der Stimmung durchaus abträglich, denn wenn vorne keiner sich bewegt und die Stillsteher hinten noch stiller stehen, weil sie ja auch endlich mal was sehen... dazu war anfangs der Sound nicht der Brüller, das Keyboard war nicht präsent, der Bass und die Drums dagegen mit einem Biss, der diverse Feinheiten, wie etwa den Gesang, zunächst zerstörte. Wollen wir nicht meckern, es wurde ja bald besser. Erstes Highlight war "Alter Mann", die diversen Coverversionen im Set waren jedoch diesmal nicht das Tüpfelchen auf dem i, sondern eher fad. "Ring Aus Feuer" oder "Ich erschoss den Kommissar" waren nur halblustig, die Countryversion von "All That She Wants" dagegen hatte Feuer.

Nach diversen Absurditäten (Buchvorstellung von Alfs neuem Werk "Die Satanischen Achillesferse" per Overheadfolien während "Champs Elysee" intoniert wurde; Wurst-Ess-Wettbewerb zwischen Fans) wurde der Sound aber immer besser, griffiger, alles bekam Schwung und das Publikum wurde auch immer lebendiger. Unplugged? Kaum, aber eben mehr Akustikgitarre und Klaviersounds aus dem Keyboard, dazu Gesang fast nur von Stumpen. Dadurch klangen die Songs anders, frischer, und nach 2 Stunden hatten sich KNORKATOR und Bayreuth richtig liebgewonnen. Da klappte der Tango von Zuschauern auf der Bühne (zu "Böse", eben nun im Tangorhythmus) ebenso wie die spontan-ausgelassene Polonaise im Publikum zu "Wir Werden Alle Sterben", die sogar Stumpen zum Lachen brachte ("dat muss ick mir merken, ne Polonaise zu nem Song übers Sterben, ich werd nich mehr!" oder so...). Und weil auf der winzigen Bühne so wenig Platz für Zoten von einem heute sehr zurückhaltenden Alf war, konnte man umso besser sehen, wie viel Spaß Drummer Nick Aragua hat, der kommt während eines Konzerts aus dem Grinsen nicht mehr raus, es ist sowas von ansteckend, ihm zuzusehen. Fazit: Experiment gelungen, KNORKATOR können auch Semi-unplugged (oder half-plugged? Steckdose halbvoll/halbleer?) abräumen und alle hatten Spaß. Lohnt sich, nicht zuletzt wegen des kommoden Eintrittspreis von € 14 VVK (zumindest in Bayreuth), die Tour läuft, geht hin!

Setlist:
1) Es kotzt mich an
2) Der Werwurm
3) Alter Mann
4) All that she Wants
5) Ding inne Schnauze
6) Schmutzfink
7) Alles ist Scheiße
8) Highway to Hell
9) Oh, Champ Elysees
10) Ring Aus Feuer
11) Ich erschoß den Kommissar
12) Miss Marple Theme
13) Extrawurst
14) Ich will nur Fi**en
15) Eh du alte Fi**sau
16) Der ultimative Mann
17) Ich hasse Musik
18) Ich verachte Jugendliche
19) Ich schäme mich für meine Fans 20) Wir werden alle Sterben
21) Böse
22) Weg nach unten

Noch kurz zur Vorband COSMIC DAMAGE PROJECT: ich zitiere aus dem Programm "Die vier Bayreuther Musiker haben in einem (nicht-schwulem) zwischenmännlichen Erlebnis festgestellt das ihre Schwingungen verdammt kosmisch sind. Seitdem absolvieren sie ausschließlich improvisierte Konzerte zwischen Progressive Rock, Ambient, Drum and Bass und Elektro bei denen man natürlich nie vorher weiß was noch kommt." Irgendwie haben die vier Mann wirklich einen sehr eigenen Stil. Gut, wer erwartet schon Action, wenn der Gitarrist ein DREAM THEATER Shirt anhat und seinen Pferdeschwanz zum Konzert nicht aufmacht? Aber die überlangen Stücke (oder wurden nur keine Pausen dazwischen gemacht?) waren eigen, verspielt, sehr spacig-trancemäßig, interessant. Oft nicht mehr als letzteres, aber immer wenn sie mal einen Weg gefunden haben, Fahrt aufzunehmen, dann gingen sie gut in die Beine und hätten das Potenzial, an die großartigen KONG heranzureichen, an die sie mich mitunter erinnerten, so ganz ohne Gesang aber mit zwei Schlagwerkern. Wenn da nicht gar so viele selbstverliebte Spielereien bei Gitarre und Bass wären, die den Groove gerne zernudelten, und dafür die Diszipliniertheit von Schlagzeuger Pipse Apokalypse regiert hätte, dann wäre es richtig gut gewesen. So blieb es leider etwas halbgar, doch viel besser, als der beschämend schwache Applaus am Ende vermuten ließ.

(mono)

 
Dieser Bericht wurde bisher 1119 mal gelesen.

  • Bericht bei Facebook posten!
  • Review bei MySpace posten!
  • Bericht bei Twitter posten!
  • Bericht bei StudiVZ posten!

 
 
 
 
 
 

© 1999-2010   www.METAL-INSIDE.de